Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- Israelitische Wochenschrift
- Issue
- 45 (8.11.1901)
- Date
- 1901-11-08
- Page
- Seite 715 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/5369809-9607691-9605241-9605550--8322-9605561- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Nr. 45. Israelitische Wochenschrift. Gerte 715. paarS gemeldet werden: Der Bräutigam heißt David Berson, Kaufmann aus Randsfjord, die Braut Fräulein Rosa Friedländer aus Memel. Der Rabbiner Dr. Aschkanaze ist auch ermächtigt, die Civil-Register der hiesigen „Gemeinde Israels" zu führen. Als vor Kurzem ein vom Rabbiner Dr. Aschkanaze ausgestelltes Geburtsattest einer deutschen Behörde vorgelegt werden sollte und deshalb vom hiesigen deutschen Generalkonsulat beglaubigt werden mußte, verweigerte anfangs das Konsulat die Beglaubigung mit der Motivierung, daß nur die Unterschrift einer in diesen Dingen kompetenten Behörde beglaubigt werden könne. Darauf erklärte der hiesige Statthalter in einer Zuschrift, daß der Rabbiner Dr. Aschkanaze nach dem norwegischen Gesetz in der betreffenden Angelegenheit als die kompetente Behörde zu betrachten sei, und nunmehr erfolgte die Beglaubigung vom deutschen Konsulat. London, 4. November. (Rumänische Darlehnsbanken.) Die 500 L. St., die der Vorsitzende der Anglo- Jewish Association Claude G. Montefiore hier als Beitrag für die in Rumänien zu begründenden Darlehnsbanken für jüdische Handwerker gesammelt hat, sind bereits an das Komitee in Frankfurt a. Main abgeführt worden. Sollte durch unvorherzusehende Umstände die Errichtung der Banken sich als unmöglich erweisen, so werden die hier dafür gespendeten Summen den betreffenden Spendern zurückgezahlt werden, deren nur wenige sind: Ein ungenannter Freund schickte 300 L. St.; ein zweiter 4 L. St. 5 S.; H. Landau 20 L. St.; D. Marks 52 L. St. 10 S.; Sir S. Montagu 20 L. St.; Claude G. Montefiore 52 L. St. 10 S.; B. Newgaß 25 L. St.; Sir Edward Saffoon 15 L. St. 15 S.; I. Seligman 10 L. St. London, 3. November. (Polikliniken und Judentaufen.) Schon seit Jahren wird auf die Notwendigkeit hingewiesen, im meist von armen Juden bewohnten Ostend Polikliniken einzurichten, in denen arme jüdische Patienten freie ärztliche Behandlung und im Notfall auch die erforderlichen Arzneien erhalten können. Bisher ist diesem Bedürfnis nicht Rechnung getragen worden, dagegen hört man aller Orten Klagen über die große Zunahme der Judentausen unter den Bewohnern des Ostends. So seltsam die Behauptung klingen mag, daß der Mangel an jüdischen Polikliniken vielfach die Ursache der Taufen ist, so trifft sie doch zu. Tausende von armen Juden und Judensrauen suchen die in ihrem Stadtteil sonst nicht zu erlangende unentgeltliche ärztliche Hilfe in den Missions-Polikliniken in der Philpot- und der Goulsonstraße. Hier werden die Patienten dazu veranlaßt, Missionspredigten anzuhören, und die Aerzte machen sie daraus aufmerksam, daß die Arzneien nur solchen Patienten helfen können, die an Christus glauben. Außerdem suchen die Missionare die jüdischen Kranken in ihren Behausungen aus, und es gelingt ihnen in vielen Fällen, die von Krankheit und Elend mürben russischen Juden zu konvertieren. Freie jüdische Polikliniken würden den Missionaren viele Gelegenheiten zum Proselytenmachen nehmen und so zur Erhaltung des Judentums beitragen. London, 4. November. (Jüdische Kinderbewahranstalt.) Die vor vier Jahren auf Anregung von Frau Louis Model und Herrn Isidor Spielmann begründete jüdische ° Kinderbewahranstalt, eine sogenannte Krippe, hatte sich schon nach kurzem Bestehen als zu klein erwiesen; sie war nur für 24 Kinder eingerichtet. Der Andrang von zur Arbeit gehenden Müttern, die Tags über ihre Kleinen in sicherer Obhut und angemessener Pflege wissen wollten, ist mit den Jahren noch mehr gewachsen, so daß die Vergrößerung dieses so überaus segensreich wirkenden Wohlfahrtsinftituts zur Notwendigkeit wurde. Die dem Komitee zur Verfügung stehenden Mittel waren sehr beschränkt, und es war außerdem nicht leicht, ein paffendes Gebäude zu finden. Durch das freundliche Entgegenkommen der Verwaltung des London-Hospitals ist für das Unterkommen der Krippe glänzend gesorgt worden. Die Hospitalverwaltung hat auf ihr gehörigem Grund und Boden in New Road, Whitechapel, einen Bau aufführen lassen, der 40 000 Mark gekostet hat und für den das Komitee der Krippe einen jährlichen Mietszins von 2500 Mark zu zahlen hat. Die innere Einrichtung des in modernem Stil in rotem Backstein gebauten Hauses ist selbstverständlich vom jüdischen Krippenverein zu stellen. Das neue Institut wird für fünfzig Kinder eingerichtet. Im Kellergeschoß befindet sich die Waschküche und die Heizvorrichtung für das ganze Haus. Im Erdgeschoß liegt das große Kinderzimmer, das die Tiefe des ganzen Hauses einnimmt; alle Sorten von Spielsachen sind hier zu finden. Küche und Eßzimmer sind im ersten Stock untergebracht worden, das Eßzimmer sieht mit seinen winzigen niedrigen Tischchen und Stühlchen aus, als wäre es für Zwerge bestimmt. Die Kinder erhalten die für ihr Alter angemessene Nahrung: Milch — es wird in der Krippe nur sterilisierte Milch verwendet — Kakao, Hafersuppen, auch weiche Eier zum Frühstück; zum Mittag giebt es Suppe oder Beeftea, Fleisch und gedünstetes Obst, zweimal wöchentlich statt des Fleisches ein Fischgericht. Die übrigen Räume sind für die Vorsteherin, die Wärterinnen und das übrige Personal bestimmt. Der große Spielplatz wird später mit Sträuchern und Blumen bepflanzt werden. Das Institut ist täglich mit Ausnahme des Sabbats von 8 Uhr morgens bis 8 Uhr abends geöffnet, an den Freitagen bis Sonnenuntergang. Die Eltern haben pro Kind und Tag 2 Pence zu zahlen; im Jahr 1900 betrug die von Eltern gezahlte Summe rund 36 L. St. Die Gesamteinnahmen der Krippe für 1900 beliefen sich auf rund 356 L. St., die Ausgaben auf 349 L. St. Während dieses Jahres sind im Ganzen 4774 Kinder verpflegt worden. Die feierliche Einweihung des neuen Heims wird am Dienstag, den 12. d. M., stattfinden. London, 4. November. (Zunftsynagogen.) Wie erzählt wird, wollen die hiesigen jüdischen Tabakarbeiter eine eigene Synagoge begründen. Solche Synagogen für eine einzelne Zunft sind nichts Neues, es hat deren schon vor 2000 Jahren gegeben. In Jerusalem hatten damals die Kupferschmiede ein besonderes Gotteshaus. Diese Handwerker kamen meist von Alexandrien, und auch hier gab es in der Synagoge Unterscheidungen nach Zünften. Die berühmte Synagoge dieser Stadt war so ungeheuer groß, daß der Vorbeter nicht im ganzen Haus gehört werden konnte und^deshalb das Zeichen für die von der ganzen Gemeinde zu singenden Gebete durch das Schwenken einer Fahne gegeben