Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- Israelitische Wochenschrift
- Issue
- 39 (27.9.1901)
- Date
- 1901-09-27
- Page
- Seite 623 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Nr. 39. Israelitische Wochenschrift. Seite 623. t. London, 22. September. (Jüdische Soldaten.) In der Fortsetzung seines Berichtes an den Kriegsminister macht Feldmarschall Lord Roberts eine weitere Reihe von Soldaten und Civilisten namhaft, die sich im südafrikanischen Krieg ausgezeichnet haben. Darunter sind 21 Juden aller Waffengattungen, auch eine Krankenpflegerin Frl. S. Jewel. t. Newyork, 13. September. (Die Zahl der jüdischen Bevölkerung.) In der Zeit von 1881—1900 sind 811563 Personen aus Rußland nach Amerika eingewandert. Da erst in allerjüngster Zeit russische Christen angesangen haben, an dieser Wanderung teilzunehmen, da ferner viele Juden aus Galizien, Rumänien und anderen Ländern herübergekommen sind, so darf man wohl, ohne sehlzugehen, annehmen, daß in der gedachten Zeit nicht weniger als 811 000 Juden nach Amerika gekommen sind. Vorher gab es hier 150 000 Juden. Die natürliche Vermehrung darf man (niedrig) auf 90 000 schätzen. So ergiebt sich eine jüdische Einwohnerzahl von etwa 1 050 000 für die Vereinigten Staaten von Amerika. Personalnachrichten und kleine Mitteilungen. Am 19. d. starb in Berlin der Fabrikbesitzer Paul Baschwitz, ein Kaufmann von hervorragender Tüchtigkeit. — Der Vorsitzende der türkisch-jüdischen Gemeinde in Wien, Herr Liceo L. Adutt, hat vom Sultan der Türkei in Anerkennung seiner Verdienste um die Gemeinde den Medschidjöorden 3. Klasse erhalten. Vakanzen. Landeshut, Schl. Rel.-L., K., Sch., 2400 TI. Geh. und fr. W. Meld. an Julius Wiener. — Charlottenburg. Rel.-L. und 2. K, Meld. an San.-Rat Dr. Edel, Berlinerstr. 17. — Wal lau bei Wiesbaden. Lehrer, K., Sch. (verh.), 1100 M. Eink., fr. W. Meld. an Moses Schwarzschild I in Massenheim bei Flörsheim a. M. — Riedenburg, Bayern. Sem. geb. Rel.-L., K., Sch. Meld. an Hirsch Hecht. - Ahrweiler. Rel.-L. und K, 500 M. Geh., fr. Station. Meld. an Borst. — Rüsselsheim a. Main. Rel.-L, K., Sch., 900—1100 M. Eink., fr. W Meld. an H. Schott. — Homburg a. M. Sem. geb. Lehrer, K., Sch., 1300 M. Eink. Meld. an Vorst. - Guntersblum. Sem. geb. Rel.-L, K., 9OO M. Geh., fr. W. Meld. an Otto Mann. — Dornheim, Mittelfranken. Rel.-L, K., Sch., 550 M. Geh., 400 M. Rebeneink., fr. W. Meld. an N. Wallfisch. — Schildberg i. Posen. Rabbiner, 1800 M. Geh., 600 M. für hebr. Unterr., 600 M. Rebeneink. Meld an Elkan Levy. Feuilleton, tianliin und Handklsjllde. Eine Erzählung aus dem Leben von Ad. v. Zemilnszky. (Fortsetzung.) „Wahrscheinlich hat er sich aus sein Zimmer zurückgezogen". „Nicht doch, ich ließ ihn bereits dort vergeblich suchen;" „Dann muß ich wohl meine Vermutung aussprechen, die ich so gern zurückgehalten hätte, dann — wird er wohl dort sein, wohin er sich in letzter Zeit sehr oft hinbegiebt." „Und wo ist dies?" > „Außerhalb der Judenstadt, in der Nähe des Rathauses steht ein kleines zweistöckiges Gebäude, dort wird er wahrscheinlich zu finden sein." „Was ist in diesem Haus, das für ihn so große Anziehungskraft besitzt, daß er selbst heute sich durch die Anwesenheit des Fürsten nicht zurückhalten ließ?" „Es ist eine Leidenschaft, der er fröhnt, der er Gesundheit und Glück zum Opfer bringt, eine Leidenschaft gar ernster Natur." „Oh! Sie erschrecken mich." „Es ist der Dämon des Spiels, der ihn immer und immer wieder aus dem elterlichen Haus treibt, um dort in jener Höhle des Lasters das Geld dem Spiel zu opfern, das Geld, das sein Vater unter Sorgen verdient." „Mein Gott! Alphons besucht ein Spielhaus! — gerade was ihm Papa so streng untersagt hat. O! Helsen Sie, Abraham, Helsen Sie, so lange es noch Zeit ist, denn wenn Papa davon erführe, es wäre um den Frieden unseres Hauses geschehen." „Wie soll ich Helsen? Befehlen Sie über mich." „Gut denn, dann eilen Sie, so schnell es Ihnen möglich ist, nach jenem Haus und trachten Sie Alphons von dort zu entfernen, oder ihn doch von einer Thorheit zurückzuhalten, die verderblich für ihn werden könnte." „Ich werde es versuchen, im Fall es nicht schon zu spät sein sollte. Doch wenn Ihr Vater nach mir fragen sollte?" „Dann werde ich ihm sagen, Sie hätten sich entfernt, weil Ihnen unwohl gewesen." „Gut denn, gute Nacht, Sidonie." „Gute Nacht, Abraham." „O! geben Sie mir Ihre Hand zum Abschied, es ist doch so sonderbar, ich glaube, es ist ein Abschied für lange Zeit. . ." „Gott befohlen." Und der junge Mann verließ den Salon. „Hast du Alphons noch immer nicht gesehen", fragte der Bankier wieder, indem er sich eilig näherte. „Noch immer nicht." „Der Fürst entfernt sich sogleich, komm du mit mir." „Wo ist Abraham?" „Er ist nach Haus, da es ihm hier zu heiß geworden." „Sonderbar, ohne mir etwas zu sagen, ich finde dies sehr unpassend, doch jetzt komm." Der Bankier samt Frau und Tochter machten seiner Durchlaucht, die sich soeben verabschiedete, die Honneurs und der Herr des Hauses geleitete den Fürsten zum Wagen. „Morgen wird man von mir in der ganzen Stadt sprechen", sagte der Bankier freudig, während er die Stufen wieder hinausstteg. die zum Festsaal führten. „Doch was ist das, Licht in meinem Kassazimmer? Nur ich und Abraham haben die Schlüssel, sonderbar, was mag er dort wohl suchen, will doch sehen, was das zu bedeuten hat." Der Bankier eilte nach dem Kassazimmer. Die Thür stand offen, das Gemach war beleuchtet, doch niemand befand sich darin. Das Schloß der Kaffatruhe lag am Boden. Bestürzt eilte der Bankier hinzu und der einzige Blick, den er in das Innere that, genügte, um ihn die Gewißheit > zu verschaffen, daß hier ein Einbruch stattgesunden habe.