Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- Israelitische Wochenschrift
- Issue
- Beilage der Israelitischen Wochenschrift Nr. 2 (1902)
- Date
- 1902-02-14
- Page
- Seite 14 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 14. Israelitische Wochenschrift. Nr. 2. * Die dich nicht kennen. Grade^und gerecht Sind deine Wege/'Herr. Du warsts, der scheuchte Die Dränger, die verderbten deinen Knecht, Die deine Lehre freventlich vergessen. Ich liebe sie, wenngleich gering und schlecht. Des Herrn Gerechtigkeit ist unermeffen, Und seine Lehre, sie ist ewge Wahrheit. Wenn Unglück mich und Not und Drangsal pressen, Erquick ich mich an deiner Satzung Klarheit. Dein Zeugnis ragt für alle Ewigkeiten, Es schafft mir Einsicht, Leben, Licht und Wahrheit. Mit ganzem Herzen ruf ich: alle Zeiten Sei treulich dein Gebot von mir beachtet. Und für dein Zeugnis will ich mannhaft streiten. Ich schrei^zu^dir im Dunkeln, wenn es nachtet. Und harre dein. Mein Aug, noch eh es tagt, Mit heißem Forscherblick dein Wort betrachtet. Erhör nach^deiner Gnade mich! Es jagt Nach Tücke deiner Lehre Feind; doch nahe Bist du, o Herr, und hilfsbereit. Wer fragt Nach Wahrheit, der dein Wort nicht kennt? Umfahe Mit deinem ewgen Zeugnis mich und rette Aus Elend mich, kämpf meinen Kampf, bejahe, Was ich erbitte, spreng des Todes Kette! Den Frevlern bleibst du fern, die dich nicht suchen; Vor meinen Feinden und Verfolgern bette Mich sicher, Herr. Dem Abfall möcht ich fluchen, Der dein Gebot verschmäht. Mit heißer Liebe Umfaß ich deine Satzung. Gnade suchen Ist Wonne mir, und dir gehorsam bliebe Ich allezeit; denn Wahrheit ist dein Wort, Und was du sagst, erzeuget ewge Triebe. Nichts kann mich schrecken, bleibst nur du mein Hort. Ob Fürsten mich verfolgen, gilt mir gleich. Die Lüge scheu ich, Wahrheit ist mein Port. Was du mir kündest, macht mich überreich. Tagaus, tagein lobpreis ich deine Ehre, Du bettest deiner Satzung Freunde weich. Bereitest Frieden ihnen, Schutz und Wehre. Ich harre deiner Hilfe, Herr, die Seele Lauscht deinem Zeugnis, horcht aus deine Lehre. Vor dir ist all mein Wandel. Ohne Fehle Nah ich mit Flehen, daß du Einsicht schenkest; Gewähre, daß mein Wort zu dir sich stehle, Daß du in Huld und Gnade meiner denkest. Von meinen Lippen soll dein Lob erschallen, Weil dein Gebot du in das Herz mir senkest; Von deiner Lehre Ruhm soll widerhallen Mein Herz, dich preist der Menschen ganz Geschlecht. An deiner Hand will ich in Frieden wallen. Aus deine Hilfe baut, o Herr, dein Knecht, An deinem,Zeugnis will er sich erfreuen. Das ewig dauert; denn du bist gerecht. So lang die Seele lebt, soll sie mit neuen Gesängen künden, wie du, wenn ich wandle, Verlornem Schafe gleich, mich willst betreuen, Der ich nach deiner Satzung allzeit handle. 120. In tiefer Not Hab ich zum Herrn gerufen: Errette meine Seele vor den Argen, Die Lügen reden, deren Zunge trügt! O sage nicht, ohnmächtig sei die Rede Des Lügners, könne mir nichts geben Und auch nichts nehmen. Nein, die Lüge tötet Wie scharfer Pfeil, mit Kraft geschnellt, sie brennt Wie Ginfterkohle, unauslöschlich. Wehe, Daß unter Heiden ich muß wohnen! Lange, Ach lang genug schon wohne ich bet denen, Die allem Frieden feind! Ich selbst bin friedlich; Doch jene kämpfen, rede ich zum Frieden. 121. Mein Auge fragt die Höhen rings Von wo mag Hilfe mir erscheinen? Die Hilfe kommt mir von dem Herrn, Des Himmels und der Erde Schöpfer! Dein Hüter läßt nicht wanken deinen Fuß, Er schlummert nicht. Der Hüter Israels, Er schläft und schlummert nicht. Es ist der Herr, Dein Hüter, der dir Schatten giebt, daß nicht Am Tag der Sonne Glut dich sengt, noch nachts Des Mondes Strahl dich trifft. Der Herr behütet Vor allem Bösen dich und deine Seele. Dein Kommen, Gehn behütet Gott der Herr Von Stund an und in alle Ewigkeit. 122. Von David. Ich juble laut, wenn ich von euch vernehme: Zum Hause Gottes schreitet euer Fuß, Ihr bietet in Jeruschajalims Thoren Den neuerbauten Straßen euren Gruß. Zu dir wallfahrten Israels Geschlechter, Die Stämme Jahs, mit Lobgesanges Braus; Dort steht des Richters Stuhl für Davids Sprossen, Dort steht der Thron für Davids heilges Haus. Jeruschajalim Heil und deinen Freunden! Und Frieden dir in Hütte und Palast! Ich liebe dich' um meiner Brüder willen. Weil deine Mauer Gottes Haus umfaßt. 123. Zu dir erheb ich meine Augen, Der du im Himmel thronst. Wie Knechte schaun auf des Gebieters, Wie Mägde aus der Herrin Hand, So ist aus dich, auf deine Gnade Erwartend unser Blick gewandt.