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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1901-11-29 · 48 (29.11.1901) · p. Seite 766

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
Israelitische Wochenschrift
Issue
48 (29.11.1901)
Date
1901-11-29
Page
Seite 766 (sequence 14)
Language
German
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Seite 766. Israelitische Wochenschrift. Nr. 48. Vakanzen. Lohrhaupten. Rel-L., K., Sch. (ledig), 600 M. Geh., fr. W, 150—200 M. Nebeneink. Meld. an Dr. Bamberger in Hanau. — Völkersleier, Post Gräfendorf, Unterfranken. Sem. geb. Rel.-L., K., Sch., 900 M. Eink., fr. W. und Heiz. Meld. an Gerson Stern. — Gr. Strehlitz, O.-S. Hilfsk. und Sch., 1300 M. Geh. Meld. an Vorst. — Eberbach. Rel.-L., K., Sch., 800 M. Geh., 500—600 M. Nebeneink. Meld. an Dr. Löwenstein'in Mosbach. — Wir sitz, Posen. Sem. geb. Rel.-L., K., Sch., 1300 M. Geh., 200 M. gar. Nebeneink. Meld. an Vorst. — Bublitz i. Pom. Rel.-L., K., Sch., 900 M. Geh., 400 M. Nebeneink., fr. W. Meld. an Margoniner. — Thorn. Rel.-L., K., Chorl., 2000 M. Geh. Meld. an Vorst. — Stenschewo. K. und Sch., 800 M. Geh., fr. W. Meld. an Adolph Salinger. — Callis i. Pom. Rel.-L., K., Sch., 1060 M. Geh., 150 M. Nebeneink. Meld. an David Salinger. — Charlottenburg. Rel.-L. und K., 2000 M. Geh. Meld. an I. Raczinski, Berlinerstraße 68- — Baden bei Wien. Rel.-L. für Volks-Bürgersch. und 2. K., 2000 Kronen Geh. Meld. an Vorst. — Magdeburg. Pred. u. Schuldir., 3000 M. Geh. Meld. an Gotthold Simon. — Oldenburg i. G. Erster Rel.-L. u. K., 2000 M. Anfangsgeh., fr. W. Meld. an L. S. Weinberg. — Brieg, Reg.-Bez. Breslau. Rel.-L., der Vortrag halten kann, und K., 2000 M. Geh. Meld. an Vorst. — Rodheim v. d. H. Sem. geb. Rel.-L., K., Sch., 700 M. Geh., 400—600 M. Nebeneink. Meld. an N. Scheuer. Spinnen und Fliegen. Kulturhistorische Erzählung von Gregorij Bogrow. Nachdruck verboten. (Fortsetzung.) „Was steht zu Diensten, Pan Rendar?" fragte er freundlich lächelnd. Zodek verneigte sich tief. „Viel Gesundheit dem erlauchtesten Pan, seiner erlauchten Gemahlin, seinen Kindern . . ." „Ha, ha, ha! Weißt du denn nicht, mein Lieber, daß ich weder Frau noch Kinder habe?" „Nu, mag Gott geben Gesundheit denen, die später kommen werden." „Danke bestens. Was ist dir nun gefällig, mein Lieber?" „Geld Hab ich gebracht, gnädiger Herr." „Was für Geld, Pan Rendar?" „Hat's der Herr vergessen? Ist doch heut der Erste! Ich Hab gebracht die Pacht." „Deine Arende ist futsch, du Gauner!" „Wieso? Warum?" srug Zodek, am ganzen Leib zitternd. ,,Du Haft den Vertrag gebrochen, Spitzbub. In dem Vertrag heißt es: bis zum Lichtzünden, nicht aber nach dem Lichtzündeu. Die Lichte brennen schon bei mir seit einer Stunde." „Der erlauchte Pan belieben wohl zu scherzen." „Mit dir, räudiger Hund, scherzen? Scher dich zum Teufel! Und daß du mir bis zum Abend mit deinen schmutzigen Weibern und Kindern die Schenke räumst! Wenn ich dich morgen noch antreffe, erwürge ich dich. Fort!" Zodek wankte; er sperrte die Augen aus vor Schreck, sein Mund verzerrte sich, und ohne zu wissen, was er that, griff er sich an den Kops und schrie wild aus: „Gewalt! Räuber! Mörder!" Ein Peitschenhieb brachte ihn wieder zum Bewußtsein, und ein Fußtritt schleuderte ihn auf die Straße . . . Diese Begebenheit berichtete Chaim dem Rabbiner aus der Straße zur Zeit, da Esther die Retterin der Küchlein wurde, und dies veranlaßte den Greis, seine Familie zu verlassen und dem unglücklichen Schenker zu Hilfe zu eilen. * * r t * Gegen den Befehl des Verwalters zog der Schenker am selben Tag nicht aus. Er lies mehrere Male nach dem Schloß; er wollte sich dem Pan Potocki zu Füßen werfen und um Schutz flehen; allein dieser war nicht anwesend, er wurde erst spät abends erwartet. Zodek entschloß sich, am Hauptportal des Schlosses zu warten, und sollte darüber die ganze Nacht vergehen. Aber Woickowski hatte ihn bemerkt und befahl zwei Heiduken, ihn bis an die Schenke zu jagen. Abgehärmt und zerschlagen kam Zodek daheim und wollte sich erhängen; seine Frau aber lief ins Dorf und schlug Lärm. Mehrere Juden eilten in die Schenke und wichen keinen Schritt von dem verzweifelten Zodek. Die Sonne stand schon sehr hoch, als dieser, matt und entkräftet, in einen totähnlichen Schlaf verflel. Die Schenkerin an das Bett ihres Mannes setzend, gingen die Juden auf die Straße, um sich nach der schlaflosen Nacht und von der drückenden Atmosphäre in der dumpfigen Schenkstube in der freien Luft zu erholen. Zu diesen mitleidigen Juden gesellten sich noch einige aus dem Städtchen — nicht aus Mitgefühl, sondern aus Neugierde. Einige unter ihnen waren sogar aus persönlichen Gründen dem angeblich hochnäsigen Zodek feindlich gesinnt. Während nun Zodek in bewußtlosem Zustand dalag, sein Weib an seinem schmutzigen, elenden Lager saß, ihr Schluchzen unterdrückend, um den ihr teuren Dulder nicht zu wecken, und ihre elf abgerissenen Kinder, eine jämmerliche Gruppe bildend auf dem feuchten steinernen Fußboden umherlagen, kamen an, dem Gasthaus fast zu gleicher Zeit von zwei verschiedenen Richtungen eine lange, neue polnische Bude und zwei andere Wagen an, beladen mit Bettdecken und Kissen und Töpfen und Zubern und anderem Hausgerät. Mit der Gewandtheit eines Jünglings sprang aus der Bude ein kleiner, behäbiger rotwangiger Jude, mit bläulicher Nase und schneeweißem Haupthaar. Ihm folgten noch einige junge Leute von heiterem Aussehen und ungebundenen Manieren. „Sagt mir, liebe Leute, was geht denn hier in der Schenke vor? Ist da jemand gestorben? Ich habe mit meinen Kameraden das ganze Nest abgesucht, aber nicht ein Hund war zu finden. Nur eine Frau sitzt da, weint und jammert und giebt keine Antwort." Reb Chaim teilte ihm den traurigen Vorfall ausführlich mit und schloß seine Erzählung: — „Außerdem hat sich da noch ein Schuft eingemischt, der eine höhere Pacht bot und den Verwalter bestach." „Wer ist der Hallunke?" „Man sagt, ein Jude." . „Dacht ich mirs doch!" lächelte der Fremde. „Nicht umsonst sagen die Bauern: „Ohne Juden kein Jahrmarkt." „Reb Chaim!" flüsterte einer. „Reb Chaim, seht doch dorthin . . . Am Ende ist er es — der neue Rendar." „Wer?"

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