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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1902-02-07 · 6 (7.2.1902) · p. Seite 92

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
Israelitische Wochenschrift
Issue
6 (7.2.1902)
Date
1902-02-07
Page
Seite 92 (sequence 12)
Language
German
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Seite 92 Israelitische Wochenschrift. Nr. 6 im Fortbildungsunterricht die Jugend auf die Pflichten hinweist, die ihr die Zugehörigkeit zu einer Gesamtheit auserlegt, b) das geistige Niveau seiner Gemeinde zu heben sucht durch würdige, dem modernen Geist entsprechende Ausgestaltung des Gottesdienstes, durch Einrichtung von Elternabenden und Gründung von Bibliotheken, c) insbesondere bestrebt ist, Liebe zum Handwerk und zur Bodenkultur zu wecken und geeignete Elemente diesen Beschäftigungen zuzuführen. — Die übrigen Punkte der Tagesordnung fanden rasche Erledigung. Ein gemeinsames Mahl hielt die Teilnehmer an der Versammlung noch lange zusammen. Tichauer, Schriftführer. Berlin, 3. Februar. (Wissenschaftlicher Lehrerverein.) Die „Wissenschaftliche Vereinigung jüdischer Schulmänner zu Berlin" hielt ihre Januar-Sitzung am 11. v. M. unter dem Vorsitz des Herrn Auerbach. Herr Hanff berichtete über den Verlauf und die Ergebnisse des Hamburger Delegiertentags. Daran schloß sich eine Diskussion über einzelne Punkte der Verhandlungen. Dem Kollegen Hanff wird der Dank für seine Thätigkeit von der Versammlung ausgesprochen. — An Stelle des Kollegen Dr. Flegel, der zum 1. Vorsitzenden des „Verbands der jüdischen Lehrervereine im deutschen Reich" gewählt worden ist, wird Herr Rektor Dr. Gutmann zum 1. Schriftführer gewählt. — Nach Erledigung einiger geschäftlicher Angelegenheiten trat die Versammlung in die Beratung der Thesen ein, die Kollege Dr. Kellermann im Anschluß an seinen Vortrag „Einige Fragen des systematischen Religionsunterrichts" vom 2. November ausgestellt hatte. In seinem Vortrag war der Redner davon ausgegangen, daß jede Religionsgemeinschaft zu allen Zeiten gezwungen war, ihren Ideengehalt zu formulieren, soweit dieser eben die Spezifikation der Glaubensgemeinschaft vertrat. Nur aus diese Art konnte die Reinheit gewahrt, die wahre und charaktervolle Aussöhnung mit dem Zeitgeist ermöglicht werden. Aus diesem Grund kann keine Religion eine Dogmatik entbehren. Die Sicherung und Erweiterung der religiösen Vorstellungen kann nur durch eine scharf umrissene Jdeenlehre verbürgt werden; diese Jdeenlehre heißt Systematik. In erster Reihe ist es die Jugend, die einer solchen Stütze zur Festigung und Verteidigung ihres religiösen Selbsts bedarf. Welches sind jedoch die Gesichtspunkte einer derartigen Systematik? Sie werden von den jeweiligen Kulturftrömungen bestimmt, sofern diese mit den betr. Religionen sich auseinandersetzen. Als solche kommen in Betracht: 1. die Wissenschaft (Philosophie, Natur- und Geschichtswissenschaft), 2. die Konkurrenzreligionen (Christentum, Islam, Buddhismus), 3. die destruktiven Strömungen innerhalb der eigenen Glaubensgemeinden. Die Antworten auf Angriffe der erwähnten Bestrebungen müssen prinzipaliter in bestimmten Ideen zum Ausdruck kommen. Die Schule selbst verfährt hierbei zuerst rein historisch (Mittelstufe), dann kritisch (Oberstufe). Für den historischen Teil kommen auf dem Gymnasien U u. O II in Betracht, für den kritischen Teil U u. O I. Auch die Volksschule muß dieser Disziplin Rechnung tragen, allerdings nur aus der Oberstufe. Ein zweiter Vortrag soll eingehend die Methode besprechen. Ueber die Thesen entwickelte sich eine angeregte Debatte; alle werden angenommen, jedoch mit dem Vorbehalt der redaktionellen Aenderung. Eine Kommission, bestehend aus den Kollegen Barol, Golde, Dr. Gutmann, Hanff und Dr. Kellermann, hat folgenden Wortlaut seftgestellt: 1. Der systematische Religionsunterricht in den oberen Klaffen höherer Lehranstalten hat zunächst diejenigen religiösen Ideen zu vermitteln, die geeignet sind, alle Angriffe abzuwehren, die von Seiten der Wissenschaft (Philosophie, Geschichte, Naturwissenschaft) gegen die Religion erhoben werden. Insbesondere hat der systematische Religionsunterricht daraus hinzuweisen, daß die Religion dem Leben einen solch erhabenen Inhalt giebt, wie ihn weder Kunst noch Wissenschaft zu bieten vermögen. Er hat die Schüler mit den Resultaten des modernen Denkens in objektiver Weise bekannt zu machen, sie von dem Standpunkt der Religion zu beleuchten und zu ergänzen. 2. Der systematische Religionsunterricht hat sich außerdem mit allen Angriffen auseinanderzusetzen, die von andern Kulturreligionen gegen die israelitische Religion erhoben werden. Hierbei ist besonders aus die Quellen der Konkurrenzreligion, wie aus die neuere apologetische und polemische Literatur hinzuweisen. 3. Der systematische Religionsunterricht hat sich auch mit jenen Strömungen auseinanderzusetzen, die innerhalb der eigenen religiösen Gemeinschaft zu Tage treten. Insbesondere hat hier der Lehrer nicht nur objektiv referierend zu verfahren, sondern vielmehr mit dem nötigen pädagogischen Takt sich für jene Anschauung zu entscheiden, die ihm selbst als wahrer Lebensinhalt erscheint. Berlin, 4. Februar. (Siegfried Sachs.) Am 1. Februar ist Herr Siegfried Sachs gestorben, ein Mann von verdienstvollster stiller Thätigkeit im ehrenamtlichen Gemeindedienst. Königsberg i. Pr., 3. Februar. (Hilssverein der deutschen Juden.) Die „Königsb. Hart. Ztg." schreibt: Behufs Gründung einer Organisation des „Hilssverein der deutschen Juden" für die Provinz Ostpreußen fand unter dem Vorsitz des Herrn Stadtrat Magnus am Sonntag voriger Woche vormittags 12 Uhr im Artushos eine von ihm, den Herren Konsul Litten und Bankdirektor George Marx einberufene Versammlung statt. Nachdem der Vorsitzende für das zahlreiche Erscheinen gedankt, gab er einen kurzen Ueberblick über die Geschichte der Gründung der Organisation und erteilte darauf dem Referenten, Herrn Dr. Paul Nathan- Berlin, das Wort. Dieser führte in seinem mit großen Beifall aufgenommenen Vortrag aus, daß die Schaffung einer Organisation der deutschen Juden eine unumgängliche Notwendigkeit sei, um den bedrängten Glaubensgenossen jenseits der Grenzen in rationeller Weise Helsen zu können, hier durch die Eröffnung von Arbeitsmöglichkeiten, und dort, wo es zweckmäßig erscheine, durch Gründung deutscher Schulen ihre Geistesbildung zu heben. Aehnliches werde im umfassenden Rahmen von der Alliance Jsraelite Universelle in Paris, der Anglo Jewish Association in England und von der Israelitischen Allianz in Wien erstrebt. Daß die deutschen Juden bei diesen Bestrebungen nicht fehlen dürsten, sei Ehrenpflicht. Diese würden, wo es notwendig erscheine, mit jenen großen Vereinen zusammen, sonst aber selbständig vorgehen. Während der wenigen Monate des Bestehens des Vereins wurden bereits 10 000 M. der Alliance Jsraelite Universelle als . Beihilfe für die Errichtung von Vorschußkassen in Rumänien zur Verfügung

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