Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- Israelitische Wochenschrift
- Issue
- 47 (22.11.1901)
- Date
- 1901-11-22
- Page
- Seite 751 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Nr. 47, Israelitische Wochenschrift. Seite 751. Aufmerksamkeit seiner Lehrer aus sich zog. Das Hebräische setzte er bei Zacharias Frankl, seinem Verwandten, fort. Bei den Ptaristen in Leitomischl hörte er Philosophie. Da er für eine Wandertruppe ein beifällig ausgenommenes Drama schrieb, wurde ihm von der Konferenz eine Rüge zu teil. In Prag und Wien widmete er sich der Medizin, ohne die Poesie zu vernachlässigen; in Padua bestand er sein Examen, machte jedoch keinen Versuch, Praxis auszuüben, sondern nahm eine Stelle als Sekretär der Kultusgemeinde in Wien an. Eine Ferienreise nach dem Salzkammergut veranlaßte eine Anzahl von Gedichten, die im Druck erschienen und solchen Erfolg hatten, daß Frankl seine im Pult liegenden Balladen vereinigte und unter dem Titel „Habsburg-Lied" herausgab. Später veröffentlichte er eine Anzahl epischer und lyrischer Gedichte, vielfach dem Stoff nach orientalisch, dann ein Gedicht „Christosoro Colombo", welches Hebbel ganz besonders hochschätzte, und wofür ihm die Stadt Genua klingenden Lohn zuteil werden ließ. Der Redner ging auf Frankls Dichtungen näher ein und verlas einzelnes aus denselben. Auch das Gebiet des Humors war Frankl nicht verschlossen. Die „Ahnenbilder" und „Libanon" sind eine Frucht seiner Reise nach Palästina und fanden namentlich den Beifall von Anastasius Grün. Außer mit diesem stand er auch in lebendigem Verkehr mit Uhland, Auerbach, Grillparzer, Lenau, Hebbel, Meyerbeer u. A. In Italien machte er u. A. die Bekanntschaft von Thorwaldsen und Mezzofenti. 1842 gründete er die „Sonntagsblätter", eine äußerst gediegene Zeitschrift, in der er sowohl eigene Arbeiten M^L^ntlichte, als auch anderen Dichtern Gelegenheit gab, ^^^^^^werden. Grillparzer liebte ihn als Dichter, aber WD^^^nders als Juden, während ihm getaufte Juden, z. B. Saphir, sehr zuwider waren. Auch Hebbel gehörte zu dem Kreis des „Silbernen Kaffeehauses". Er ging mit Frankl zur Beerdigung der jungen Frau Mosenthals, dabei hörte er Kantor Sulzer die üblichen Gebete singen; plötzlich faßte er Frankl am Arm und sagte: „Ich höre heute zum erstenmal die Laute der Bibel und der Propheten in der Ursprache. Es ist wunderbar, eine Sprache aus Jahrtausenden ans Ohr schlagen zu hören. Weil sie an ihrer Sprache sesthalten, find die Juden einig. Mir ist's, als verstände ich mehr von der Ursprache, als vom deutschen Wort. Fühlten sie sich getröstet durch das, was der Redner in deutscher Sprache spricht? Ein Volk, das aus sich Dichter, wie David, wie die Propheten hervorgehen sah, darf sich mit Recht das auserwählte nennen." — Die Bewegung von 1848 riß Frankl so mit, daß er die „Abendzeitung" herausgab, im Oktober wurde sie jedoch unterdrückt. — Als Frankl 1838 das Amt eines Sekretärs und Archivars der Gemeinde Wien angenommen hatte, fand er ungeheure Arbeit vor. Sein Vorgänger hatte neben dem Amt eines Sekretärs noch eine Menge untergeordneter Dinge zu erledigen gehabt. 11000 Aktenstücke waren zu ordnen. Er stiftete ein Bad für das jüdische Krankenhaus, schuf eine Leichenordnung, Gemeindematrikel, ließ den Friedhof reinigen und die Grabsteine entziffern, veranlaßte die Errichtung eines jüdischen Findelhauses u. s. w. Vor allem aber sind zwei seiner Schöpfungen zu nennen. Die eine ist die Gründung einer Schule für arme Kinder jüdischer österreichischer Unterthanen in Jerusalem, wozu Frau Herz,- geb. von Lämmel, 50000 Gulden zur Verfügung stellte. Seine Reise nach Aegypten und Palästina hat er in zwei Werken beschrieben. Später hatte er die Freude daß ihm Kaiser Franz Joseph aus Jerusalem den Adel („von Hochwart") verlieh. Freudig schreibt er an Grün, daß es ihm nach vielen Widerwärtigkeiten gelungen sei, 40 hungrigen und nackten Kindern Kleidung, Essen und Unterricht zu geben. Jaffa und Liberias ernannten ihn zum Ehrenvorstand, zu welchem Zweck sie ihm eine kleine Parzelle schenkten. (Hierzu bemerkt ihr Berichterstatter, daß die Schule zum Andenken des Vaters der Stisterin Simon Edler von Lämmel-Schule genannt wurde.) Nachdem die Schule etwa 30 Jahre lang bestanden, dabei aber immer mehr in pädagogischer Hinsicht zurückgegangen war, übernahm sie der Verein zur Erziehung jüdischer Waisen in Palästina, der unter dem Vorsitz des Rabbiners Dr. Horowitz in Frankfurt a. M. domiziliert, und machte daraus eine Anstalt mit dem Lehrplan einer guten europäischen Volksschule. Gegenwärtig zählt sie 150 Schüler. Die gemieteten Räume, in denen die Schule untergebracht ist, entsprechen in keiner Weise den zu stellenden Anforderungen. Deshalb ist der genannte Verein bemüht, ein Schulhaus zu errichten, und hat ein geeignetes Grundstück bereits gekauft. Zum Bau und zur Einrichtung reichen seine Mittel nicht aus; wenn nicht Freunde des hl. Landes ihn dabei unterstützen, wird das Projekt vorerst unausführbar sein. — Das zweite große Werk Frankls war die Gründung eines jüdischen Blindeninstituts. Als Ritter von Schey Freiherr wurde, erbat sich Frankl dazu 10000 Gulden von ihm; Baron Königswinter schenkte ein Haus und richtete es für 50 Zöglinge ein; der Kaiser und die Kaiserin gaben je 1000 Gulden. Am 1. Dezember 1872 wurde der Schlußstein gelegt, wozu auch der Kaiser kam. Frankl gründete auch einen Verein zur Unterstützung der Zöglinge. 1873 betrieb er mit Erfolg die Einberufung eines Blindenlehrerkongresses. — Nach 42jährigem Dienst trat er von seinem Amt zurück. Aber noch als 81 jähriger schien er unverwüstlich. Am 3. November 1893 brach er einmal plötzlich zusammen, war jedoch nach einer Woche wieder emsig mit Ordnung seiner Schriften beschäftigt. Am 10. März schrieb er einen Artikel für die N. F. I. über die Märzbewegung von 1848 wie alljährlich. Am 12. März verschied er bei Tische mitten im Gespräch ohne jeglichen Todeskampf. Die Beteiligung bei der Beerdigung war außerordentlich, das Grab wurde von der Gemeinde mit einem Denkmal geziert. Er war ein Meister der Menschlichkeit, ein Meister des Wohlthuns, ein Meister seiner selbst, ein Dichter voll Begeisterung, ein edler Sohn seines Vaterlandes und vor allem ein treuer begeisterter Jude. Frankfurt a. M., 18. Novbr. Herr Dr. Seligmann, derz. Prediger am Hamburger Tempel, ist von der israelitischen Gemeinde zu Frankfurt als Rabbiner angestellt worden und tritt am 1. April in sein neues Amt ein. Paris, 15. November. (Auszeichnung für einen jüdischen Krankenpfleger.) Der als Krankenpfleger im Militärlazareth zu Mascara in Algier angestellte jüdische Soldat Elieser Jais hat die silberne Ehrenmedaille erhalten. Wie das „Journal Offiziel" mitteilt, hat der jüdische Soldat