Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- Israelitische Wochenschrift
- Issue
- Beilage der Israelitischen Wochenschrift Nr. 2 (1902)
- Date
- 1902-02-14
- Page
- Seite 16 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 16. Israelitische Wochenschrift. Nr. 2. 129. Sie haben mich oft bedränget Seit meiner frühsten Zeit, Sie haben mich oft bedränget Mit bittrem Herzeleid. Sie pflügten aus meinem Rücken, Sie furchten darüber hin; Doch mich zu unterdrücken, War ihnen nicht verliehn. Gerechter Gott, du schnittest Entzwei der Frevler Seil — Nun mache sie alle zu Schanden, Die feind sind Zions Heil! Dem Grase mögen sie gleichen, Das hin zum Dach verirrt Und von dem fleißigen Schnitter Verschmäht, verachtet wird. Der Wandrer, der vorbeizieht, Soll ihnen stumm begegnen, Soll nicht mit freundlicher Miene In Gottes Namen sie segnen. 130. Aus den Tiefen ruf ich, Herr, zu dir. Höre mich, o Herr, vernimm mein Flehen! Wolltest du begangner Sünden denken, Niemand könnte je vor dir bestehen. Herr, du bist die Gnade! Dein in Ehrfurcht Harret meine Seele voll Vertrauen, Harrt und hofft vom Morgen bis zum Morgen. Auf den Herren, Jacob, sollst du bauen! Sein ist alle Milde, Huld und Gnade, Er verzeiht in Nachsicht Fehl und Sünden; Voll Erbarmen aus uns niederschauend, Wird er Israel Erlösung künden. 131. Von David. Von Hochmut frei und Stolz Sind Herz und Augen; Was allzu wunderbar, Will mir nicht taugen. Ich habe die Seele mir Gestillt, gezähmet. Daß sie, entwöhntem Kinde gleich An seiner Mutter Brust, Sich in Geduld bequemet. So harre, Israel, Still und geduldig Aus Gott, Von nun an und in Ewigkeit! 132. „Ich will nicht gehn in meines Hauses Zelt, „Ich will mein nächtges Lager nicht besteigen, „Will früher nicht mein Haupt zum Schlummer neigen, „Nicht dulden, daß zum Schlaf die Wimper fällt — „Eh ich dem Ewgen einen Andachtsort, „Dem Gotte Jakobs eine Andachtsftätte „Gefunden und sie ausgestattet hätte." Gedenke, Ewger, dessen, der dieö Wort Gesprochen, denke Davids, deines Knechts! Wir sahn die Stätte in Ephrata blühen. In Jaars Flur vollendet Davids Mühen. Wir wollen hinziehn, wo der Gott des Rechts Die Wohnstatt aufgeschlagen, wo sein Fuß Verweilt, vor dessen Schemel wir uns bücken. Dort, Ewger, harre aus, uns zu beglücken, Empfang die heilge Lade unfern Gruß! Gerechtigkeit sei deiner Priester Kleid! Um deinem Knechte David Gunst zu zeigen. Laß seinen Sohn gesalbt den Thron besteigen; Was du verheißen, sei zu thun bereit! Du sprachst zu David: „Herrschen soll dein Sohn „Nach dir, und Kindeskinder sollen erben „Die Krone. Dein Geschlecht soll nicht verderben; „So lang es Treue wahrt, ist sein der Thron." Du sprachst zu Zion: „Hier mein Ruheort „Für alle Zeit; von hier soll Segen fließen, „Soll reiche Nahrung für die Armen sprießen, „Der Priester sei des Rechtes starker Hort. „Hier schenk ich David ewgen Ruhmes Kranz, „Verleih ihm Kraft; er leuchte seinem Lande. „Ich hülle seiner Feinde Schar in Schande, „Sein Haupt soll strahlen in der Krone Glanz!" 133. Von David. Wie schön und lieblich ists, wenn Brüder In Eintracht miteinander wohnen. So köstlich ist das Oel nicht, Das von des Hohenpriesters Haar und Bart Zu der Gewänder Saum herabflteßt; So köstlich ist der Tau nicht. Der auf des Chermon, aus des Zion Berge fällt. Wo Eintracht ist, da ist des Ewgen Segen, Da blühet Leben bis in Ewigkeit. 134. Preiset den Herrn, ihr Diener des Herrn, Die ihr nächtlich stehet im Hause des Herrn! Erhebet die Hände zum Heiligtum Und preiset den Herrn! Dann segnet von Zion aus uns Gott, Der Himmel und Erde geschaffen. Druck und Verlag von Arthur Schalem, Berlin 6., Roßstraße 3.