Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- Israelitische Wochenschrift
- Issue
- 43 (25.10.1901)
- Date
- 1901-10-25
- Page
- Seite 685 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Nr. 43. Israelitische Wochenschrift. Seite 685. das israelitische Landesftift 7868 M., für den Schul- und Pensionssonds 1600 M., für die Centralkasse 47 450 M., wovon 9000 M. für die Gründung VON Lehrlingsheimen. Der durch Steuern zu deckende Betrag beläuft sich aus 45 750 Mark. Es sind erforderlich Vao pro Mille Kapitalrentensteuer, ZU pro Mille Grund- und Gewerbesteuer, 1 pro Mille Einkommensteuer. Wien, 20. Oktober. (Empfang beim Kaiser.) Einer der Rabbiner der hiesigen jüdischen Gemeinde, Dr. Adolf Schmied!, ist dieser Tage vom Kaiser Franz Joseph empfangen worden, dem er für den ihm verliehenen Franz Joseph-Orden seinen Dank abstatten wollte. Kaiser Franz Joseph gab seiner Befriedigung Ausdruck, daß es ihm vergönnt gewesen, einem würdigen Mann eine so reich verdiente Ehrung zu erweisen. Kopenhagen, 20. Oktober. (Kammerpräsident Hermann Trier.) Bei dem Zusammentritt des Folkething, der dänischen zweiten Kammer, ist der jüdische Abgeordnete Hermann Trier einstimmig zum Präsidenten gewählt worden. Es ist dies wohl das erste Mal, daß ein europäisches Parlament einen jüdischen Präsidenten hat. Dem verstorbenen englischen Parlamentsmitglied Sir Julian Goldsmid war seinerzeit von seinen politischen Freunden die Wahl zum Sprecher im Unterhaus angeboten worden, er hat aber das ehrenvolle Amt abgelehnt. Brüssel, 21. Oktober. (Gegen den Antisemitismus.) Trotzdem die jüdische Bevölkerung Belgiens nur 4000 Seelen beträgt, hat sich auch hier die antisemitische Agitation bemerklich gemacht und bereits so viel Boden gewonnen, daß sich ein Komitee zu ihrer Bekämpfung gebildet hat. Dieses Komitee besteht nur aus Christen und führt den Namen „Komitee Marnix zur Verbreitung der Rechts- und Freiheitsgedanken." Den Namen „Marnix" hat der Verein angenommen zur Erinnerung an Marnix de St. Adelgonde, der im 16. Jahrhundert einer der begeistertsten Freiheitskämpfer gegen die Inquisition und die spanische Oberherrschaft gewesen ist. Das Komitee hat kürzlich ein Manifest gegen den Antisemitismus veröffentlicht, das in 300 000 Exemplaren verbreitet worden ist. Rom, 18. Oktober. (Ein jüdischer Gesandter.) Der bisherige Botschaftsrat der italienischen Botschaft in Paris, Cavaliere de Polacco, ist zum italienischen Gesandten in Bulgarien ernannt worden. Die italienische Regierung hat vielfach jüdische Diplomaten in ersten Stellungen verwendet. Gras Hirsche! di Minerbi, der bis vor Kurzem der italienischen Botschaft in London als Botschaftsrat angehörte, hat wiederholt den italienischen Botschafter dort vertreten; Signor Segre war italienischer Gesandter in Lima; der verstorbene Signor Jsacco Artom Gesandter am königlichen Hos in Kopenhagen. Petersburg, 18. Oktober. (Reform der Chedarim.) Der Unterrichtsminister beabsichtigt eine Reform der Chedarim, indem er den Unterricht in der russischen Sprache und im Rechnen in diesen schon bestehenden Schulen eingesührt wünscht. Die Lehrer, die einen neuen Cheder eröffnen wollen, müssen Nachweisen, daß sie die von jedem Elementarlehrer beanspruchten Kenntnisse besitzen und müssen sich verpflichten, die allgemeinen Elementarkenntniffe neben dem Unterricht im Hebräischen ihren Schülern beizubringen. Wilna, 18. Oktober. (Handelsschule.) Die Aufnahmeprüfungen für die neubegründete Handelsschule werden in den nächsten Tagen beginnen. Vorläufig wird nur eine Vorschulklasse und zwei Klassen für vorgeschrittenere Schüler eingerichtet. Jede Klasse nimmt nur 40 Schüler auf, darunter 20 jüdische. Bisher sind schon 550 Aufnahmegesuche an die Schulverwaltung gelangt. Tunis, 18. Oktober. (Jüdische Notare.) Die Institution des jüdischen Notariats in Tunis reicht bis ins zwölfte Jahrhundert zurück. Früher wurden die jüdischen Notare gleich den Oberrabbinern, den Rabbinatsassefforen und den Verwaltungsbeamten der Gemeinden direkt vom Kaid der Juden ernannt. Seit 1898, wo das Amt eines jüdischen Kaid in Tunis abgeschafft wurde, hatte im Bedarfsfall der betreffende Oberrabbiner einen neuen Notar vorzuschlagen. Nunmehr ist die Anstellung neuer jüdischer Notare durch ein Dekret des Bey von Tunis gesetzlich geregelt worden. Dieses Dekret schreibt vor, erstens, daß die Kandidaten für das jüdische Notariat eine regelrechte Prüfung vor einer Kommission zu bestehen haben. Dieser Kommission gehören an: der Oberrabbiner, der Vizepräsident und der Beisitzer des rabbinischen Gerichtshofs und ein vom Premierminister abgeordneter jüdischer Notar. Nachdem diese Prüfung bestanden, muß der Kandidat nach einer weiteren Vorschrift des Dekrets noch eine Spezialprüfung bestehen; erst nach Absolvierung dieses zweiten Examens erhält er die Befugnisse, Ehen zu schließen und zu lösen und die übrigen Amtspflichten zu erfüllen. Sobald eine Vakanz im jüdischen Notariat eintritt, hat der Oberrabbiner der Regierung Anzeige davon zu machen und die Erlaubnis zur Einberufung der Kommission nachzusuchen. _ Personalnachrichten und klerne Mitteilungen. Die Wohlthätigkeitsvereinigung jüdischer Frauen und Mädchen „Judas Töchter" (Vorsitzende: Frau Rabbiner Dr. Eschelbacher) veranstaltetet am Sonntag, 27. Oktober, zum Besten ihrer Unterstützungskasse einen Unterhaltungsabend im großen Saal des Langenbeckhauses Ziegelstraße 10/11. Aus dem reichen Programm erwähnen wir, daß Herr Manuel Schnitzer zwei neue Erzählungen aus dem jüdischen Leben vorlesen wird. Frl. Louise Dumont vom Deutschen Theater wird rezitieren. — Der Verein jüdischer Studenten hält'am 2. November, abends 8‘/2 Uhr, im Tiergartenhof seine Stiftungskneipe. — Die Kaiserin hat der Frau Emilie Mosse, geb. Loewenstein, das silberne Frauenverdienstkreuz am weißen Bande verliehen. — Der kaiserliche Kommerzienrat Wilhelm Naschauer in Wien, Ritter der Eisernen Krone und der französischen Ehrenlegion, ist vor einigen Tagen gestorben. _ Vakanzen. Rügenwalde. Sem. geb. Lehrer, K., Sch., 900—1000 M. Geh. Meld. an Cohn. — Holzminden. Rel.-L., K., Sch., 1200 M. Anfangsgeh. Meld. an Carl Falkenstein. — Wolfenbüttel. Sem. geb. Lehrer, K., Sch., 1200 M. Anfangsgeh. Meld. an Juwelier P. Rosenthal. — Oberlahnstein. Sem. geb.! Lehrer, K., Sch., 1100 M. Geh. Meld. an Elias Landsberg. — ' Greifenberg i. Pomm Kultusb., 1200 M. Geh., 300 M Nebeneink. Meld. an Julius Feldmann. — Rehlingen a. d. Saar. Lehrer und K. Meld. an Meier Alexander. — Hungen, Oberhessen. Rel.-L., K., Sch., 1000 M. Geh., fr. W., 200 M. Nebeneink. Meld. an Heinemann Stern. — Ulm. Sem. geb. Rel.-L. und K., 2400 M. Anfangsgeh. Meld. an Dr. Fried.