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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1901-09-27 · 39 (27.9.1901) · p. Seite 620

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
Israelitische Wochenschrift
Issue
39 (27.9.1901)
Date
1901-09-27
Page
Seite 620 (sequence 12)
Language
German
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Seite 620 Israelitische Wochenschrift. Nr. 39. 10. Herr, willst du ewig fern dich halten? Dich in der Zeit der Not verbergen? Der Frevler Uebermut und Tücken Uns Arme hoffnungslos umstricken. Grell tönt der Läfterruf der Schergen, Und schamlos frech die Räuber schalten. „Es ist kein Gott, der straft und rächet!" So schreit ihr Mund, und es gelingt Ihr schnödes Werk den Bösewichten. Kommst du nicht bald, um sie zu richten. So sind wir allzumal umringt Von wüster Schaar, die sich erfrechet. „In mir seht ihr des Glücks Genossen, „Mein ganz Geschlecht, es ist gefeit!" So prahlt der Trotzge, truggewaltig, In Lug und Unheil vielgestaltig; Der Unschuld Blut zum Himmel schreit. Das grausam seine Hand vergossen. Er lauert in des Dickichts Flimmer Auf Opfer. Mit des Löwen Gier Umschleicht er, die die Straße wallen. Und duckt sich, schlägt dann seine Krallen In ihren Leib, und ruft: „Nicht hier „Noch dort ist Gott, er sieht mich nimmer!" Herr, Herr, erhebe deine Rechte! Soll dich der Frevler ewig schmähn? Du duldest, daß er sich erkühnet. Hohnlacht: „es ist kein Gott, der sühnet!" Siehst Kränkung ihn und Unheil sän — Herr, Herr, erbarm dich deiner Knechte! Wir harren, daß es besser werde. Vertrauensvoll, o Herr, auf dich. Du warst von je der Waisen Vater, Bedrängten gütiger Berater; Wohlan — des Frevlers Arm zerbrich. Tilg alle Sünde von der Erde! In Ewigkeit dein Reich bestehet, Du jagst die Heiden aus dem Land, Du siehst der Leidbedrückten Bangen, Du hörst gewährend ihr Verlangen, Du reichst dem Schwachen deine Hand — Und aller Hochmut ist verwehet. Die 33. Iahttsmsaimlimg der israelitische» Khmko«sere»; Heffeus. Am 2. Pfingsttage d. I. fand zu Kassel im Saal des Arbeiter- Fortbildungs-Vereins die 33. Jahresversammlung der israelitischen Lehrerkonferenz Hessens statt. Der Vorsitzende, Kollege Amram- Borkau, eröffnete die Versammlung. In längerer Ausführung gab »r einen Ueberblick über die Lage der Lehrer in den letzten drei Jahrzehnten unter besonderer Berücksichtigung der segensreichen Wirksamkeit der Lehrervereine. In einem mit Begeisterung aufgenommenen Mahnruf an die Lehrer, das Errungene zu schützen und zu hüten, klang die inhaltsreiche Eröffnungsrede aus. Nachdem der Vorsitzende den erschienenen Ehrengästen den ehrerbietigsten Willkommengruß entboten, nahm Herr Landrabbiner Dr. Prager das Wort, um die Konferenz seines und des israelitischen Vorsteheramts Wohlwollens zu versichern und darzuthun, wie die Wirksamkeit des Rabbinen wesentlich gestützt werden könne durch die des Lehrers. Die aus dem Herzen kommenden Worte verfehlten ihren Eindruck nicht, der in lautem Bravoruf zum Ausdruck kam. Herr Synagogenältester C. Plaut überbrachte die Grüße der Synagogengemeinde Kassel. Das Bureau konstituierte sich wie folgt: Kollege Oppenheim- Treysa übernahm die Stellvertretung des Vorsitzenden, während die Unterzeichneten als Schriftführer ihres Amtes zu walten hatten. Der Vorsitzende verlas den Jahresbericht. Dieser berichtete über die Thätigkeit des Ausschusses und teilte mit, daß auf die Eingabe betreffs der Vergütung des Vorsängerdienstes auf Grund des Besoldungsgesetzes noch keine Antwort eingegangen sei. (Inzwischen ist diese nun allerdings in negativem Sinn erfolgt.) Weiter enthielt der Bericht die Mitteilung, daß die neu bearbeitete 4. Auflage unseres Lesebuchs der Königlichen Regierung zur Genehmigung vorgelegt sei. In ehrender Weise gedachte der Bericht der Toten des Jahres, des ehemaligen Kultusministers Dr. Falk und des Geheimrats Dr. Wehrenpsennig, die sich in der Lehrerwelt ein dauerndes Denkmal gesichert und denen die israelitischen Lehrer Hessens besonderen Dank schulden, sowie des Vorsitzenden des D. I. G. B. Geheimrats Dr. Kristeller. Ferner gedachte der Bericht des Heimgangs des emeritierten Kollegen Lion-Friedendorf. Die Versammlung ehrte das Andenken der Verstorbenen in herkömmlicher Weise. Kollege Strauß-Marburg erhielt nun das Wort zu dem Referat: „Inwieweit sind Talmud und Midrasch beim biblischen Geschichtsunterricht zu verwerten?" Der mit viel Fleiß und großer Sachkenntnis ausgearbeitete Vortrag entfesselte einen wahren Beifallssturm. Die gediegene Arbeit soll auch weiteren Kreisen durch Drucklegung zugängig gemacht werden. Außerdem erklärte sich Referent auf Wunsch der Versammlung bereit, ein Kontpendium zu edieren, das eine Auswahl der beim Unterricht verwendbaren Talmud- und Midraschstellen für die Hand des Lehrers enthalten soll. Der Vorsitzende brachte den Dank der Konferenz in. schönen Worten zum Ausdruck. An der sich anschließenden Debatte beteiligten sich neben Herrn Dr. Prager die Kollegen Neuhaus-Guxhagen, Nußbaum-Hersfeld, Perlstein-Godensberg und Rosenstein-Rotenburg. Die Debatte ergab unveränderte Annahme der aufgestellten Leitsätze. — Kollege Oppenheim-Treysa verlas den Kassenbericht, worauf eine kurze Pause eintrat. Nach Wiederaufnahme der Verhandlungen rügte der Vorsitzende die schwache Beteiligung an der diesjährigen Versammlung besonders gerade seitens der in Kassel selbst ansässigen Kollegen. Von ihnen hatte Herr Seminardirektor Dr. Lazarus, der einer Familienfeier wegen auswärts sein mußte, der Versammlung telegraphisch seinen Gruß und freundliche Wünsche ausgesprochen. — Die Versammlung ermächtigte sodann den Ausschuß, die zur Herbeiführung der besonderen Besoldung des Vorsängerdienstes erforderlichen Schritte zu thun. Nachdem der Vorsitzende mit ganz besonderer Freude den trotz amtlicher Abhaltung doch am Nachmittage noch erschienenen langjährigen Ehrengast, Herrn Provinzialrabbiner Dr. Munk-Marburg, begrüßt hatte, erfolgten aus den Reihen der Konferenzmitglieder einige allgemein interessierende Mitteilungen aus dem Berufsleben. Die 34. Jahresversammlung wird in

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