Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- Israelitische Wochenschrift
- Issue
- 48 (29.11.1901)
- Date
- 1901-11-29
- Page
- Seite 765 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Nr. 48. Israelitische Wochenschrift. Seile 765. eingezahlt, haben keine Zinsen davon gelabt und erklären jetzt, daß ihnen nichts daran gelegen ist, waün sie einen Nutzen aus ihrer Einzahlung sehen werden. Den Direktoren steie Hand lassen, ist mehr, als ihnen zujnbeln. Die Versammlung fragt nichts danach, ob die Direktoren eine Zweigbank in Palästina, in Rußland oder in Whitechapel eröffnen. Sie hat das Vertrauen, daß alles, was geschieht, im Lauf der Zeit der guten Sache nützen wird. Herr Lozinski hat Ihnen gesagt, daß das Geld sicher ist und nicht verloren sein wird. Das ist richtig; aber ich für meinen Teil wäre auch nicht besorgt, wenn die Direktoren nächstes Jahr kämen und uns erklärten, daß bei dem Versuch einer glücklichen Lösung der Zionistenfrage das ganze Kapital verloren gegangen ist. In solchem Fall müßten wir uns ausraffen und noch einmal eine Viertelmillion finden." Laute und anhaltende Jubelruse folgen diesem Ausspruch. Zum Schluß spricht Herr de Haas nochmals seine Freude aus darüber, daß in diesem Fall der plumpe Materialismus und die Geldgier von nationaler Hoffnung und religiösem Idealismus besiegt worden ist. Die Zionisten werden hoffentlich ihr bestes thun, um das Kapital der Bank aus die erwünschte siebenstellige Zahl zu bringen. Nachdem Herr Fuchs vom „Hamagid" in Krakau die Versammlung erst in deutscher, dann in hebräischer Sprache angeredet, wurde die Resolution durch Akklamation angenommen. Mit Hochrufen auf Dr. Herzl und die Kolonialbank ging die Versammlung auseinander. Gibraltar, 22. November. (Jüdisches Altenheim.) Das vor zwei Jahren von der hiesigen jüdischen Gemeinde errichtete Altenheim hat sich schon nach kurzem Bestand als unzureichend erwiesen, und aus Mangel an Geldmitteln ist es unmöglich gewesen, ein eigenes ausreichendes Gebäude für diesen Zweck zu erbauen. Nun hat der aus Gibraltar stammende, seit Jahren in England ansässige Herr H. Bereiro der hiesigen Gemeinde die Summe von 2000 L. St. für ein neues Altenheim zur Verfügung gestellt, und der hiesige Festungskommandant hat den dazu erforderlichen auf fiskalischem Terrain belegenen Baugrund für die Dauer von 21 Jahren und den jährlichen fast fiktiven Mietspreis von 12 L. St. der Gemeinde vermietet. Der Baumeister Samuel Levy, der auch die hiesige Talmud - Thoraschule gebaut, hat seine Dienste zu diesem Bau unentgeltlich zur Verfügung gestellt, und so wird das neue Altenheim bald nach Fertigstellung der Baupläne erbaut und möglichst bald seinem gemeinnützigen Zweck dienen können. Sofia, 22. November. (Kriegsgerichtsurteil.) Der jüdische Leutnant Grazianoff, der in der Notwehr einen antisemitischen Angreifer erstochen hatte, ist vom Kriegsgericht zu einer Gefängnisstrafe von acht Monaten verurteilt worden, mit dem Zusatz, daß ihm zehn Tage Frist zur Appellation gewährt werden. Leutnant Grazianoff hat das Kassationsgesuch bereits eingereicht, das um so eher Berücksichtigung finden dürste, als nach geltendem Gesetz im vorliegenden Fall das Strafmaximum für Mtlitärpersonen nur 4 Monate betragen darf. Der Vater des Getöteten, der als Nebenkläger die Bestrafung des Angeklagten und einen Schadenersatz von 20 000 Francs verlangt hatte, ist mit seinen Geldansprüchen an das Zivilgericht verwiesen worden. Jerusalem, 21. November. (Lämel-Schule.) Die hiesige Lämel-Schule soll demnächst ein neues Schulgebäude erhalten, weil das bisherige den heutigen Anforderungen durchaus nicht mehr genügt. Der Neubau, für den der Platz bereits erworben ist, soll einschließlich des Baugrunds die Summe von 80 000 Francs erfordern, von denen die Jewish Colonisation Association 50 000 Francs als Darlehen bewilligt hat. Die fehlenden 30 000 Francs werden von anderen Wohlfahrtsgesellschasten teils als Darlehen, teils als Schenkungen erwartet. Die Lämel - Schule hat bisher außerordentlich günstige Unterrichtsersolge auszuweisen. Die englischen und deutschen Konsuln teilen in ihren offiziellen Berichten mit, daß sie den Schulprüfungen dieser jüdischen Unterrichtsanstalt beigewohnt haben und von den Resultaten des Unterrichts nur Gutes zu berichten haben. Die glänzenden Erfolge sind zum Teil auch auf das vorzügliche Schülermaterial zurückzusühren; gute natürliche Begabung und gewissenhafter Fleiß bringen die Schüler schnell vorwärts. Trotzdem die Lämel- Schule nur eine allgemeine, für das praktische Leben erforderliche Schulbildung zu geben verspricht, haben doch verschiedene Schüler gelehrte Berufe ergriffen; in den letzten zwölf Jahren sind aus dieser Schule ein Rabbiner, sechs Aerzte, vier geprüfte Lehrer, ein Philologe, zwei Doktoren der Chemie, vier andere Chemiker, ein Rechtsanwalt, ein Tierarzt und mehrere Konsularbeamte hervorgegangen. Personalnachrichten und kleine Mitteilungen. Am Samstag (30.), abends 6 Uhr, findet in der Lützowstraße 16 Hochparterre eine außerordentliche Mitgliederversammlung des Vereins Israelitisches Lehrerinnenheim statt. Auf der Tagesordnung steht der Bericht über eine dem Verein gemachte Schenkung und Aenderung des § 29 der Satzungen. — Die Generalversammlung der Wissenschaftlichen Vereinigung jüdischer Schulmänner zu Berlin findet Samstag, den 7. Dezember, abends 8 Uhr präc., im Vereinslokal Königstraße 29 statt. Auf der Tagesordnung steht die Erledigung der im 8 7 der Statuten vorgesehenen Punkte, und die Diskussion über die Thesen des Koll. Dr. Kellermann. — Die Glasermeister Salomon Arndt'schen Eheleute in Jastrow feierten kürzlich die Goldene Hochzeit. Auf ihren Wunsch erhielten sie statt der goldenen Ehejubiläumsmedaille eine hebräische, illustrierte Bibel. Diese hat der Kaiser, eine wunderhübsche Aufmerksamkeit, mit einer eigenhändigen Widmung versehen. — Die Eheleute Adolf Keßler und Eveline, geb. Franz, zu Schöneberg bei Berlin, Helmstraße 10, begehen am Samstag, 30. November, das Fest der Goldenen Hochzeit. Die Jubilare stehen im 74. resp. 72. Lebensjahre und erfreuen sich großer körperlicher Rüstigkeit und Geistesfrische. — In Manchester starb der wegen seiner Wohlthätigkeit in der jüdischen Gemeinde allgemein bekannte und beliebte Emanuel M. Henriques. Er war der Begründer des Manchester Zweigs der Anglo Jewish Association und hat durch seine wahrhafte Frömmigkeit das gute Einvernehmen unter den verschiedenen Richtungen innerhalb der hiesigen Judenschast erhalten. — Der Verein zur Förderung der Bodenkulturunter den Juden Deutschlands hat am 26. Dezember d. I, vormittags 10 Uhr, in seinem Bureau Berlin N., Große Hamburgerstraße 13/14, eine außerordentliche Generalversammlung. Auf der Tagesordnung steht die Vorstandswahl und ein Antrag auf Statutenänderung, insbesondere behufs Eintragung des Vereins in das Vereinsregister.