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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1901-09-27 · 39 (27.9.1901) · p. Seite 618

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
Israelitische Wochenschrift
Issue
39 (27.9.1901)
Date
1901-09-27
Page
Seite 618 (sequence 10)
Language
German
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Seite 618. Israelitische Wochenschrift. Nr. 39. 5. Herr, ich bete — du erhöre, Was ich sinne, was ich klage; Gott und König, ich beschwöre Dich mit jedem jungen Tage. Herr, du liebst die Frevler nimmer. Und des Uebermutes Toben Meidet deines Lichtes Schimmer, Ist verbannt vom Himmel droben. Tilgst Gewaltthat, Lügenworte, Hassest Trug. Doch deinem Knechte Gönnest du, am Heilgen Orte Aufzuheben seine Rechte. Leite mich in deiner Gnade Ausrecht durch der Feinde Rotten, Daß ich sei auf rechtem Pfade, Widersacher mein nicht spotten. Ihres Mundes Rede heuchelt. Atmet Gift aus ihrer Seele, Ihre Zunge trügrisch schmeichelt, Offnes Grab ist ihre Kehle. Durch den eignen Anschlag lasse, Herr, sie fallen ins Verderben! Die in sreveligem Hasse Dich gelästert, sollen sterben! Doch die Frommen, die da wallen Treu zu dir und deinem Frieden, Ihnen sei aus deinen Hallen Freude, Heil und Schutz beschieden. 6. Wenn du mich strafst — laß ab vom Zorn! Wenn du mich züchtigst — laß vom Grimme! Erhöre meines Flehens Stimme Und öffne deiner Gnade Born! Es welkt vor Kummer mein Gebein, Im tiefsten Herzen ist mir bange — Allgütiger, du weißt, wie lange — Du kannst mich heilen, du allein! Ich krümme mich in Qual und Pein. Vernimm in Gnaden meine Klage, Daß meine Seele nicht verzage, Allgütger, schenke mir Verzeihn! Herr, neige mir dein Angesicht! Bin ich dem Tode erst verfallen. Umfassen mich der Hölle Krallen, Ist Trost und Hoffnung ganz zu Nicht. Vor Gram ist mir das Auge matt; Die Tage bring ich hin mit Stöhnen, Mein nächtlich Lager schwimmt von Thränen, Ich bin des Jammers übersatt. Mein Rufen hat der Herr gehört, Er hat mein Flehen angenommen, Läßt meine Bitten vor sich kommen. Das heiße Sehnen wird gewährt. Sei ewig drum gebenedeit! Der Feind vernimmts und ist vernichtet. — Herr Herr, du bist's, der ihn gerichtet, Herr Herr, du bist's, der mich befreit. 7. Zu dir, mein Gott, bin ich geflohen, Du hilfst, wenn auch die Dränger grollen, Die mich mit Löwenwut bedrohen. Zerfleischen und zermalmen wollen. Wenn meine Hände Unrecht übten. Wenn arger Sinn in mir gesiegt. Und wenn ich denen, die mich liebten. Undankbar Böses zugesügt — So kommt, ihr Feinde meiner Seele, Wälzt meine Ehre in den Staub! Ich sühne dann nur meine Fehle Und zahle Buße für den Raub. Doch habe ich dem argen Hasser, Der ganz in meine Hand gegeben — Es stand ihm bis zum Hals das Wasser — Gerettet das bedrohte Leben. Erscheine, Herr, im Zornesblitze, Den Feinden zeige dich im Grimme, Versammle sie vor deinem Sitze Und donnre mit des Richters Stimme! Dann richte uns, die wir dich riesen, Die Frommen wähle du dir aus. Dann magst du Herz und Nieren prüfen, Und alle Bosheit tilge aus! Mein Schild ist Gott; er hilft dem Frommen, Dem Frevler einzig ist er strenge; Die reu'gen Herzens zu ihm kommen. Erlöst er gern aus Qual und Enge. Doch wer verstockt sich von ihm wendet, Für den ist schon das Schwert gewetzt, Der scharfe Pfeil, der Tod entsendet. Ist aus den Bogen schon gesetzt. Sein blinder Geist muß irre wandern,. Sein böser Anschlag, er zerschellt, Und in die Grube, die er Andern Gegraben hat, er selber fällt. Das Unheil, das er ausgesonnen. Stürzt auf sein eignes Haupt herab, Der Frevel, den er ausgesponnen. Bereitet ihm ein frühes Grab.

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