Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- Israelitische Wochenschrift
- Issue
- 48 (29.11.1901)
- Date
- 1901-11-29
- Page
- Seite 759 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Nr. 48. Israelitische Wochenschrift. Seite 769. haben vielmehr wiederholt über diese sich geäußert und immer ablehnend. Das sei also der „Terrorismus". Die Experten haben ihr eigenes Votum aus dem Jahre 1893 nicht desavouieren wollen, weil hinreichende Argumente für eine Korrektur jenes Votums nicht vorliegen. 1893 handelte es sich nämlich darum, für den seligen Prediger Dr. Adolf Jellinek einen Gehilfen zu bestellen, für ihn seine minder wichtigen Agenden zu versehen. Ein Mann, der zu jener Zeit eine hervorragende Stellung im politischen Leben einnahm, in dessen Haus Herr Dr. F. zu verkehren pflegte, hatte aus ihn als geeigneten Kandidaten hingewiesen, die Unterstützung des Oberrabbiners Dr. Güdemann für ihn gewonnen. Herr Dr. Feuchtwang hielt daraufhin mehrere Predigten in den beiden Tempeln der israelitischen Kultusgemeinde. Die Freunde ließen es an Bemühungen nicht fehlen, ein großes, an Zahl und Einfluß bedeutsames Auditorium bei den Predigten zu vereinigen. Auch der Präsident der israelitischen Allianz, Herr David Ritter von Gutmann, ging, den Prediger zu hören. Aus dem Wege in den Tempel begegnete ihm ein befreundeter christlicher Parlamentarier, derzeit Hosrat beim obersten Gerichtshof, und er lud ihn ein, ihn zu begleiten: er möge den jungen jüdischen Prediger ebenfalls anhören. Herr von Gutmann hat das nachher sehr bedauert. Nichtsdestoweniger hat auch damals der israelitische Kultusvorstarch eine Versammlung von Vertrauensmännern statutengemäß einberusen und ihnen die Bestellung des Herrn Dr. F. in Vorschlag gebracht. Wie am 20. Oktober 1901, so haben auch damals die Vertrauensmänner mit großer Entschiedenheit diese Frage negativ beantwortet. Wenn unsere Erinnerung nicht täuscht, so war es ein Lehrer des Kandidaten, Herr Prof. D- H. Müller, der mit Hinweis auf dessen ihm bekannte unzulängliche wissenschaftliche Qualifikation das ablehnende Votum beantragte. Herr Direktor Heller vom israelitischen Blindeninstttut unterzog die von Herrn Dr. F. gebotenen Proben der Kanzelberedsamkeit einer Prüfung und Kritik und gelangte schließlich zu demselben Resultat: die Bestellung des vorgeschlagenen Kandidaten sei nicht zu empfehlen. Daß die Vertrauensmänner dadurch eine feindselige „Demonstration", ein „Mißtrauensvotum" gegen Oberrabbiner und Vorstand verbrochen, einen „Terrorismus" ausgeübt haben, — diese Behauptung hat damals niemand gewagt. In der Zwischenzeit — vor etwa drei Jahren — hatten die Vertrauensmänner wiederum Gelegenheit, über eine Kandidatur des Herrn Dr. F. zu verhandeln. Der Wiener israelitische Kultusvorstand stand vor der Ausgabe, die Kanzel im israelitischen Gemeindetempel des Ottakringer Bezirks zu besetzen, ein Komitee der Vertrauensmänner hatte es übernommen, die eingelausenen Bewerbungen und Vorschläge für Berufungen zu Probepredigten der Versammlung zu erstatten. Selbstverständlich lag auch eine Bewerbung des Herrn Dr. F. vor; allein das Komitee hatte sich zur neuerlichen Einladung des Herrn Dr. F. nicht entschließen können, und dieser that das Klügste in diesem Falle, er zog seine Bewerbung zurück. Für das Komitee war auch die Thatsache maßgebend, daß Herr Dr. F-, ein Jünger des Berliner Rabbinerseminars, diese Anstalt ohne Rabbinatsdiplom und Hathora verließ, und die letztere sich von einem ihm verwandtschaftlich nahestehenden Rabbiner verschafft hat. Wissenschaftliche Arbeiten von irgend welcher Bedeutung hat er überhaupt nicht publiziert. War somit das Ergebnis einer neuerlichen Befragung der Vertrauensmänner für jeden vorauszusehen, so hat es auch an anderen Anzeichen nicht gefehlt, die über die Stimmung weiterer Kreise in der Gemeinde in Bezug aus Dr. F. genugsam ausklärten. Eine größere Anzahl von Bethausvereinen haben gemeinsam bei dem Vorstand im Vornherein Protest dagegen eingelegt, daß Herr Dr. F., seine eventuelle Bestellung als Hilfsprediger vorausgesetzt, etwa dem Rabbinatskollegium beigezogen werde. Der greise Rabbiner Dr. Schmiedl, der Herrn Dr. F. näher kennt, ließ wiederholt offiziell erklären, er brauche keine Vertretung und werde einen Gehilfen in seiner Nähe nicht dulden. Hätte der zunächst Interessierte die deutliche Sprache solcher Thatsachen gewürdigt, so hätte er auf die wohlmeinenden Ratschläge, die ihm, wie es heißt, von hochkonservativer Seite zugemittelt worden, geachtet und die Diskussion vom 20. Oktober über seine wissenschaftliche und theologische Eignung sich erspart, eine ebenso peinliche wie unvermeidliche Diskussion, aus der er, nach den Worten eines geistreichen, ihm wohlgesinnten Redners in jener Versammlung, des Herrn Dr. Fialla „wie der arme Lazarus" hervorging. Daß über die Beschlüsse der Versammlung vom 20. Oktober „rücksichtslos" hinweggeschritten wird, ist nach Lage der Dinge undenkbar. Da überdies der Präsident der israelitischen Kultusgemeinde, Herr kais. Rat Heinrich Klinger, den Vertrauensmännern die Zusicherung gab, daß der Vorstand ihre Meinungsäußerung respektieren werde, so darf man gewiß sein, daß der Präsident eher auf sein Ehrenamt verzichtet, als sich eines Wortbruchs schuldig zu machen. Demgemäß muß man erwarten, daß der Vorstand im Lauf der Wintermonate die Vertrauensmänner zur Entgegennahme neuer Vorschläge einberust. Die Mine«. Uebersetzt von M. A. K. 41. Nachdruck verboten. Von David. Wirft du Armen Mitleid schenken. Wird dich Gott aus Unheil retten. Glück an deine Ferse ketten Und mit Gnaden dich bedenken. Deiner Feinde grimmes Toben Dringt vergeblich dir zu Ohren; Trifft dich Krankheit — neugeboren Wirst du durch den Herren droben. Herr, ich bin voll Schuld und Fehle. Mich umringt der Feind mit Ränken, Tilgen möcht er mein Gedenken — Herr, o heile meine Seele!