Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- Israelitische Wochenschrift
- Issue
- Beilage der Israelitischen Wochenschrift Nr. 2 (1902)
- Date
- 1902-02-14
- Page
- Seite 15 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 2. Israelitische Wochenschrift. Seite 16. Sei gnädig, Herr, sei gnädig! Wir sind der Verachtung Ziel, Es treibt der Uebermütge Im Spott mit uns sein Spiel. Sei gnädig, Herr, sei gnädig! , Wir sind so satt an Spott, An Druck und an Verachtung - Hilf uns, Herr Zebaoth! 124. Von David. War nicht der Herr beständig Für uns, als in Zornesglut Der Feind erstand — lebendig Verschlang uns seine Wut. War nicht der Herr beständig Für uns — des Wassers Flut, Es hätte mit dem Schwellen Der übermütgen Wellen Das Leben uns geraubt. Wir wollen dich preisend erheben: Du hast uns nicht gegeben Zur Beute ihren Klaun. Du wolltest Befreiung bringen, Wie aus Vogelstellers Schlingen, Der Seele. Du hast zerhaun Die Ketten und die Schlingen, Daß neu uns Leben werde. Wir sind entronnen und singen: Es kommt uns Hilfe vom Schöpfer Des Himmels und der Erde. 125. Die aus den Herren harren. Fest wie der Zionsberg stehn, Deß Wurzeln nimmer wanken. In Ewigkeit nicht vergehn. Wie um Jeruschajalim Sich rings Gebirge erhebt, Sein Volk für alle Zeiten Der ewge Gott umschwebt. Nicht immer wird sich beugen Der Fromme des Frevelnden Erz, Damit nicht dem Gerechten Versuchung umfange das Herz. Thu Gutes, Herr, den Guten, Die redlich an Herz und Sinn; Die sich von deinem Pfade Entfernen, laß fahren dahin! Die Uebelthäter verjage, Die voller Schuld und Fehl, Dein Volk, o Herr, begnade, Friede mit Israel! 126. Führt einst unser Gott uns nach Zion zurück — O Traum unsrer Seele, ersehntes Geschick! — Dann lacht unser Antlitz, lobsingt unser Mund, Dann sagen die Heiden: Seht, Gott macht sich kund! Herr Gott, mache kund dich, so jauchzt unser Mut! Wie Wasser verdampfen in sonniger Glut, So lasse zerschmelzen das fesselnde Erz, Befreie uns, Vater, beglück unser Herz! Wir mußten in Kummer die Saat ausstreun, O laß, unser Herr Gott, die Ernte uns sreun! Wir pflügten mit Thränen der Aecker Reihn, O gieb, daß wir jubelnd die Garben dir weihn! 127. Wenn nicht Gott das Haus erbauet, Ist des Werkmanns Mühn vergeblich; Wenn nicht Gott die Stadt behütet. Ist des Wächters Wachen eitel. Nutzlos sorgt ihr in der Frühe, Nutzlos bis zum späten Abend, Eßt in Kummer euer Brot. Den Seinen giebts der Herr im Schlafe. Gottes Gabe sind die Kinder, Gottes Lohn ist Kindersegen. Pfeilen in der Hand des Kriegers Gleicht die Schar der jungen Söhne. Heil dem Manne, dessen Köcher Voll von ihnen! Nicht beschämen Kann der Feind ihn — in den Thoren Trotzt dem Feind die junge Heerschar. 128. Heil dem gottesfürchtgen Manne, Der in Gottes Wegen schreitet! Heil dem Manne, wohl dem Manne, Der sich selbst das Brot bereitet! Gleich der fruchtbeschwerten Rebe Blühet in verschwiegner Klause Ihm das Weib, ihm wachsen Kinder Bäumen gleich in seinem Hause. Wer da geht auf Gottes Wegen, Dem wird solcher Gottessegen: Gott der Herr wird ihn begnaden. Daß auf allen seinen Pfaden Zions Lust er mag genießen; Langes Leben soll ihm sprießen. An Jeruschajalims Gaben Soll er reichen Anteil haben, Enkel sollen um ihn stehn, Jakobs Frieden soll er sehn.