Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- Israelitische Wochenschrift
- Issue
- 45 (8.11.1901)
- Date
- 1901-11-08
- Page
- Seite 711 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Nr. 45. Israelitische Wochenschrift. Seite 711. Nimmer läßt die Seinen darben Gott, doch seinen Feinden droht, Ob sie auch in lichten Farben Prunken, Untergang und Tod. Ausgetilgt wird ihr Gedächtnis, Not ihr Teil, und Gram und Graus — Doch des Frommen Huldvermächtnis Streuet milde Gaben aus. Seine Schritte hütend leitet Gott auf ihm gefällgem Weg, Wahrt ihn, daß der Fuß nicht gleitet, Hält ihn fest aus steilem Steg. Nimmer sah ich, daß dem Frommen Fehlte Hilfe in der Not, Nimmer habe ich vernommen. Daß die Kinder heischten Brot. Wohlzuthun ist dem beschieden. Der Gerechtigkeit geübt. Der die böse That gemieden Und gerechten Frieden liebt. Frevlerbrut wie Spreu verwehet, Sicher ist des Frommen Zelt; Seiner Weisheit Trachten gehet. Recht zu pflanzen in der Welt. Im Gemüte Gottes Lehre, Schreitet unbesorgt er hin, Daß man seinen Tod begehre, Mord der Frevler hegt im Sinn. Nimmer wird ihn Gott verderben Noch verdammen im Gericht, Und des Heilgen Landes Erben Schaun das Ende ewig nicht. Mancher Frevler üppig trotzte. Spreizte sich mit Hohngeberde, Dehnte sich, gedieh und strotzte Wie der Baum in Muttererde. Aber bald war er verschwunden, Ausgelöscht des Namens Spur. — Frevler werden überwunden, Dauer hat der Fromme nur. Dem Gerechten ist Erretter, Schützer, Helfer in der Not, Schirm in jedem drohnden Wetter Unser Herr Herr Zebaoth! 38. Von David. Wenn du mich strafst — laß ab vom Zorne, Wenn du mich züchtigst — laß vom Grimm! Des Wunden Weheruf vernimm, Mit Stachel triffst du mich und Dorne. Die Sünde setzt den Leib in Flammen, Nichts ist mehr heil, denn allzusehr Ergrimmest du; der Fehle Meer Schlägt über meinem Haupt zusammen. Die tiefste Qual muß ich erdulden. Ich krümme mich in Schmerz und Pein, Die Trauer wohnt mir im Gebein — Zu groß und schwer ist mein Verschulden. Der Brand verzehret meine Glieder, Vom Scheitel abwärts alles wund. An meinem Körper nichts gesund. Und Herz und G^ist liegt ganz darnieder. Herr Herr, du kennest mein Verlangen, Mein Seufzen hörst du, siehst den Schmerz — Die Kraft ist hin, wild schlägt das Herz, Das Licht der Augen ist vergangen. Verwandte selbst und Freunde wenden Voll Graun sich ab und fliehn entsetzt — Die mich voll Haß und List gehetzt, Umringen mich mit giergen Händen. Voll Trug und Hinterlist verschwören Sie gegen meine Seele sich — In Angst und Not verstumme ich. Als könnte ich ihr Wort nicht hören. Ich harre dein, du wirst mich retten! Laß nicht die Feinde mein sich freun, Ihr Prahlen über mich ernenn. Erlöse mich aus ihren Ketten! Ich stehe an des Abgrunds Rande Mit schwachem Fuß, zum Sturz bereit; Es macht mein Fehl, mein größtes Leid, Unfähig mich zum Widerstande. Und meiner Feinde Schar, die Gutes In blindem Haß mir arg vergilt. Die selbst mein redlich Streben schilt, Sie blähet sich voll Uebermutes. Hilf gegen die mir, die mich Haffen, In meiner Not steh du mir bei. Aus aller Drangsal mach mich frei — Du wirst mich, Ewger, nicht verlassen! 39. Von David. Ich sprach: ich will mich sorglich'wahren Vor sündger Rede, und es soll Aus meinem Mund' kein Wort" erfahren Der Frevler, ist^das Herz auch^voll. Vom Guten nicht und nicht vomWösen Hat meine Lippe sich geregt. Und doch mußt ich die Zunge lösen, Zu tief war mir das Herz bewegt.