Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- Israelitische Wochenschrift
- Issue
- 32 (9.8.1901)
- Date
- 1901-08-09
- Page
- Seite 508 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Seite 508 Israelitische Wochenschrift. Nr. 32. wegen Platzmangels in den Korridoren stehen, harrten aber bis zu Ende aus und bekundeten so das Interesse für diese Anstalt. Nach der üblichen Thora-Vorlesung, bei der viele Gaben gespendet wurden, hielt Herr Rabbiner Dr. Goldschmidt eine Festrede, die durch ihren warmen Ton, ihre schlichte, edle Sprache die Zuhörer begeisterte. Ausgehend vom Bibelvers 5 M. 8, 2—4, sprach der Redner über die Heimsuchungen und Leiden, die Gott über die Menschen verhängt, um sie zu prüfen und zu läutern, ging dann zu der leidenden Menschheit über, die die Bäder und Kurorte aussucht, um daselbst Heilung zu finden und die Lebenskräfte zu restaurieren. Der Mensch aber, so fuhr der Redner fort, verdiene nur dann den Ehrennamen „Mensch", wenn er nicht nur für sich lebt, nicht nur an sich und seine Angehörigen denkt, für seine Gesundheit blos sorgt, sondern auch für den Nächsten ein warm fühlendes Herz besitzt und auf das Wohl der Nebenmenschen bedacht ist. Die Nächstenliebe, dieses erhabene Himmelsgeschenk, das der Allvater in das Menschenherz gesenkt, sei das bestimmende Erkennungszeichen eines wahren Menschen, das seinem Leben eine höhere Weihe und einen edleren Gehalt verleihe. Dieser hehren Tugend, die in Israels Mitte von jeher heimisch war, verdankt auch das, jüdische Kurhospital seine Entstehung und Entwickelung. Aüs kleinen Anfängen hervorgegangen, habe es sich durch die Dpfersreudigkeit und Mildthätigkeit wahrer Menschenfreunde >ru einer imposanten und segenbringenden Anstalt entwickelt, die schon jetzt im Laufe der Sommermonate 400 Kuraäste und Heiliuckende beherbergen könne. Mit zwölf Betten habe die Anstalt begonnen, und jetzt besitzt sie hundert. Aber trotz dieses günstigen Resultates dürfen die Verwaltungsorgane, sowie die Gönner und Wohlthäter der Anstalt in ihrem heiligen Eifer nicht erlahmen, da das Grundvermögen nur ungefähr einen Ertrag von 3000 Mark jährlich bringt, während die Unterhaltungskosten für die vielen Pfleglinge ungefähr auf 24000 Mark sich belaufen, somit die Anstalt überwiegend aus die laufenden Beiträge und Spenden angewiesen sei. Mit einer Seelenfeter für die verstorbenen Gönner der Anstalt, sowie mit der Namhaftmachung der im Lauf des Jahres gestifteten Legate und Zuwendungen schloß die schöne Rede. In dem gesanglichen Teil hat sich Herr Konzertsänger Sobolski aus Berlin seiner nicht leichten Aufgabe rühmenswert entledigt. Durch diese schöne Feier angeregt, besichtigte ich hieraus unter der liebenswürdigen Führung des Herrn Rabbiners Dr. Goldschmidt eingehend die Anstalt: den Speisesaal, die Schlaf- und Baderäume. Wie gern würde ich über all das Schöne und Nützliche in diesem Institut ausführlich berichten, allein ich glaube, daß meine Worte viel zu schwach sein würden, um all die herrlichen Eindrücke getreu zu schildern, die ich hier empfangen habe. Ich möchte daher einem jeden Menschenfreunde, der für Werke der Nächstenliebe Interesse und Verständnis hat, empfehlen, diese heilsame Anstalt selbst zu besuchen; er wird sicherlich für seine kleine Mühe reichlich belohnt werden. Köln, 4. August. (Vom rheinischen Rabbinerverband.) Die diesjährige Generalversammlung des rheinischen Rabbinerverbandes hat am Sonntag, 21. Juli, hier stattgefunden. Es waren erschienen die Herren Auerbach-Elberseld, David-Düsseldorf, Frank-Köln, Grabowsky-Barmen, Jaulus-Aachen, Rosenthal-Köln, Samuel-Essen. Der zeitige Vorsitzende Frank-Köln eröffnete um 37a Uhr nachmittags die Sitzung. Vor Eintritt in die Tagesordnung gedenkt er in pietätvollen Worten der im Lauf des Jahres verstorbenen Mitglieder des Verbandes, Singer-Koblenz und Cohn-Bonn seligen Andenkens; die Versammlung ehrt durch Erheben von den Sitzen das Andenken der Dahingeschiedenen. Der bisherige Schriftführer Samuel-Essen verliest das Protokoll der vorjährigen Generalversammlung, das genehmigt wird. Zu Punkt 1 der Tagesordnung (Berichterstattung und Rechnungsablegung des Vorsitzenden) berichtet der Vorsitzende u.a. über seine Teilnahme an den Ausschußfitzungen des Provinzialverbandes rheinischer Synagogengemeinden und des deutschen Rabbinerverbandes, sowie an der jüngsten Konferenz der jüdischen Lehrer Rheinlands und Westfalens in Bonn. An den Bericht schließt sich eine kurze Besprechung; die Rechnung wird gutgeheißen. — Darauf wurde zur Neubildung des Vorstands geschritten: turnusgemäß übernahm Jaulus-Aachen das Amt des Vorsitzenden, Frank-Köln das des Stellvertreters; zum Schriftführer wird Rosenthal-Köln gewählt. — Zu Punkt 3, Relikten- und Pensionskasse der Rabbiner Preußens, berichtet Rosenthal-Köln über seine bisherige Thätigkeit in dieser Richtung, hält die Schwierigkeiten für nicht zu groß, und empfiehlt warm, sich der Angelegenheit mit allem Eifer zu widmen. Nachdem alle Kollegen ihre Meinung, besonders über den Modus des persönlichen Sammelns, geäußert, gelangt folgende Resolution zur Annahme: „Der rheinische Rabbineroerband nimmt Kenntnis von den Mitteilungen einzelner Mitglieder über ihre bisherigen Bemühungen für die zu gründende Relikten- und Pensionskasse der Rabbiner Preußens und beschließt, jedem einzelnen Mitglied zu überlassen, wie es sich in dieser Angelegenheit zu bethätigen gedenkt. Gleichzeitig beauftragt der rheinische Rabbinerverband seinen Vorsitzenden, in der demnächstigen Ausschußsitzung des Provinzialverbands rheinischer Synagogengemeinden für diese Angelegenheit nach Möglichkeit Interesse zu erwecken". — Zum letzten Punkt der Tagesordnung (Eventuelle Anträge) hatte David- Düsseldorf die Besprechung des Fürsorge-Gesetzes beantragt. Er verbreitet sich aus Grund eines in Düsseldorf vorliegenden Falles hauptsächlich über die Fürsorge für schulentwachsene Mädchen. Nach eingehender Diskussion wird eine Resolution des Inhalts genehmigt, daß „der rheinische Rabbinerverband von den Mitteilungen einzelner Mitglieder hinsichtlich des Fürsorgegesetzes Kenntnis nimmt und seinen Vorsitzenden beauftragt, im Sinn dieser Mitteilungen bei der Ausschußsitzung des Provinzialverbands rheinischer Synagogengemeinden Bericht zu erstatten, mit besonderem Hinweis aus die Notwendigkeit, für ältere weibliche Zöglinge jüdischen Glaubens Unterkunstsstätten zu beschaffen". — Nachdem dem bisherigen Vorstand, besonders Kollegen Samuel-Essen, der seit Bestehen des Verbandes die Geschäfte des Schriftführers mit Eifer und Umsicht verwaltet hat, durch den nunmehrigen Vorsitzenden Jaulus-Aachen der gebührende Dank abgestattet war, wurde die Sitzung gegen 77» Uhr abends geschlossen. Brüssel, 5. August. (Frau Montefiore Levi.) Am letzten Dienstag ist hier Frau Montefiore Levi zu Grabe getragen worden, die aus ihrem Schloß Rond Chene ziemlich