Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- Israelitische Wochenschrift
- Issue
- 2 (10.1.1902)
- Date
- 1902-01-10
- Page
- Seite 27 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Nr. 2 Israelitische Wochenschrift. Serte 27. „Als du in Ungewittern Verzagend schriest zu mir, Als du in Furcht und Zittern Mich riefest, hals ich dir. Horch auf, mein Volk, ich zeige Mich dir als deinen Gott, Horch aus mein Volk und neige Dich meinem Herrschgebot: Nicht andre Götter sollet Ihr kennen dort und hier, Und wenn ihr beten wollet. So betet nur zu mir! Ich Hab von dir genommen Egyptens Sklaverei, Von mir hast du bekommen Der Gaben mancherlei. Ratlos lasset ihr den Armen, Ohne Hilfe bleibt der Schwache, Bösen Herzens, ohn Erbarmen Beuget ihr der Waisen Sache. Wer, als Richter eingesetzet, Auf des Reichen Stimme höret Und des Dürftgen Recht verletzet. Hat das Reich in Grund zerstöret! Meint ihr, Gottes Kinder werde Keine Sündenschuld verderben? Tilgen will ich von der Erde Eure Spuren, ihr sollt sterben!" Steig herab, allgütger Vater, Zeige dich dem Volk hienieden, Sei dem Lande selbst Berater, Gieb Gerechtigkeit und Frieden! Ich gab dir Trank und Atzung, Hab jeden Wunsch erfüllt, Und meine heilge Satzung, Dir Hab ich sie enthüllt. Doch ungehorsam wandte Sich Jakob von mir ab — 9 Mein Volk, mein Volk verkannte. Was ich ihm Gutes gab. In deinem Dünkel ließ ich. Nach deinem Rat dich gehn — Mein Volk, mein Volk verstieß ich, Und wollts nicht Wiedersehn. Wär nicht mein Volk verblendet Und kehrte es zurück, Sein Schicksal wär gewendet Und neu gebaut sein Glück. Die seind sind meinem Volke, Sie tilg ich aus der Welt, Ein Blitz aus meiner Wolke Hatte sie bald zerschellt. Und dich, mein Volk, dich labt ich Mit Honig, Weizen, Wein, Mit aller Lust begabt ich Dich, Israel, allein!" 82. Von Asaph. Von dem hohen Himmelsthrone Steige, Herr, zu der Gemeinde; Die Beleidger deiner Krone Schilt sie, deines Rechtes Feinde: „Wehe, ungerechte Richter, Euer Frevel schreit um Rache, Ihr beschützt die Bösewichter, Schützt sie unter Gottes Dache! 83. Von Asaph. Du darfst nicht schweigen, Herr, nicht ruhn; Denn siehe, deine Feinde toben. Die Hasser haben sich erhoben. Verschwören sich zu listgem Thun. Dem Gottesvolk in deinem Schutz Drohn sie mit Untergang und Sterben, Sie wollen Israels Verderben, Und einig sind sie, dir zum Trutz. Aus Jischmaels und Edoms Zelt, Von Gebals Flur am Toten Meere, Des Aschur und der^Hagrim Heere, Amalek, Moab ziehn ins Feld. Philistervolk, die Söhne Lot, Der Tyrer Schar, die Ammoniter — Laß sie vergehn in Ungewitter Und unbegraben sein im Tod! Vernichte sie, den Fürsten gleich, Die Gideon gefällt in Schlachten, Als sie verwegnen Sinnes dachten, Für sich zu nehmen Judas Reich! Zu Asche mache sie und Staub! Wie Feuer, das den Wald verbrennet. Wie Flamme, die durch Buschwerk rennet, Wie Sturmwinds jagt das dürre Laub — So schicke sie in Tod und Graus Und füll ihr Angesicht mit Schande, Verjage sie aus deinem Lande Und lösch ihr Angedenken aus! Erzittern sollen sie, zu Nicht, Zu Spott und Schmach, zum Abscheu werden. Gestehn, daß einzig du auf Erden Erhaben sitzest zu Gericht!