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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1901-11-22 · 47 (22.11.1901) · p. Seite 750

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
Israelitische Wochenschrift
Issue
47 (22.11.1901)
Date
1901-11-22
Page
Seite 750 (sequence 14)
Language
German
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Seite 750. Israelitische Wochenschrift. Nr. 47. dazu bestimmte Kapital von M. 300 000 soll zinstragend anl gelegt, die Zinsen sollen jährlich an notleidende Mitglieder der Familie verteilt werden. Von dem Kapital sollen M. 50000 abgezweigt werden, von denen die Gemeinde 50 Jahre lang alljährlich M. 1000 für ihre Armen verwenden soll, gewissermaßen als Aequivalent für die Uebernahme der Verwaltung. — Die Erhöhung der Mitgliederzahl des Chores in der neuen Synagoge von 24 aus 30 wird beschlossen. — Für die Reparatur der Kuppel und Facade der neuen Synagoge werden M. 7130.70 nachbewilligt. — Es folgt eine Reihe von Rechnungsberichten. Berlin, 2O. November. (Akademische Lesehallen.) Der Verein Jüdischer Studenten (im B. I. C.), der sich im vergangenen Jahr zum ersten Mal an den Wahlen zur Direktion der Akademischen Lesehalle beteiligt und dabei guten Erfolg erzielt hat, stellt auch dieses Jahr eigene Kandidaten aus, die Herren cand. med. Erich Rosenkranz, cand. phil. Emil Kohn und cand. jur. Bruno Blau. Bei der Bedeutung der Lesehallenwahlen für die Studentenschaft ist es sehr wünschenswert, daß die jüdischen Studenten alle den Kandidaten des V. I. St. ihre Stimmen geben. Berlin, 17. November. (Regelmäßige Vorträge.) Der Verein Jüdischer Studenten zu Charlottenburg hat die nachahmenswerte Einrichtung getroffen, an jedem Donnerstag Abend 9 Uhr (im Restaurant Thiergartenhof am Bahnhof Thiergarten) einen Vortrag halten zu lasten, an den sich eine Diskussion knüpft. Gäste sind herzlich willkommen. Berlin, 18. November. (Wissenschaftliche Lehrervereinigung.) Die „Wissenschaftliche Vereinigung jüdischer Schulmänner zu Berlin" hat ihre diesmonatliche Sitzung unter dem Vorsitz des Herrn Auerbach am 2. d. Mts. gehalten. Nach der statutenmäßigen Wahl zweier Kastenrevisoren hielt Herr Kollege Dr. Kellermann einen längeren Vortrag über „Einige- , Fragen des systematischen Religionsunterrichts". Da wegen vorgerückter Zeit nur eine Generaldiskussion stattstnden konnte, wurde beschlossen, in der nächsten Sitzung in die Spezialdiskussion einzutreten und ihr die vom Referenten ausgestellten Thesen zu Grunde zu legen. Znm Schluß der Sitzung wurde ein neues Mitglied ausgenommen. Am 7. Dezember findet die durch die Satzungen vorgeschriebene Generalversammlung statt. Berlin, 18. November. (Jubiläumsfeier.) Das 25 jährige Dienstjubiläum, das, wie bereits bekannt gegeben, der Registrator der hiesigen jüdischen Gemeinde, Herr Emil Kurth am 15. d. Mts. beging, trug im ganzen Verlauf ein weihevolles Gepräge. Die Beamten aller Kategorien wetteiferten in der Bezeugung ihrer kollegialen, freundschaftlichen Gesinnung. Sie hatten bereits tags zuvor das Arbeitszimmer des Jubilars mit Blumengewinden reich geschmückt. Am 15. führten sie ihn in ein mit Pfianzendekoration reich ausgestattetes Zimmer des Verwaltungsgebäudes, Oranienburgerstraße 29, wo er von einem aus der Mitte der Beamten gebildeten Doppelquartett mit dem Gesang „Gott grüße Dich" empfangen wurde. Hieraus brachte der Bureaudirektor Herr Budwig namens aller Beamten deren Glückwünsche in beredten und zu Herzen gehenden Worten zum Ausdruck. In längerer Ansprache wies er aus den Entwickelungsgang des Jubilars als Beamten hin, der durch ein glückliches Geschick einerseits, sodann aber vornehmlich dank seinem stets ehrenhaften, biederen Verhalten, gepaart mit strenger Pflichttreue, gründlicher Sachkenntnis und stets regem Interesse für alle Fragen der recht verzweigten Verwaltung der jüd. Gemeinde, sich zu der Stelle emporgearbeitet hat, die der Jubilar gegenwärtig bekleidet. Sowie der Jubilar als Beamter nach Gebühr gefeiert worden war, so nicht minder als Kollege und Freund und seine innigen Beziehungen zu allen Kollegen, sowie deren Sympathiekundgebungen und Wünsche für die fernere, gedeihliche Mitarbeit des Jubilars wurde zum bleibenden Andenken in einer Adresse niedergelegt und fanden sichtbaren Ausdruck in der Ueberreichung zweier von Säulen getragenen, kunstvoll gefertigten Kandelaber. Als Deputierte des Gemeinde-Vorstandes waren gegen Mittag die Gemeindeältesten Herr I. Jacoby als Vorsitzender, Herr Rechtsanwalt Dr. Lachmann, Herr M. Simon und als Vertreter der Repräsentanten Herr Louis Sachs erschienen, um die Glückwünsche der durch sie vertretenen Körperschaften zu übermitteln. Herr Jacoby richtete Worte der Anerkennung und des Dankes an den Jubilar, der mit frohem Bewußtsein auf eine arbeitsreiche Lebensbahn zurückblicken könne, aus der er stets bemüht gewesen, die vollste Zufriedenheit seiner Vorgesetzten Behörde sich zu erwerben. Redner überreichte dem Jubilar für dessen stets treu geleistete Dienste ein namhaftes Geldgeschenk mit dem Wunsche, daß es dem Jubilar vergönnt sein möge, noch das 50 jährige Jubiläum als Beamter der jüd. Gemeinde zu feiern. Würdigen Abschluß fand die Feier durch ein am 17. in den Sälen des Brüder-Vereins. Unter den Linden 4a veranstaltetes Festessen. Die grc,^ Zahl der Teilnehmer, die zumeist mit ihren Frauen unK Töchtern erschienen waren, zeigte, welch allgemeiner Wertschätzung der Jubilar nicht nur bei seinen Berufskollegen im engeren Sinne, sondern bei Beamten aller Kategorien sich erfreute. Charlottenburg, 20. November. (Siebzigster Geburtstag.) Gestern feierte in erfreulichster Rüstigkeit Herr Hermann Hirsch, früher Vorsteher der hiesigen Gemeinde, im Kreis seiner Familie den siebzigsten Geburtstag. Der Vorstand der Charlottenburger Gemeinde überbrachte dem vormaligen Kollegen mit herzlichen Glückwünschen einen prächtigen Pokal. Vertreter der Bnei Brith-Logen brachten die freudigen Grüße der Logenbrüder. Frankfurt a. M., 20. November. (Aus demLiteraturv e rein.) Im Verein für jüdische Geschichte und Literatur sprach ehegestern Lehrer S. Rothschild aus Worms über den Dichter und Philanthropen Ludwig August Frankl, einen Mann, der mit Gabriel Rießer das Schicksal teilt, unter seinen Glaubensgenossen unverdienter Weise in Vergessenheit zu geraten. Der Redner betrachtete Frankl von drei Gesichtspunkten aus: als Dichter, dann als Dichter unter Dichtern, schließlich in seinem 'Amt und seiner äußeren Stellung. Geboren am 3. Februar 1810 in Chrast in Böhmen, empfing er seine erste Erziehung im elterlichen Hause, wo deutsch und tschechisch gesprochen wurde. Das Calvinische lernte er beim Pfarrer des Ortes. 1823 ging er nach Prag, um in das Piaristengymnasium einzutreten, wo er durch Fleiß und stylistisches Talent die

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