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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1901-11-08 · 45 (8.11.1901) · p. Seite 712

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
Israelitische Wochenschrift
Issue
45 (8.11.1901)
Date
1901-11-08
Page
Seite 712 (sequence 8)
Language
German
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Seite 712. Israelitische Wochenschrift. Nr. 45. Die Glut in meinen Eingeweide» Zerriß den Vorsatz und zerfraß Des Schweigens Band in bittren Leiden. Herr, rief ich, meiner Tage Maß Laß mich erkennen, daß ich sehe. Wie kurz die Lebenssrist gestellt. Wie flüchtig ich vorübergehe. Vor deinem Angesicht zerschellt Der Mensch; er ist ein bloßes Sprühen. Ein Nichts, ein Hauch; sein ganzes Sein Ist eitler Wahn; er sät in Mühen — Wer ernten wird, weißt du allein. Was soll ich hoffen, Herr, o sage! Mein ganzes Harren geht auf dich; Von meiner Feinde Hohn und Plage, Von meinen Sünden rette mich! Herr, ich verstumme schon aufs Neue. Du hast dich gegen mich gewandt; Sieh meines Herzens tiefe Reue, Ich schwinde unter deiner Hand. Du willst die Menschenkinder züchtgen Um ihre Schuld, du machst vergehn Ihr höchstes Gut — wer kann beschwichtgen Den Zorn, da sie wie Hauch verwehn? Erhöre meines Grams Beschwerde, Zu meinen Thränen schweige nicht! Ein Fremdling bin ich auf der Erde, Ein Pilger nur, drum zürne nicht. Den Strafblick wende von dem Armen, Vergönne neuen Muts Gewinn, Begnade, Herr, mich in Erbarmen, Bevor ich sterbe, nicht mehr bin! 40. Von David. Dem Herrn gehörte mein Hoffen, Er hat mein Flehn gehört. Er zog aus schlammiger Grube Mich heil und unversehrt. Er festigte meine Schritte, Er stellte aus Fels meinen Fuß, Er lehrte ein neues Lied mich Dem Herrn zu Preis und Gruß. So mancher durfte es schauen Mit Schauern, nun baut er aus Gott — Heil, Heil dem Mann, der vertrauet Dem Herrn Herrn Zebaoth! Herr Herr, du thatest Wunder Und Zeichen für uns zumal; Ich kann nicht alle künden, Zu groß ist ihre Zahl. Du hast ins Herz mir gegraben — Herr Herr, wer ist dir gleich! — Du wolltest Opfer nicht haben, Die machen dich nicht reich. Nun habe ich gezimmert Zu deiner Lehre Schrein Mein Herz, und deine Gebote Trag ich im Herzen drein. 9hm übe ich deine Gebote Zu Wonne mir und Lust, Ich schöpfe deine Lehren Aus meiner eignen Brust. Vor hunderttausend Zeugen Erzähl ich weit und breit — Nicht berg ichs in meinem Herzen Von deiner Gerechtigkeit. Ich künde deiner Gnade Und deiner Treue Lob; Du wirft sie mir bewahren, Die preisend ich erhob. Denn blick ich auf meine Fehle — Ich kann sie nicht übersehn. Sie sind wie Sand am Meere — So bleibt das Herz mir stehn. Laß, Ewger, dir gefallen, Daß du mir Rettung bringst. Daß du, zu Hilfe eilend. Die Feinde niederzwingst. Mach die zu Spott und Schanden, Die meinen Tod gesucht. Beschäme sie und schlage Die Neider in die Flucht! Die mich verlacht, verhöhnet, Entsetzen sei ihr Teil; Doch denen, die dich suchen. Sei Freude, Friede, Heil. Es sollen, die dir vertrauen. Lobsingen: „Gott ist groß!" Mich nimmst du, bin ich elend. Erbarmend in deinen Schoß. Herr, du wirst an mich denken. Mein Hort und mein Gericht, Mein Heil und mein Erlöser, Mein Retter — zaudre nicht! i

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