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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1902-01-31 · 5 (31.1.1902) · p. Seite 71

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
Israelitische Wochenschrift
Issue
5 (31.1.1902)
Date
1902-01-31
Page
Seite 71 (sequence 7)
Language
German
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Nr. 5. Israelitische Wochenschrift. Seite 71. vollständig einig sind. Nur wenn die bei der Gründung zunächst vorgesehenen Zwecke als die einzig berechtigten und den allgemeinen Kassengedanken ideal voll erschöpfenden Ausgaben der Verbands-Pensions-Kasse hingestellt werden, — müssen wir dem entschieden widersprechen. Es ist gewiß schön, wenn eine Anzahl Lehrer durch die Verbands-Pensions-Kasse eine gegen die Leistungen der provinziellen Hilsskassen allgemein etwas erhöhte und in dieser Höhe sogar garantierte Pension erhalten, aber diese Aussicht vermag unsere Erwartungen und Anforderungen bezüglich einer Verbands-Pensions-Kasse, d. h. einer Kasse zur Förderung der Gesamtinteressen unseres Versorgungsstrebens doch nicht zu befriedigen. Zunächst hilft eine solche Einrichtung unserm Versorgungswesen höchstens nur in rein materieller Hinsicht. Sie führt uns neue Gelder für unsere Versorgungszwecke zu und fördert einige Kollegen in ihren bezüglichen Erwartungen. Der genauere Kenner unserer Versorgungsverhältnisse weiß aber, daß unser Versorgungswesen noch andere, mehr ideelle Bedürfnisse hat, die seine Reorganisation im Innern betreffen/die aber von dem bezüglichen Verbandsstreben, das sich uns in der heutigen Verbands-Pensions-Kasse vorstellt, vollständig außer Acht gelassen werden. Man mag die Erwerbung neuer Geldmittel für unfern Zweck für noch so richtig und immer in erster Reihe notwendig halten; —damit allein aber wird man unsere Versorgungsaufgabe an der Lehrerschaft ebenso wenig zu lösen vermögen, wie man allein mit Geld noch keinen glücklichen Krieg führen kann. Es gehört immer als bedeutsames Korrelat die Strategie einer zentralen Leitung dazu, die sich nicht blos um die kleine Abteilung in ihrer nächsten Umgebung, sondern um das Ganze der in Bewegung gesetzten Kräfte kümmert, die sie einheitlich zu führen und ihrer speziellen Aufgabe entsprechend zur möglichst gleichmäßigen Ausstattung und Entfaltung zu bringen hat. — Von alldem ist in der praktischen Fassung der Verbands-Pensions-Kasse nichts zu finden. Wir halten aber auch die rein materielle Nützung der Verbands-Pensions-Kasse im Sinn der Ausgabe einer Kasse für die Gesamtheit für nicht genügend und nicht in allen Stücken besonders praktisch geregelt. Die Verbands-Pensions-Kasse ist in ihrer zeitigen Gestaltung aus dem System der Einzelnützung eingerichtet. Was wir prinzipiell dagegen einzuwenden haben, ist von uns bereits früher ausführlich gesagt worden und bedarf hier wohl keiner speziellen Wiederholung. Aber auch die Kaffe rein nur in ihrer Weise betrachtet, wird jeder Unvoreingenommene zugeben müssen, daß sie in ihrer praktischen Leistung nichts auszuweisen hat, was nur einigermaßen den Erfordernissen einer Verbands-Kasse zn entsprechen vermag. Wir wollen gar nicht davon reden, daß sie z. Z. nur 6 Mitglieder in der ihr charakteristischen und von ihr selbst nur mit Bedeutung betrachteten Kassenabteilung (der Versicherungskasse) besitzt; — auch wenn diese Kasse nach ihrer vollen zeitigen Leistungsfähigkeit betrachtet wird — wobei sie nach dem Bericht des Kuratoriums ganze 20 Mitglieder aufzunehmen vermag, — auch dann bleibt sie noch für das Bedürfnis einer nach Tausenden zählenden Lehrerschaft eine ziemlich bedeutungslose Institution, die uns für das Hoffen einer großen Gemeinschaft nichts auch nur einigermaßen Befriedigendes zu bieten vermag. Ja, man mag sich selbst die Fonds der Verbands-Kasse mlt der Zeit durch reiche Zuwendungen um das Doppelte vergrößert und ihre Leistungsfähigkeit im gleichen Maß gesteigert denken, — das Bild ihrer Wirksamkeit wird, im Vergleich zu dem, was ihr im Sinne einer Verbands-Kasse in natürlicher Weise als Aufgabe zusällt — noch immer dasselbe unscheinbare und unbefriedigende bleiben, an dem sich das Herz unserer Lehrerschaft nicht erwärmen kann. Nach allem, was die Erfahrung und manch überlegtes Nachdenken über die Frage der rechten Gestaltung der Verbands- Pensions-Kasse uns als Ergebnis geliefert, sind wir der festen Ueberzeugung, daß die Bedeutung einer solch zentralen Kasse niemals wesentlich in ihren selbständigen materielleu Werken liegen wird, sondern daß es in der Hauptsache immer ihr organisatorisches Schassen im Bereich des gesamten Versorgungswesens sein wird, wodurch sie sich ein autoritatives Ansehen und eine besondere Wertschätzung in der Lehrerschaft zu erwerben imstande sein dürste. Darum vermögen wir es auch nicht als eine bedeutsame Beeinträchtigung ihrer praktischen Wirksamkeit zu betrachten, wenn ihr jetzt zugemutet wird, daß sie einen Teil ihrer verwendbaren Einnahmen für die Interessen der provinzialen Kassenmitglieder abgeben und sich solcher Weise in ihrem selbständigen Versorgungsschaffen noch etwas einschränken soll. Diese selbständige Versorgungsthätigkeit wird eben niemals ihren höheren Wert für die Lehrerschaft ausmachen, und es bleibt ihr für deren Gewinnung immer nur die Aussicht, in einer oder der andern Weise ihren Einfluß aus die Gesamtverhältnisse unseres Versorgungwesens ausüben zu können. Dabei wird es von entscheidender Bedeutung für die Verbandskasse sein, daß sie Beziehungen zu den provinzialen Hilfskassen gewinnt, die ihr für ein einheitlich-nationales Versorgungsftreben mancherlei wertvolle Anknüpfungspunkte bietet. Ein intelligenter und nicht gerade in seinen engen Plänen befangener Kassenvorstand muß es von selber erkennen, wieviel ihm dafür die gewünschte Unterstützung an die Mitglieder der provinzialen Hilsskassen zu bedeuten hat. Zwar das Grundwesen der Verbandskasse wird durch solche Abgabe an neue Zwecke etwas verändert, aber nicht zum Schaden der Verbandskasse, sondern zu ihrem unzweifelhaften Nutzen und in einer Richtung, die ihr den Sieg ihrer ideellen Strebungen verheißt. Die Verbands-Pensions-Kasse wird durch die Hineinbeziehung auch der Mitglieder der provinzialen Hilsskassen — inkl. der Masse der Lehrerschaft — in ihren Jnteressenkreis, im wahren Sinne des Wortes erst das Versorgungsinftitut jüdischer Lehrer allgemeinster Bedeutung werden. Es wird Verbandskasse sein, nicht blos mehr im Sinne einer vom Verband geschaffenen, sondern auch einer von dem Gesamtinteresse der jüdischen Lehrerschaft getragenen Institution — sowie es sich die Gründer der Kasse sicher in ihren glücklichsten Stimmungen von ihr erträumt, und wie sie es sein muß.

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