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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1902-01-31 · 5 (31.1.1902) · p. Seite 77

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
Israelitische Wochenschrift
Issue
5 (31.1.1902)
Date
1902-01-31
Page
Seite 77 (sequence 13)
Language
German
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Nr. 5. Israelitische Wochenschrift. Seite 77. hinein genau umschriebene Begrenzung hat und durch die tatsächliche Ausübung einer Stellvertretung keine Verlängerung erfahren kann. Der Stellvertreter hat ein eigenes Mandat „zur Stellvertretung", er erbt nicht das Mandat eines Repräsentanten. So ist immer der nach dem Wahlalter und bei gleichem Wahlalter nach der Stimmenzahl voranstehende Stellvertreter der erste der zu berufenden, und immer das längste vakante Mandat hat er vertretungsweise auszuüben. Man kann diese Bestimniungen ändern, wenn man will, aber ein Revisionsbedürsnis gerade nach dieser Richtung liegt nicht vor. Berlin, 28. Januar. (Gemeinde-Bibliothek.) Die Bibliothek der Jüdischen Gemeinde zu Berlin, Oranienburgcrstraße 60/63, die gegenwärtig gegen 5000 Bände (3000 Judaica und 2000 Hebraica) enthält, wird am 3. Februar d. I. eröffnet werden. — Die Bücher können im Lesesaal benutzt oder entliehen werden. Die Bibliothek ist geöffnet: Sonntag, Mittwoch, Freitag und an den staatlich gebotenen Feiertagen von 10—2 Uhr; Montag, Dienstag, Donnerstag und vom 1. Oktober bis 31. März auch Sonnabend von 6—9 Uhr abends. Zur Benutzung des Lesesaals sind in der Regel Gemeinde- Mitglieder ohne weiteres berechtigt; anderen Personen ist die Benutzung gestattet, wenn sie von einem dem Bibliothekar tauglich erscheinenden Gemeindemitglied einen Bürgschein beibringen. Die Ausgabe und Rückgabe der Bücher erfolgt Montag 6—7; Mittwoch und Freitag von 1—2 Uhr. do. Berlin, 28. Januar. (Aus dem Literaturverein.) Im Verein für jüdische Geschichte und Literatur hielt Herr Professor Dr. Watermann am 21. d. M. einen Vortrag über das Thema: „Das Ueberwiegen des nervösen Elementes gegen das Physische bei den modernen Juden; seine Folgen und dessen Abwehr." Der Redner teilte für seinen Zweck die jüdische Geschichte in drei Perioden: 1. vom Beginn der Nation bis zum Fall des Tempels durch Titus-Vespasian, 2. von der Diaspora bis zur Emanzipation, 3. von der Emanzipation bis aus den heutigen Tag. — Aus nomadischen Anfängen entwickelte sich das Volk Israel zu einer selbstständigen Nation, die, um ihre Integrität zu wahren, in zahlreiche Kriege mit numerisch überlegenen Feinden verwickelt wurde und dadurch die körperlichen Kräfte stählen konnte. In dieser Periode ging die geistige Entwickelung mit körperlichen Abhärtungen Hand in Hand, denn der Untergang des Staates wurde nicht durch physische oder moralische Verkommenheit herbeigeführt, sondern durch die Eroberungs> sucht des mächtigen Rom, das das reiche Palästina unter allen Umständen zu einer römischen Provinz machen wollte. Die körperliche Degeneration begann mit der zweiten Periode, während der Diaspora, da die Juden durch zahllose Verfolgungen in steter Unruhe lebten und außerdem, soweit einzelne Generationen Ruhe fanden, sich fast ausschließlich mit dem Studium der heiligen Schriften befaßten, wobei sie allen körperlichen Uebungen, wie Handwerk und Ackerbau, fern blieben. Sportliche Uebungen, die Handhabung' der Waffen blieben ihnen fremd. Nur das Familienleben und die Sittenreinheit bildeten ein Gegengewicht gegen den ungeheuren Druck von Außen. Die französische Revolution brachte endlich die ersehnten Menschenrechte. Allein die Vergangenheit mit allen ihren Qualen, das nervöse Hasten auf dem Gebiet des Handels, endlich die durch das beengende Zusammenleben bedingten zahlreichen Verwandschaftsehen haben ungünstig aus die Entwickelung der physischen Kraft gewirkt und auch viele psychische Krankheiten gezeitigt. Der Redner, der viele Jahre als Arzt und Lehrer einer medizinischen Hochschule gewirkt, gab nun eine umfangreiche Statistik über Gemütskrankheiten im Allgemeinen, über Taubstummheit und Blindheit, wobei die Juden der Gegenwart das größte Kontingent stellen, und ermahnte ernstlich die Jugend, sich durch körperliche Uebungen abzuhärten, und vor allem Vorsicht bei Abschluß der Ehen zu üben. Eine lebhafte Diskussion entspann sich nach dem Vortrag, wobei sechs Redner das Turnen als alleiniges Rettungsmittel zur Regeneration empfahlen. Berlin, 28. Januar. (Von der zionistischen Kolonialbank.) Die Leitung der zionistischen Kolonialbank veröffentlicht folgende Bekanntmachung: „Im Aufträge des Direktoriums der Jewish Colonial Trust (Jüdische Kolonialbank) Limited wird hierdurch öffentlich bekannt gemacht, daß der Verfall sämtlicher subskribierter und bis zum heutigen Tag nicht vollgezahlter Aktien laut besonderer Sanktion seitens des Aufsichtsrats und der in Basel am heutigen Tag stattgefundenen Generalversammlung der Aktionäre endgiltig ausgesprochen worden ist. Dagegen hat das Direktorium auf Grund des ihm statutengemäß zustehenden Rechts beschlossen, einen Betrag von L. St. 10 000 zu reservieren, um in besonderen Fällen und unter gewissen Bedingungen eine Jndulgenz eintreten zu lassen. Nämlich wenn es einem Aktionär aus unvorhergesehenen, unverschuldeten Umständen unmöglich war, seinen Verpflichtungen in Betreff der Zahlung der rückständigen Raten auf die von ihm ursprünglich gezeichneten und nunmehr verfallenen Aktien nachzukommen, werden die Direktoren bereit sein, so lange dieser Betrag von L. St. 10 000 ausreicht, in den von ihnen würdig gefundenen Fällen den von dem betreffenden Aktionär bereits angezahlten und verfallenen Betrag ihm wieder gutzuschreiben, falls er gleichzeitig mit seiner diesbezüglichen genauest detaillierten Eingabe die restierenden Zahlungen aufseine subskribierten Aktien zuzüglich der bekannten Zinsen von 7 ä pro Aktie, resp. deren Aequivalent, sofort leistet. Brook House, Walbrook, London E. C., 31. Dezember 1901. James H. Loewe, Generalsekretär." Diese Bekanntmachung zeichnet sich durch ungewöhnliche Dunkelheit aus. Ohne Erläuterung ist nicht zu verstehen, weshalb man 10 000 Pfund Sterling abzweigen muß, um Ergänzungszahlungen entgegenzunehmen, und wie 10 000 Pfund Sterling dadurch ausgebraucht werden können, daß man Ergänzungszahlungen nachträglich entgegennimmt. Möglich wäre die Deutung, daß die Leiter der Kolonialbank von dem aus den Verfallserklärungen erzielten Gewinn (?) aus den genannten Betrag zu Gunsten von Revalidierungen verzichten wollen, indem sie unter Umständen Nachzahlungen gelten lassen. Frankfurt a. M., 28. Januar. (Verein für jüdische Krankenpflegerinnen.) Der achte Jahresbericht des hiesigen Vereins für jüdische Krankenpflegerinnen ist soeben erschienen. Er legt Zeugnis ab für redliches und erfolgreiches Streben im Dienst einer vortrefflichen Sache. Die Zahl der Pflegeschwestern hat ebenso wie ihre edle Beschäftigung zuge-

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