Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- Israelitische Wochenschrift
- Issue
- 48 (29.11.1901)
- Date
- 1901-11-29
- Page
- Seite 761 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Nr. 48. Israelitische Wochenschrift. Seite 761. Zu Schmach und Spotte brachtest du uns, zu Schimpf und Und unsre Ehre machtest du feil um kargen Lohn. sHohn, Du machtest uns erröten, den Tag für uns zur Pein, Wir hören in bangen Nöten der Läftrung und der Rachgier Schrein. Herr, du hast uns vergessen, wir aber deiner nicht, Wir handelten nicht vermessen, wir folgten unsrer Pflicht. Nicht heimlich sortgeschlichen sind wir von deinem Bund, Wir sind nicht abgewichen von dem, was uns befahl dein Mund. Du hast uns fortgesühret in öde Wüstenei, Wo unsre Ohren rühret der schrille Schakal-Schrei, Du hast mit Todesschatten uns ganz und gar bedeckt. Und niemals, niemals hatten die Hand zu Götzen wir gereckt. Herr Herr, du mußt das wissen, denn dir ist alles kund; Wenn uns der Feind zerrissen, so wars um deinen Bund. Erwache, Herr, erwache, und schlafe länger nicht. Sieh unsrer Dränger Rache und zeig uns wieder dein Gesicht! O schau auf unfern Jammer, aus unsrer Seelen Not, Uns packt mit eiserner Klammer nach hartem Druck der Tod. Steh aus, o Herr, und bette uns wieder lind und weich. Steh aus, o Herr, errette und führ uns gnädig in dein Reich! 45. Von den Söhnen Korach. Aus tiefbewegtem Gemüte, Herr König, klingt dir mein Lied: Der Männerschönheit Blüte An dir das Auge sieht. Dich ziert die Königsbürde Und Anmut deinen Mund, Die hoheitvolle Würde Thut Gottes Segen kund. Mit Glanz und Pracht bewehrte Das Schwert dich, tapfrer Held — Zieh mit dem Siegerschwerte Für Recht und Unschuld ins Feld! Gott hat deinen Thron gegründet. Fest, für die Ewigkeit, Deinem Szepter sind verbündet Recht und Gerechtigkeit. Du bist dem Frevler begegnet Mit Strenge; des Glückes Kuß Hat drum dich reich gesegnet Mit allem Ueberfluß. Brokat und Seide hüllet Prunkvoll die Glieder ein, Mit Dust ist dir erfüllet Der Saal von Elfenbein. Die edelsten Fraun umflechten Den Königsthron, es steht Die Königin dir zur Rechten In strahlender Majestät. Du Tochter fremder Erde, Neig freundlich mir dein Ohr, Mach, daß dir Heimat werde Das Land, das dich erkor. Vergiß dein Volk von gestern. Das väterliche Haus, Und suche dir die Schwestern In unsrer Mitte aus. Wie ist deiner Schönheit Prangen So stolz und königlich! Nun beuge dem Verlangen Des Herrn dich minniglich. Dann wirst du aus dem Schoße Von Tyrus Gaben empsahn, Es werden des Volkes Große Mit Preisen sich dir nahn: „Wie strahlt in herrlicher Tugend „Der Königstochter Bild, „Wie ist ihre blühende Jugend „In köstlichen Schmuck gehüllt!" In Prunkgewanden geleitet Man dich zum König hin. Der Jungsraun Chor begleitet Dich unter den Baldachin. Der Klang der Hellen Drommeten Schallt von den Wänden zurück. Und Aller Herzen beten Für deiner Zukunst Glück. Set Wonne dir und Frieden, Du königliche Braut, Von unserm Gott beschieden, Der heut herniederschaut. Sieh Söhne dir erblühen, An Tugend den Vätern gleich. Du sollst sie zu Köngen erziehen Und jedem geben ein Reich. Ich singe in lieblichen Weisen Von deinem hohen Sinn, Und Völker werden dich preisen, Du holde Königin! 46. Von den Söhnen Korach. Der Herr ist unsre Zuflucht, Im Drang erprobte Wehr; Uns bangt nicht, bebt die Erde Und wanken die Berge im Meer.