Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- Israelitische Wochenschrift
- Issue
- 2 (10.1.1902)
- Date
- 1902-01-10
- Page
- Seite 30 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Seite 30. Israelitische Wochenschrift. Nr. 2 Valery in Land andrst im Alter von 91 Jahren gestorben. — Herr Henry Lumley, Vorstandsmitglied der Anglo- Jewish Association, ist in London gestorben. — In Jerusalem starb der durch seine große Wohlthätigkeit allgemein beliebte Salomon Friedmann. Vakanzen. Wandsbeck. Rabb. und Rel.-L., 2100 M. Geh. Meid, an Herrn I. Franck. — Zielen zig. Rel.-L., K., Sch., 1500 M. Geh. Meld. an Herrn M. A. Marcus. — Krakow in Meckl.Rel.-L., K., Sch., 650 M. Geh., 100 M. Nebeneink., fr. W. Meld. an Herrn Benno Nathan. — Trebur. Rel.-L., K., Sch., 650 M. Geh., 6OO M. Nebeneink., fr. W. Meld. an Vorst. - Zülpich. Rel.-L., K., 1000 M. Geh., 400-500 M. Nebeneink. Meld. an Vorst. Spinnen imb Fliegen. Kulturhistorische Erzählung von Gregorij Bogrow. Nachdruck verboten. (Fortsetzung.) „Auf die zahmen Katzen etwa, die Pan Wirginski hineingelassen hat?" höhnte einer der Stutzer, auf einen betrunkenen, dicken Pan zeigend, der auf das Geländer des Balkons sich lehnte. „Spotte nicht, Jan. Wir werden sehen, wie du mit der schwarzen Bärin fertig wirst." „Große Sache! — Kasimir, du bist heut in der rechten Stimmung nicht. Was fehlt dir?" „Ich werde wohl zu viel getrunken haben." „Unsinn! Du bist nicht bei Laune, weil du zu wenig getrunken hast. He, Mundschenk! Drei Maß her!" „Kasimir, offenbare dich deinen Freunden — wie stehen die Sachen mit . . . mit Panna Wanda?" srug der erste junge Mann lächelnd. „Ueber solche Dinge spricht man selbst mit Freunden nicht." „Weißt du? mich an deiner Stelle würde der vertrauliche Umgang der Panna Wanda mit . . . mit jenem . . . Russen verletzt haben." „Fehlte mir gerade! Ha, ha, ha! Auch ein Nebenbuhler! Ha, ha, ha!" „Lache nicht, Freundchen!" mischte der andere Freund Kasimirs sich in die Unterhaltung. „Da kennst du die Weiber schlecht. Es ist ein kapriziöses Völkchen und spielt dir bisweilen Streiche, daß einem Hören und Sehen vergehen." „Höre, Kasimir! Ich begreife deinen Vater nicht, auf Ehre. Wie kann er in unsere edle Gesellschaft einen Kosakensohn, einen Landstreicher, einen Kleinbürger, einen Lakaien führen! Das ist eine Beleidigung für uns alle, auf Ehre!" „Was ist zu thun? Diese Ehre haben wir dem Pater Benediktus zu verdanken. Er protegiert ihn, weil Chmielnicki die Jesuitenschule besucht hat und Pater Benediktus in seinem Schüler eine Fülle von Verstand, Charakter u. s. w. u. s. w. entdeckt haben will. Und, wie ihr wißt, tanzt mein Pater nach Pater Benediktus Pfeife, und nun protegiert er auch diesen Lümmel, obwohl er ihn im Herzen haßt und verabscheut." „Und warum jagt er ihn nicht fort?" „Ich habe dir's ja schon gesagt: er ist der Protege des Geistlichen meines Vaters, des Pater Benediktus." „Ist es nur das?" bemerkte ein anderer Freund des jungen Potockt. „Mir will es scheinen, daß hier die Gewalt Panna Odas deinen Vater beeinflußt." „Nun, ist es denn nicht ein und dasselbe? Unsere Weiber wirken durch die Pfaffen und die Pfaffen wirken auf uns durch die Weiber. Das sind von jeher die treuesten Verbündeten gewesen." „Siehe, sieh doch Kasimir, welche wütende Blicke Panna Oda auf Panna Wanda wirft, als wollte sie sie verschlingen. Wenn die schwarze Bärin morgen so wütend sein wird, wie Panna Oda, dann werde ich nichts schaffen. Ha, ha, ha!" „Ich bewundere meinen Vater", sagte Kasimir achselzuckend. „Was findet er denn Verlockendes an dieser alten Kokette? Ich an seiner Stelle würde mir schon etwas Jüngeres ausgesucht haben." „Na, Pater Benediktus würde schön aufmucken, wenn man seine Verbündete kränkte. Schau, wenn man den Wolf nennt, kommt er gerannt. Da tritt er gerade zu deinem Vater." In der That; in diesem Moment schlenderte der Geistliche des Potockischen Hauses, Pater Benediktus, schleichenden, ruhigen Schrittes einher. Er war ein langes, bewegliches Skelett von unbestimmter Statur, von Kopf bis Fuß schwarz gekleidet. Auf seinem entblößten Haupt war kein einziges Haar zu sehen. Sein längliches, schmales Gesicht hatte eine helle, safrangelbe Farbe. Die stechenden grauen Augen enthielten etwas Fürchterliches, Krokodilenhaftes. Die farblosen Lippen verliehen dem glattrasierten Gesicht einen Ausdruck tiefer Zerknirschtheit und seelischer Ruhe zugleich. „Mein Sohn", wandte er sich an den alten Potocki mit einschmeichelnder Stimme, „haben Sie mit Bogdan gesprochen?" „Ja, mein Vater", antwortete Potocki kurz. „Nun?" „Ich kann Ihnen nichts Gewisses sagen." „Ich höre, mein Sohn." „Sie begreifen wohl, mein Vater, daß es mir nicht leicht wird, diesem .. . diesem gewöhnlichen Menschen irgend welche schmeichelhafte Vorschläge, Versprechungen oder dergleichen zu machen. Er kennt sich ohnehin fast nicht mehr." „Er beträgt sich sehr anständig. Oder sind Sie, mein teurer Sohn, etwa auf Widerstand gestoßen?" „Nein. Das ist es nicht. Ich habe ihm gestern zu verstehen gegeben, was seiner harrt, wenn er zum Katholizismus übertreten wollte, und da antwortete er mir so zweideutig, daß ich ganz konfus wurde. Er ist ein falscher und vorsichtiger Mensch!" „Eben deshalb, mein Sohn, eben darum brauchen wir ihn! Mir sagt das Herz, daß er gefährlich ist. Und indem wir eine so gefährliche Waffe aus unsere Seite ziehen, gewinnen wir doppelt: wir erwerben eine neue und dem Feind entziehen wir seine letzte Kraft." „Um dem Feind die letzte Kraft zu entziehen, giebt es noch ein anderes Mittel, ein zuverlässigeres, bewährtes . . ." „Was für ein Mittel?" „Aus den Galgen mit diesem russischen Hund!" zischte Potockt, den Pater verlassend und dem schlummernden Wir-