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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1902-02-14 · 7 (14.2.1902) · p. Seite 107

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
Israelitische Wochenschrift
Issue
7 (14.2.1902)
Date
1902-02-14
Page
Seite 107 (sequence 20)
Language
German
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Nr. 7. Israelitische Wochenschrift. Sette 107. ( / In der Dramaliteratur begegnen wir mehreren Juden. Als Theaterdichter sind Oskar Blumenthal, L'Arronge, Justinus Bernstein, Lubliner, Kadelburg, Fulda, Schnitzler bekannt. Nordau, Herzl und Georg Hirschseld haben jüdischen Problemen das Bürgerrecht auf den Brettern, die die Welt bedeuten, zu erobern gesucht. Die Ghettoliteratur, die jüngst in England durch Zangwill einen Aufschwung genommen, behielt ihr Daseinsrecht in der deutschen Literatur und zog den Nichtjuden Sacher Masoch an. Beim großen deutschen Publikum verstand sich jedoch nur Carl Emil Franzos aus die Dauer Gehör zu verschaffen. Philtppson, Ring, Wassermann, Salomon Kohn, Lehmann, Kulke und Leo Herzberg-Fränkel mögen hier genannt werden. Diese Schilderung der Teilnahme der Juden an der deutschen Literatur, die die jüdische Arbeit in der deutschen Wissenschaft, Philosophie, Literaturhistorie und Journalistik außer Acht gelassen, liefert den Beweis, daß die Juden ihr Können in hervorragender Weise in den Dienst der deutschen Literatur gestellt haben. Selbstredend kann eine vollständige Kenntnis der deutsch-jüdischen Schriftsteller nicht im Fluge gewonnen werden. Die Politik. (Die Antisemiten und der Ostmarkenverein.) Die Mahnung des Vorsitzenden des Oftmarkenvereins, in der Provinz Posen nicht durch antisemitische Hetzereien die jüdische Bevölkerung zur Abwanderung und damit zu indirekter Förderung des Polonismus zu zwingen oder sie gar in das polnische Lager zu treiben, hat das mißfallen der „Kreuzzeitung" erregt. Ganz besonders hat ihr Mißfallen, daß die Posener „Neuesten Nachrichten" verlangten, der Oftmarkenverein hätte sich gegen den Antisemitismus überhaupt erklären sollen. Die „Kreuzzeitung" bemerkt hierzu: „Wir würden über diese anmaßende Sprache schweigend hinweggehen, weil wir den Streit im Osten nicht zu verschärfen wünschen. Zu unserem Bedauern hat sich jedoch der Vorstand des „Ostmarkenvereins" veranlaßt gesehen, den Aeußerungen der „Posener Zeitung" in einem eigenen, an diese gerichteten Schreiben zuzustimmen und so aus seiner bisher neutralen Haltung zu Gunsten des Judentums herauszutreten. Dazu lag, unseres Erachtens, nicht der mindeste Grund vor. Der Vorstand des „Ostmarkenvereins" brauchte ebenso wenig für die Juden Partei zu nehmen wie für die Antisemiten; er konnte einfach Zurückhaltung üben, denn es liegt doch wohl auf der Hand, daß zahlreiche Kreise, die ohne im parteipolitischen Sinne antisemitisch zu sein, dem Judentum abgeneigt sind, und von seiner „deutschen" Gesinnung sehr wenig halten, durch dieses offene Eintreten der deutschen Organisation für das Judentum sich abgestoßen fühlen müssen. Was der „Ostmarkenverein" bei den Juden also möglicherweise gewinnt, verliert er ganz sicher bei den Deutschen; und zwar nicht nur im Osten allein, sondern überall im Reich, wo er Fuß zu fassen bestrebt ist. Daran kann, wie wir die Dinge kennen, nicht der mindeste Zweifel bestehen; denn gerade die besten Deutschen glauben nun einmal nicht an die nationale Zuverlässigkeit der Juden, und würden sich davon erst durch eine lange Erfahrung überzeugen lassen, von der bis jetzt nicht einmal die Anfänge vorliegen, während für das Gegenteil zahllose Beispiele sprechen — vor allem aber j das eine, das uns hier maßgebend scheint: Die heutige Umsturz- ' j partei ist die Judenpartei par excellence; sie nimmt alles, was anderswo nicht mehr gelitten wird, bereitwillig auf, und vertritt die Forderungen der Juden fanatischer als diese selbst. Daß nebenbei eine antisemitische Grundströmung besteht, wissen wir wohl; sie wird von den Führern jedoch mit eiserner Faust niedergehalten, und ist bis jetzt von Partei wegen noch niemals zum Ausbruch gekommen. Dies jedoch nur nebenbei. Dem Vorstand des „Oftmarkenvereins" hat seine Bewerbung um die Gunst des Judentums überdies durchaus nicht den ungeteilten Beifall eingetragen, aus den er vermutlich gerechnet. Die „Posener Neuesten Nachrichten" nehmen Anstoß daran, daß der Vorstand sich in seiner Erklärung gegen den Antisemitismus auf den Osten beschränkt, statt diese Erscheinung in ihrer Allgemeinheit zu verdammen. Man sieht: Die Todten reiten schnell — ein Finger, und die ganze Hand wird verlangt. So machen es die Juden aber immer." Daß gerade „die besten Deutschen" nicht an die nationale Zuverlässigkeit der Juden glauben, mag die aufrichtige Ansicht der „Kreuzzeitung" sein; aber diese Ansicht beruht auf Voreingenommenheit und Unkenntnis. Die deutschen Juden haben eine Probe deutschnationaler Gesinnung abgelegt, wie kein anderer Bruchteil der deutschen Bevölkerung, eine Probe, deren Auferlegung wir auch keinem anderen Bruchteil wünschen. Daß „zahllose Beispiele" für das Gegenteil nationaler Zuverlässigkeit der deutschen Juden sprächen, ist eine beweislose und, weil wahrheitswidrig, auch nicht zu beweisende Behauptung. Daß die heutige Umsturzpartei alles bereitwillig ausnimmt, trifft in gewissem Sinn zu. Das liegt eben im Wesen einer aus demokratischer Grundlage sich bethätigenden Umsturzpartei. Wirklich konservative Männer sollten umsomehr daraus bedacht sein, dieser Partei nicht Rekruten förmlich zwangsweise zu werben. Geradezu drollig ist es, wenn die „Kreuzzeitung" es als einen Beweis für die anmaßliche Begehrlichkeit der Juden hinstellt, daß sie hinsichtlich des Antisemitismus keine provinziellen Unterscheidungen gemacht sehen und auch nicht außerhalb der Provinz Posen zurückgesetzt sein wollen. In welchen) Maß „national zuverlässig" aber müssen die antisemitischen Freunde der „Krenzzeitung" sein, wenn sie von der Sache des Ostmarkenvereins, die die deutsche Sache ist, sich abwenden wollen, sobald der Ostmarkenverein die antisemitischen Kreise zu stören sich unterfängt! Der Patriotismus ist eine so natürliche Tugend, daß niemand berechtigt ist, sich ihres Besitzes zu rühmen. Doch niemand ist, wie die deutschen Juden, in der Lage gewesen, einem stiefmütterlichen Vaterland gegenüber durch lange Jahrhunderte patriotisch zu bleiben. * -i- * (Die Heine-Fresser.) Als in Düsseldorf ein Denkmal für Heinrich Heine ausgestellt werden sollte, wütete die „Kreuzzeitung" gegen diese Absicht, und der edle Freiherr v. Hammerstein-Woßu nannte den Oberbürgermeister von Düsseldorf, weil er die Absicht angeblich begünstigt hatte, einen „Jammermann". Herr v. Hammerstein-Woßu siegte. Sein Nachfolger versucht sich mit derselben Waffe in der gleichen Richtung, wie folgende Auslassung der „Kreuzzeitung" zeigt: „Der Rummel mit dem Heinedenkmal beginnt in Deutschland schon wieder. Die zwanzigjährigen Irrfahrten, die der bekannte Brunnen gemacht, um schließlich im Zentralpark von New-Iork

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