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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1902-01-10 · 2 (10.1.1902) · p. Seite 23

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
Israelitische Wochenschrift
Issue
2 (10.1.1902)
Date
1902-01-10
Page
Seite 23 (sequence 7)
Language
German
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Nr. 2. Israelitische Wochenschrift. Seite 23. zu beobachten, wie Herr Dr. Mannheimer stets für das Wohl der Lehrer in jeder Hinsicht besorgt ist. Selten hat ein Rabbiner soviel für die Sicherstellung und Hebung der sozialen Lage seiner Lehrer gethan, wie gerade Herr Dr. Mannheimer. Ihm ist das Gesetz betr. lebenslängliche Anstellung, ihm ist das Lehrerpensionsgesetz zuzuschreiben, dessen Segnungen sogar die Religionslehrer genießen. Nie ist uns eine Klage über Lehrerfeindlichkeit des Herrn Dr. Mannheimer zu Ohren gekommen. 2. Es ist wahr, daß Herr Dr. Mannheimer in früheren Jahren mehrfach geäußert hat, Herrn Herzberg nicht wieder zu bestätigen — und er hatte allen Grund dazu — ja, er hat sogar Herrn Herzberg mehrfach auf andere Stellen aufmerksam gemacht, zu deren Erlangung er ihm behilflich sein wollte, -- es ist aber auch ferner wahr, daß Herr Dr. Mannheimer als die Zeit herannahte, da Herzbergs Kontrakt ablief, sich nicht zu dessen Absetzung entschließen konnte und alles aufbot, aus Menschlichkeitsgründen ihn zu halten. 3. Herrn Herzberg wurde ohne Kürzung seines seitherigen Gehalts und unter Beibehaltung seiner Amtswohnung die Stelle als zweiter Lehrer in Oldenburg und Wanderlehrer, welche letztere er früher auch inne hatte, angeboten, die er nach unserer Auffassung ohne Bedenken hätte annehmen können, und die er unbegreiflicher Weise ausschlug. 4. Herzberg hat sich sein Schicksal selbst zuzuschreiben resp. denjenigen, die ihm zu seiner Haltung geraten haben. Lehrer Apt, Emden. Hauptlehrer Selig, Emden. Lehrer Strauß, Papenburg. Lehrer Meyer, Wilhelmshaven. Lehrer Herzfeld, Lage. Lehrer Klein, Norden (zu Punkt 1). Lehrer Popper, Lingen. Lehrer Speier, Sögel." Genannte Orte, Dezember 1901. Zwei «llltrere Vorkämpfer der Iilim-EmuMtion christlicher Konftsßon. Eine Säkular-Erinnerung. Von Dr. Adolph Kohut. Nachdruck verboten. Nie sollte das moderne Judentum die schöne, aber so selten geübte Tugend der Pietät vergessen, und zwar nicht allein gegen das Andenken hochverdienter Glaubens- und Stammesgenossen, sondern auch gegen Andersgläubige, die sich Israels zu einer Zeit angenommen haben, da die Zahl unserer Feinde so groß war, wie Sand am Meer, und die Philister ringsum mit vereinten Kräften über den geschwächten Simson einherfielen . . . Leider ist jene Zeit noch keineswegs ein überwundener Standpunkt. Der vergangene Monat brachte uns das Gedächtnis von zwei edlen christlichen Wohlthätern des Judentums in Erinnerung, die es wohl verdienen, daß wir noch in der Gegenwart ihren Ruhm verkünden und uns vor ihrem Genius dankbar verneigen; der eine ist der vor 150 Jahren — am 11. Dezember 1751 — geborene Schriftsteller und Kciegsrat Christian Wilhelm von Dohm, und der zweite ist der vor 100 Jahren — am 13. Dezember 1801 — geborene Politiker Hermann von Beckerath. Beide haben in Wort und Schrift die Judenfeinde zu Paaren getrieben, sie Beide haben selbstlos und erfüllt von den Idealen des Schönen, Guten und Edlen für die Parias, die Enterbten der Menschheit, für den „Ewigen Juden", ihre gewichtigen Stimmen erhoben und Beide haben, unbekümmert um das Toben der blöden Menge und des Gesinnungslumpentums in höheren und niederen Regionen, wesentlich dazu beigetragen, die Frage der Juden-Emanzipation im Sinn der Gerechtigkeit und Vorurteilslosigkeit regeln zu Helsen. Auf die wissenschaftliche und Gemütsentwickelung Christian Wilhelm von Dohms hatten liberale Männer, wie z. B. Wilhelm von Humboldt, wichtigen Einfluß. Seine politische Laufbahn begann er als Registrator beim Geheimen Hauptarchiv in Berlin und wurde schließlich Kriegsrat und Gesandter. Er entwickelte eine außerordentlich fruchtbare literarische Thätigkeit, die sich wesentlich aus geschichtlichem Gebiet bewegte. Seine namhaftesten Werke in diesem Genre waren: „Die Lütticher Revolution im Jahr 1789 und das Benehmen Sr. K. Majestät bei derselben", „Der deutsche Fürftenbund" und „Denkwürdigkeiten meiner Zeit". Namentlich das letzt« Werk zeichnet sich durch eine Fülle von Kenntnissen, Scharfblick und echt staatsmännisches Urteil aus. Ein lauterer und edler Charakter, kämpfte er auch für die Rechte und Freiheiten des unterdrückten jüdischen Volksstamms in einer vor 120 Jahren erschienenen Schrift, die damals das größte Aufsehen erregte und ihres gesunden, anregenden und belehrenden Inhalts wegen noch heute sehr lesenswert ist. Sie wurde für die Emanzipation der deutschen Juden von größtem Einfluß, da sich einerseits der Logik und den Beweisgründen des Verfassers niemand entziehen konnte, und andererseits in Anbetracht der allgemein geachteten Stellung des Staatsmanns nicht allein in Deutschland, sondern in ganz Europa sein Wort gewaltig in die Wagschale der öffentlichen Meinung fiel. Das Buch betitelt sich: „Ueber die bürgerliche Verfassung der Juden". (Berlin und Stettin, bei Friedrich Nicolai 1781, in zwei Bänden.) In dem Vorwort zu dem Buch erörtert Dohm die Beweggründe, die ihn zu seiner Abfassung veranlaßt haben. Er wollte beweisen, daß die drückende Verfassung, in der die Juden noch jetzt in vielen deutschen Städten leben, nur ein Ueberbleibsel der unpolitischen und unmenschlichen Vorurteile der finsteren Jahrhunderte, also unwürdig sei, in unseren Zeiten fortzudauern. Er werde sich glücklich schätzen, wenn es ihm durch seine Arbeit gelingen sollte, einen so beträchtlichen Teil des Menschengeschlechts glücklicher und für die deutschen Staaten brauchbarer zu machen. Hoffentlich werden die Fürsten nunmehr ihre Aufmerksamkeit auf einen Gegenstand lenken, der ihnen bisher entgangen zu sein scheine und ihrer dennoch so würdig sei. Mit überzeugendem Feuer, aber zugleich auch mit Besonnenheit nimmt er sich der Juden an. So sagt er zum

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