Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- Israelitische Wochenschrift
- Issue
- 52 (27.12.1901)
- Date
- 1901-12-27
- Page
- Seite 827 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Nr. 52 Israelitische Wochenschrift. Serie 827. m Vakanzen. Gleiwitz. Hilfsk. und Sch., 3000 M. Geh. , Meld. an Vorst. — Berent, Westpr. Rel.-L., K., Balk., Sch., 1-500 M. Geh., 300 M. Nebeneink. Meid, an Max Neumann. — Mehlsack. Rel.-L. und Sch., 900 M. Geh., 300 M. Nebeneink. Meld. an M. Lewinneck. — Ober-Gleen (Hessen). Rel.-L. u. Sch. Meld. an Lazarus Lamm. — Dt. Krone. K, Balk., Sch., 1200 M. Geh., 1200 M. Nebeneink. Meld. an Moritz Michaelis. — Babenhausen (Hessen). Rel.-L., K., Sch., 700 M. Geh., 500 M. Nebeneink., fr. W. Meld. an L. Kahn. — Mingolsheim. Sem. geb. Rel.-L., K., Sch., 1500 M. Geh., 1400-1600 M. Nebeneink. Meld. an Dr. Doktor in Bruchsal. — Schildberg, Posen. Rabb. 1800 M. Geh., 1200M. Nebeneink. Meld.anElkanLewy. — Friesenheim (Amt Lahr). Rel.-L., K, Sch., 700 M. Geh., 300 M. Nebeneink., fr. W. Meld. an Dr. M. Rawicz in Offenburg (Baden). — Trebur. Rel.-L., K., Sch., 550 M. Geh., 500 M. Nebeneink., sr. ^W. Meld. an Vorst. Spinnen und Fliegen. Kulturhistorische Erzählung von Gregorij Bogrow. Nachdruck verboten. (Fortsetzung.) Wozu sollte es auch weiterfliegen! Gab es denn im weiten Umkreis einen angenehmeren Aufenthalt, mehr Bequemlichkeit und ausgesuchten Luxus, mehr Komfort und Pracht, mehr Ueberfluß an weltlichen Genüssen, eine gleißend-glänzendere Gesellschaft, als in dem Palast des erlauchtesten Pan Stephan Potocki? Wie Jupiter über die Erdensöhne, herrschte dieser Pan über Hunderttausende von Leibeigenen und Kleinbürgern; wie der Olymp über die Erde, erhob sich der Edel-Hof über alle seine Städ'' und Vorwerke, Sloboden und Dörfer. Und die Menschen und ihre Wohnungen — alle und alles mußten zu seinen erlauchten edelherrlichen Füßen liegen. „Je höher der Pan durch seine Macht, durch seine edle Abstammung, desto höher muß er thronen", lautete ein Ausspruch des Ahnherrn Potockts. Und auf der unabsehbaren Ebene wimmelten wie Ameisen Tausende von Leibeigenen und schütteten im Zeitraum eines Jahres einen hohen, flachen, steilen Hügel aus von dem Umfang einer guten Vtertelmeile. Auf dieser künstlichen Anhöhe errichtete der erste Potocki seinen Olymp, umgab ihn mit tiefen Graben, hohen Wällen und weiten Zugbrücken, schützte ihn durch hohe Türme mit zahlreichen Schießscharten — alles von der Jngenieurskunft jener Zeit zeugend. Ehedem hatte dieser hohe edelherrliche Sitz den Charakter eines Forts und finer Ritterburg zugleich; allein im Laus vieler Jahre keinerlei feindlichen Angriffen ausgesetzt, wurde Potocki vertrauensseliger. Und nach und nach verlor das Schloß das ursprüngliche wilde Aeußere und nahm immer mehr das Aussehen eines prachtvollen Magnatenschloffes an. Die Türme mit den Schießscharten wurden in Wohnkasernen für die Hosbeamten, die Arsenale in Quartiere für Haiduken und Domestiken, der ßzroße Exerzierplatz in einen Park verwandelt und der hohe tWall machte einem leichten Gttterzaun und einer Reihe Ichöner Linden und Pappeln Platz. Nur die Graben und Zugbrücken wurden, zur Erinnerung an frühere Zeiten, bei- W^ten und wollten mit der dreistöckigen Fayade, die der ^^WMUge Besitzer nach dem Muster der neuen Paläste in der polnischen Residenz errichten ließ, durchaus nicht harmonieren. Von den vergoldeten Balkons an dem edelherrlichen Schloß aus bot sich, besonders am frühen Morgen, ein entzückendes Bild. Bis zum äußersten Ende des Horizonts eine Ebene, glatt wie ein Tisch; am Ende des Horizonts, malerisch zerstreut, Gruppen von Dörfern und Vorwerken, aus dem zarten Morgennebel wie Enten aus einer spiegelglatten Wasserfläche hervortauchend. Ein Meer von Aehren, durch einen frischen Wind in Wallung gebracht, überflutet die Fläche mit allerhand Blumen, Hellen und dunkeln. Von allen Seiten strömen auf die weiten Wiesen und fetten Weideplätze zahllose Herden. Tausende von Leibeigenen arbeiten und schaffen wie Ameisen auf den Wiesen und Auen. Die Sonne, eben erst hervorgetreten, zerstreut den Nebel und überschwemmt dieses ländliche Bild mit ihren matten, weichen Goldstrahlen. Wie schön und licht sehen da die krummen, schmalen Gassen des schmutzigen Dorfes Zwantz aus, die halbverfallenen Hütten, ja selbst die vom Morgentau gewaschenen Leibeigenen! Wohl ist eine üppige Vegetation nirgend sichtbar, dafür geht das edelherrliche Schloß, gehen selbst die steilen Wände des Hügels in Gärten und Blumenbeete und frisches Grün völlig auf. Was Wunder? Hunderte von Menschen mühen sich um diese Pflanzen, befeuchten sie mit ihrem Schweiß, begießen sie mit ihren Thränen. Ja, beim Pan blüht und gedeiht alles; dafür verwelkt und verdorrt alles beim Leibeigenen. Das lukullische Diner im Schloß war zu Ende. Eine glänzende Gesellschaft, froh ob der eingetretenen Kühle und des lieben Lüftchens, strömte aus den breiten, langen Balkon. Vom Park, unmittelbar vor dem Balkon, weht eine angenehme Frische, aus den Blumenbeeten dringt ein sanftes, zartes Aroma. Zwei, aus Leibeigenen zusammengesetzte und von einem deutschen Kapellmeister dirigierte Orchester beleben die ganze Umgegend mit schönen, harmonischen Klängen; aus dem Hinteren Teil des Parks dringen die Laute wohlbesetzter Mädchenchöre. Zahlreiche Domestiken anläßlich der Geburtstagsfeier des Erlauchtesten nagelneu bekleidet, schwirren freudig durcheinander. Alles atmet Glück- und Festesfreude auf dem edelherrlichen Vorhof. * * * Allein auf dem Hinterhof bietet sich ein ganz anderes Bild dar. Dort sind betrübte Gesichter zu sehen, traurige, blaffe. Dahin dringt weder das erfrischende Lüftchen noch das Aroma der Blumen. Dort labt man sich nicht an den harmonischen Klängen der Musik und der Chöre. Dort nimmt Pan Woickowski die — „Gratulationsgeschenke" der Kleinbürger und Leibeigenen entgegen. „Was hast du gebracht?" fragt der Verwalter einen schmutzigen Muschik. „Ein allerliebstes kleines Schäfchen, gnädiger Herr." „Trag's zurück, Dummkopf, und bring einen Hammel her!" „Erbarmen, gnäd . . ." Der Muschik beißt sich aus die Zunge; — ein wuchtiger Hieb der schweren Reitpeitsche ist auf seine breiten, nur mit einem groben, erdfarbenen Hemd bedeckten Schultern niedergesaust, und kopfschüttelnd schleicht