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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1902-02-14 · 7 (14.2.1902) · p. Seite 102

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
Israelitische Wochenschrift
Issue
7 (14.2.1902)
Date
1902-02-14
Page
Seite 102 (sequence 6)
Language
German
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Seite 102. Israelitische Wochenschrift. Nr. 7. statt mit größtem Eifer für die Erlösung ihres Volks zu kämpfen, weniger Sympathien, als die politischen Zeitungen? Weil die Mehrzahl der reichen englischen Juden zu unseren Gegnern gehört? Diese beurteilen unsere Lage ebenso falsch, wie ihre eigene. Nicht umsonst hat neulich John Burns im Parlament dis Frage gestellt, ob die Enquete über die Fremdeneinwanderung sich auch aus Park Laue erstrecken wird".*) Weiter führt I. Zangwill aus, daß die Geschichte nicht von einem Tag zum andern beurteilt werden darf. Als 1848 General Radetzky Mailand eingenommen hatte, glaubte man den Gedanken an ein geeintes Italien erschlagen zu haben, aber 13 Jahre später wurde doch Viktor Emanuel vom ersten italienischen Parlament zum König des geeinten Italiens gewählt. Lassen Sie unseren Gedanken erst 13 Jahre alt sein, sie sollen dann sehen, was für eine Barmizwah wir feiern werden! Die reichen englischen Juden geben ihr Geld nicht an der richtigen Stelle aus. Als vor einigen Wochen die Agitation gegen die Fremdeneinwanderung am heftigsten tobte, hat ein eingewanderter Jude, Sir Ernest Kassel, dem König 200 000 L. St. zu wohlthätigen Zwecken überreicht. Seit Beginn der Agitation gegen die Einwanderung sind doch höchstens 100 000 Juden nach England gekommen; hätte Sir Ernest nicht besser gethan, jedem dieser Juden 2 L. St. oder die ganze Summe zu zionistischen Zwecken zu geben? Die Politik der Einschränkung der Einwanderung ist kurzsichtig und kleinlich und nicht ehrenvoll für die große englische Tradition der Freiheit, für die England jenseits des Ozeans kämpft. Im Transvaal für die Rechte der Ausländer kämpfen und hier die Rechte der Ausländer einschränken ist ein trauriger Widerspruch. Ich kann ja die Unzufriedenheit im Oftend begreifen, weil die Hälfte der hier ankommenden Einwanderer sich in demselben engen Distrikt niederlassen. Der Schmerz wird nur an der Stelle gefühlt, wo der Schuh drückt, mag im Uebrigen der Schuh noch so groß sein. Der Uebervölkerung muß durch Umzug ein Ende gemacht werden. Wie man jetzt gegen die Juden schreit, hat man seinerzeit gegen die Maschinen geeifert, die so viele Handarbeit überflüssig gemacht haben. Wie damals der Versuch gemacht worden, die Maschinen zu zerstören, so hat man auch auf dem Kontinent schon wiederholt sich an Leben und Eigentum der Juden vergriffen. Hier in England weiß man davon nichts, darum schließt man sich hier auch so wenig an die *) In der letzten Ausgabe von „Jewish Chronicle" finden wir eine Entgegnung auf die Ausführungen I. Zangwills- Die Redaktion hält die vor 22 Jahren in Sachen des damaligen Kolonisationsprojekts eingenommene Stellung fest, setzt aber an der Hand des von Mr. Laurence Oliphant ausgearbeiteten Planes auseinander, daß es sich seinerzeit darum gehandelt habe, nicht nur jüdische Refügivs, sondern auch Mohamedaner und sogar Fellachen aufzunehmen, die in Westpalästina in großer Armut und Not leben. Es sollte eine türkische Gesellschaft unter türkischer Verwaltung gebildet und die Arbeitskraft der in vielen anderen Ländern vorkommenden Armen nutzbar gemacht werden. Dieses Unternehmen, das übrigens auch nicht zur Ausführung gekommen ist, hat nicht die geringste Aehnlichkeit mit dem von Dr. Herzl in seinem „Judenstaat" veranschaulichten Projekt. Zionisten an, darum ist England auch auf dem Kongreß so spärlich vertreten gewesen. Der fünfte Kongreß hat tüchtige Arbeit gethan. Die öffentlichen Sitzungen waren die geringste Leistung; die Kommissionen haben Tag und Nacht angestrengt gearbeitet. Meine Thättgkeit hat sich aus eine kritisierende Rede über die Hirsch-Stiftungen beschränkt, in der ich aussührte, daß die zum Heil Israels bestimmten Millionen unnütz zersplittert werden. Meine Rede hat eine Entgegnung unseres Freundes Dr. Gafter vor der Anglo-Jewish Association zur Folge gehabt, in der er sich von meiner Auffassung trennt. Dr. Gafter verteidigt die Jewish Colonisation Association in drei Punkten: 1) Die I. C. A. ist für die Verwaltung der Palästina-Kolonien nicht verantwortlich, die einem besonderen Palästinakomitee unterstehen, und die Unhöslichkeit dieses Komitees gegen die Internationale Deputation vom vorigen ist irrtümlich der I. C. A. vorgeworfen worden. 2) Die I. C. A. ist bemüht, die Interessen des Judentums bestens zu fördern. 3) Die absprechende Beurteilung ihrer Thätigkeit floß aus meiner Unkenntnis der Sachlage. Diese Verteidigung wirst mir Beschuldigungen vor, die ich nicht erhoben hatte, und ignoriert andere. Ich habe niemals bestritten, daß die I. C. A. die besten Interessen des Judentums zu fördern bestrebt ist, nur daß die von ihr beliebte Methode der richtige Weg dazu ist. Mr. Claude Montesiore hat in der Jahresversammlung der Anglo-Jewish Association im vergangenen Juli vom Präsidentenstuhl aus gesagt, jene Körperschaft leide an dem Mangel an Opposition. Auch Mitglieder unseres jetzigen englischen Kabinets fühlen die Notwendigkeit einer kräftigen Opposition. Nun, ich liefere Herrn Montesiore die gewünschte Opposition, wenn auch nicht für die Anglo-Jewish Association mit ihrem ärmlichen Einkommen von 3000 L. St. — aus je 50 L. St. kommt ein Vorstandsmitglied — sondern für jene andere Körperschaft, deren Vorstand er auch angehört, der I. C. A., und Herr Montesiore ist doch nicht glücklich. Es ist mir lieb, daß nach der sehr dankenswerten Feststellung von Dr. Gafter die I. C. A. keine Schuld an dem unfreundlichen Empfang der internationalen Deputation trifft. Ich wollte aber, er könnte die I. C. A. auch von dem Unrecht sreisprechen, daß sie die Delegierten der armen Kolonie Petach Tikovah nicht empfangen hat, die von Palästina nach Paris gewandert sind, nur um dort etwas Ermunterung zu finden. Die I. C. A. ist für die Handlungen des Palästina-Komitees verantwortlich, denn sie hat öffentlich die Verantwortlichkeit für die Rothschildkolonien übernommen. In der am 7. Januar 1900 stattgehabten Sitzung der Anglo-Jewish Association hat Herr Claude Montesiore erklärt, daß die Uebernahme der Rothschild-Kolonien durch die I. C. A. gegen seine und der beiden anderen englischen Mitglieder Stimmen beschlossen worden, und in der Julisitzung sagte Herr Montesiore wörtlich: „Durch die Uebernahme der Rothschild-Kolonien haben wir eine große Verantwortlichkeit übernommen. Das war aber der einzige Weg, sie zu erhalten, ungesunde Elemente zu entfernen und endliche Unabhängigkeit an Stelle von endlosen Unterstützungen und Pauperisierung zu setzen". Ich bezweifle nicht das Vorhandensein eines Palästina-Komitees, an dessen Spitze nominell sogar Baron Edmond selbst steht — aber seine Hauptmitglieder sitzen im Vorstand der I. C. A., die

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