Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- Israelitische Wochenschrift
- Issue
- 48 (29.11.1901)
- Date
- 1901-11-29
- Page
- Seite 763 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 48. Israelitische Wochenschrift. Serie 763. wirken des Hauses mit den Lehrmeistern. Gleich dem Grundsatz. nach dem Schule und Haus nur in gemeinsamer, gegenseitig sich unterstützender Arbeit Ersprießliches erreichen können, hat die strenge, durch das Haus geübte Kontrolle über die Lehrlinge den Meistern an Ordnung und Pünktlichkeit gewöhnte Burschen erhalten. 4. Zusammenhalten des Hauses mit den früheren Zöglingen. Die Wirksamkeit des Hauses wird dadurch besonders in die Kreise hineingetragen, sür die das Haus bestimmt ist. Berlin, 28. November. (Israelitische Volksküche.) Am 30. November feiert die „Israelitische Volksküche", Gormannstraße 3, den Gedenktag ihrer zehnjährigen Wirksamkeit. Die Küche hat während dieser Zeit an Arme ca. fünf Millionen Portionen verteilt, darunter fünfmal Hunderttausend unentgeltlich. Bei der vielseitigen Bedeutung, die ein solches Institut sür die arme Bevölkerung besitzt, dürfte eine kurze Darstellung seiner Begründung und Entwicklung von allgemeinem Interesse sein. Im Jahr 1891 wurde der Begründer des Instituts, Herr Hermann Abraham, von einem hiesigen Hilfskomitee nach Krakau geschickt, um dort im Verein mit den lokalen Unterstützungskomitees eine Hilfsaktion ins Werk zu setzen. Es war jene traurige Zeit der russischen Judenverfolgung. Auf dem jüdischen Hospitalhos veranstaltete er eine allgemeine Speisung der zu Hunderten versammelten Emigranten. — Unvergeßlich blieb dem Berliner Abgesandten bei dieser Gelegenheit der Ausruf eines alten Mannes, der, nachdem man ihm das Brot der Armut gereicht hatte, in die bitteren Worte ausbrach: „Das, Alexander, haben wir dir zu verdanken!" — -Nach Beendigung seiner persönlichen Samariterthätigkeit wurde mit Hilfe eines von Herrn Abraham hinterlassenen Gründungssonds in Krakau eine Volksküche für die Emigranten errichtet, die eine äußerst rege Wirksamkeit entfaltete. Der Krakauer Rabbiner Herr Dr. S. Landau schrieb Herrn Abraham unterm 5. August 1891 darüber u. A. wie folgt: „Im Durchschnitt wurden bis jetzt täglich 180 Portionen verabreicht. Es ist eine Freude, zu sehen, wie sich die Unglücklichen an den schmackhaften und kräftigen Speisen laben. Im Namen aller, denen dieses Liebeswerk zugute kommt, danke ich Ihnen, daß Sie den Grund hierzu gelegt haben." Bei einem Besuch, den Herr Abraham kurz nach seiner Rückkehr nach Berlin bei der hiesigen Armenkommission machte, erzählte ihm der älteste Bureaubeamte, Herr Sußmann, daß für die hiesigen und namentlich für die durchreisenden Armen bezüglich der Ernährung ebenfalls ein Notstand bestehe. Die Armenkowmission tage nur zweimal wöchentlich, und es ereigne sich häufig, daß hungernde Arme, die nach der Sitzung einträsen,. unbefriedigt wieder Weggehen müßten, wenn sie — die Bureaubeamten — nicht in die eigene Tasche griffen. Der Anstoß zur Gründung einer „Israelitischen Volksküche" war also gegeben, und obgleich ein vor Jahren unter diesem Namen durch einen Verein an der Spandauerbrücke gegründetes Institut nach kurzem Bestand sich wieder ausgelöst hatte, ließ Herr Abraham die Anregung nicht ungenutzt. Mit einem Gründungsfonds von 6000 M., die er aus eigenen Mitteln entnahm, und gestützt aus die bewährte Opserwilligkeit seiner edeldenkenden Freunde, die sür die Armen und Elenden Herz und offene Hand haben, rief er im November 1891 eine neue, unter seiner persönlichen Verwaltung stehende israelitische Volksküche in der Klosterstr. 99 ins Leben. — Das schwierige Unternehmen gelang und erreichte durch die Mithilfe aufopferungsvoller Männer, unter denen der Kaffenkontrolleure Herren Sanitätsrat Dr. S. Ehrenhaus, Louis Rosenbaum und Louis Grumach mit besonderem Dank gedacht werden muß, sowie der aus festlichen Veranstaltungen entstammenden Beisteuern eine äußerst umfangreiche, blühende Entwicklung. Welchen kolossalen Zuspruch die Küche fand und wie der immense Verkehr zu einer Kündigung des gemieteten Lokals und damit zu der Notwendigkeit führte, dem jungen Institut ein eigenes Heim zu beschaffen, dürste allen Freunden des Unternehmens noch im Gedächtnis sein. Im Januar 1896 konnte Herr Abraham auch aus die glücklichste Lösung dieser letzten schwierigsten Ausgabe, auf den Ausbau des „Israelitischen Heimatshauses", Gormannstr. 3, blicken, das unter verschiedenen anderen Wohlsahrtseinrichtungen in seinen Parterre-Räumen der „Israelitischen Volksküche" nun seit Jahr und Tag ein festes, unkündbares, gemütliches und praktisches Heim gewährt hat. — Die auf dem Heimatshaus ruhende Schuldenlast ist durch die umsichtige Bewirtschaftung des Begründers heute schon zum Teil amortisiert, der Fortbestand der Volksküche für alle Zeit gesichert,. — Die Verwaltung des Instituts geht nun an einen besonderen Vorstand über, dem Herr Abraham als Vorsitzender angehört. Möge die Anstalt auch unter der neuen Leitung zum Segen der Armen und Notleidenden zu immer schönerer Blüte gelangen. Schwedt, 25. November. (Aus dem Literaturverein.) Der hiesige Literaturverein hat an unserem jetzigen Rabbiner Herrn Dr. Holzer eine ausgezeichnete Stütze gesunden. Herr Dr. Holzer hat die Freundlichkeit gehabt, uns eine Reihe von Vorträgen zu halten. In seinem ersten Vortrag „Juda Halevy, ein Denker und Dichter," führte er uns ins vergangene Jahrhundert zurück und machte uns in fesselnder Weise mit dem Dichter und dessen Werken bekannt. In seinem zweiten Vortrag führte uns Herr Dr. Holzer wieder in die Neuzeit, indem er über „Die Juden im 19. Jahrhundert" sprach. Er fand ungeteilten Beifall. Königsberg i. Pr-, 25. November. (Die Wohlthätigkeits-Vereine.) Wie in früheren Jahren hat auch jetzt der sehr verdienstvolle Ober-Sekretär Klein eine tabellarische Uebersicht über die Wirksamkeit der Wohlthätigkeits-Vereine und -Institute der hiesigen jüdischen Gemeinde zusammengeftellt. Das Vermögen dieser Vereine und Institute betrug im vergangenen Jahr 1 328 575.20 M., der Jahresbeitrag der Mitglieder 26 021.65 M.; die Summe der regelmäßigen Unterstützungen belief sich auf 49 456. 29 M., die der außerordentlichen aus 20 Ü26. 61 M.; sür Stipendien, ärztliche Honorare, Medikamente u. s. w. wurden 23 765. 78 M., insgesamt also 93 348.68 M. aufgewendet. Z Memel, 24. November. (Aus dem Literaturverein.) Der am vorigen Mittwoch im Verein für jüdische Geschichte und Literatur von Herrn Rabbiner Dr. Max Beermann- Jnsterburg über „Die Propaganda des Judentums in der griechisch-römischen Kulturwelt" gehaltene Vortrag verdient ganz besonders hervorgehoben zu werden. Der Redner hat