Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- Israelitische Wochenschrift
- Issue
- 31 (2.8.1901)
- Date
- 1901-08-02
- Page
- Seite 494 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Seite 494. Israelitische Wochenschrift. Nr. 31. lingen b. Frankfurt a. M. Lehrer, K., Sch., 600 M. Geh., 600— 700 M. Nebeneink. Für Unverh. Wohn, im Gmdehs. Meld. an I. Stern. — Bärwalde i. Pom. Lehrer, K., Sch., 800 M. Geh., 300 M. Nebeneink. Meld. an S. Lewinberg. — Cal lies i. Pom. Rel.-L.,K, Sch., 1050 M. Geh., 150 M. gar. Nebeneink. Meld. a. David Salinger. - Ritschenwalde, Posen. K., Balk., Sch., 900 M. Geh., 100 M. Nebeneink. Meld. an H. Jtzig. — Wiesbaden. Pred. u. K. zu hoh. Feiert. Meld. an Simon Heß. — Vandsburg. Rel.-L., K., Balk., Sch., 1000 M.Geh., 400 M. Nebeneink. Meld. an Arndt. — Ar genau. Rel.-L. und K., 1350 M. Geh., fr. W., 300 M. Nebeneink. Meld. an Jacob Schrubski. — Adelsdors a. Aisch in Unterfranken. Sem. geb. Rel.-L., K., Sch., 800 M. Geh., 600—700 M. Nebeneink. Meld. an Jacob Strauß. — Neuenburg, W.-Pr. K., Balk., Sch., 1800 M. Geh. Meld. an Vorst. — Wonfurt b. Haßfurt. Rel.-L., K., Sch. (ledig), 560 M. Geh., 400 M. Nebeneink., fr. W. Meld. an Michael Mahler. Berlinchen. Rel.-L., K., Balk., Sch., 1200 M. Geh., 200 M. Nebeneink. Meld. an Rieß. Busendorf, Lothr. K. und Sch., 1600—2000 M. Eink. Meld. an Jacob Bloch. — Christburg, Westpr. K. und Sch., 1500 M. Geh., 200 M. gar. Nebeneink. Meld. an Vorst. — Christburg, Westpr. Vorb. für hohe Feiert., 100 M. u. fr. Stat. Meld. an Vorst. — Schweinshaupten. Lehrer, K., Sch., 1000—1100 M. Eink. Meld. an Julius Seitenbach. — Karlstadt a. M. Rel.-L., K., Sch., 600 M. Geh., 200—300 M. Nebeneink. Meld. an H. Schmidt. — Saarlouis. Hilfsk. für hohe Feiert. Meld. an I. Lazard. — Bützow i. Meckl. Lehrer, K., Sch. Meld. an I. Engel. — Stuhm (Westpr.) Rel.-L., K., Sch., 1200—1300 M. Eink. Meld. an Vorst. — Heilbronn, Württ. Sem. geb. 2. Lehrer, K., Sch., 1200 M. Anfangsgeh. Meld. an Vorst. — Königshütte O.-S. K., Anfangsgeh. 3000 M. Meld. an Vorst. — Charlottenburg. K. für hohe Feiert. Schrift!. Meld. an I. Raczinski, Berlinerstr. 68. — Wangerin. K. und Sch., 1200 M. Eink. Meld. an Vorst. — Geisa. Sch., 700 M. Eink. Meld. an Lehrer Goldschmidt. — Staßfurt. Rel.-L., K.. Sch. (verh.), 1400 M. Geh., 100 M. Nebeneink. Meld. an Hermann Kraft. — Ober-Ramstadt. Sem. geb. Lehrer, K., Sch., 800 M. Geh., 400 M. Nebeneink. Meld. an Jos. Wartensleben. — Boppard. Sem. geb. Rel.-L., K., Sch., 800 M. Geh., fr. W. Meld. an S. Haas. Feuilleton. Die Chmre-Zudr. Ein Ghettobild. Von Moritz Steinhardt-Berlin. Alle drei Jahre feierte die „Ehewre-Kadischah" ihr Stiftungsfest in besonderer Weise. Es wurden neue Mitglieder angeworben, und diese wurden bei fröhlichem Festgelage feierlich in die Reihen der Auserlesenen ausgenommen. Das Mahl wurde im „Beth-Hamidrasch" abgehalten und währte stets bis zum Morgen des nächsten Tages. Am „Sude"-Tage ging es schon frühzeitig recht lebhaft in der Gasse her, alles rüstete sich zu dem feierlichen Fest. Die Mitglieder des menschenfreundlichen Vereins trugen alle, Mann für Mann, zum Gelingen des Festes bei. Der Krämer lieferte den Zucker und Kaffee unentgeltlich, der Bäcker seinen besten Kuchen, der Weinhändler seinen ältesten Wein, und der Glaser lieh die Geschirre, die er am Lager hatte. Der Zeughändler sandte schwarze und weiße Stoffe, die zur Ausschmückung des Beth-Hamidrasch und des Feftwagens dienten, denn das Fest stand im Zeichen des düsteren Todes, daher man nur dessen symbolische Farben verwendete. Wer über keinerlei Waren verfügte, der trug sein Scherflein in barer Münze bei. Der Hauptsaktor dieses Tages aber war „Leeb der Haas", so genannt, weil er furchtsam wie ein Hase war. Leeb kannte seinen Spottnamen, doch wehe dem, der ihn ihm zurtef. Wie konnte man sich eine Chewre-Sude ohne Leeb vorstellen! War er doch der Darsteller des rauhen Todes, trotz seiner angeblichen Furchtsamkeit. Am Morgen des großen Tages nahm Leeb schon die düstere Stimme des Sensenmannes an, so ernst war es ihm mit seiner Rolle. x Mittags fand stets der feierliche Umzug durch die Gaffe statt, doch Leeb lies schon den ganzen Vormittag in seinem Leichenkostüm umher, das aus einem alten abgetragenen Jom- Kippur-Mantel und der dazu gehörigen weißen Mütze bestand. Dieses Kostüm wurde nur durch eine schwarzweiße Schärpe ergänzt. Den Festwagen bildete der Wafferwagen der Gemeinde, auf dem eine mächtige Tonne ruhte, mit schwarzem und weißem Papier beklebt; der ganze Wagen war in diese Farben gehüllt, an seinen Seiten waren Spaten und Hacken als Werkzeuge des Totengräbers befestigt, um die Thätigkeit des „Chewre-Kadischah" zu kennzeichnen. Der Mittag nahte, Leeb setzte sich aus den Wagen neben den Kutscher, der, in schlichtes Schwarz gekleidet, die mit schwarzweißem Flitter behangenen Pferde lenkte. Da saß Leeb nun, einem König gleich auf seinem Thron, mit einer mächtigen Sense in der Rechten; stolz blickte er von seinem Sitz herab; wer war ihm jetzt gleich! Der Zug setzte sich in Bewegung, rechts und links vom Wagen schritten ernst und gemessen die Chewre-Männer, brennende Kerzen in der Hand tragend. Dem Wagen folgten die Gemeindemitglieder. Hinter diesen hatte sich die goldene Jugend eingesunden, der der Ernst des Tages so ganz und gar nicht eingehen wollte. Die Jungen verbissen ihr Lachen, als sie Leeb so hoch thronen sahen. So war der ernste und würdige Zug bis in die Mitte der Gaffe gelangt. In Leebs starrem Antlitz und der würdigen Miene, die er angenommen hatte, spiegelte sich die Majestät des Todes, lautlos bewegte sich der Zug. Da plötzlich ertönt aus der Menge der spottende Rus „Leeb Haas! Leeb Haas!" — Als Leeb diesen Rus vernommen, erbebte er am ganzen Körper, die Sense in seiner Hand erzitterte und Leeb drohte von seinem Sitz zu stürzen, eine solche Wut hatte sich seiner bemächtigt. Die Stille wurde durch ein wirres Durcheinander unterbrochen, das aber bald verstummte, denn das wachsame Auge des Gesetzes hatte den Frevler bald entdeckt, und mit sicherer Hand entfernte „Schmul der Wächter" den Miffethäter. Dies wirkte beruhigend aus Leeb. Er nahm wieder seine düstere, majestätsvolle Miene an, der Zug erreichte ohne weitere Hindernisse das Beth-Hamidrasch. Dort erwartete der Chewre-Gabbe den Zug und begrüßte die Angekommenen. Leeb stieg von seinem Sitz herab und meldete dem Vorsteher, die Sense vorschriftsmäßig präsentierend, das Vorgesallene. „Du hast aber deine Sache wie immer gut gemacht, Leeb!" waren die beschwichtigenden Worte des Vorstehers. Stolz über die Anerkennung wandte sich Leeb befehlenden Tones