Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- Israelitische Wochenschrift
- Issue
- 31 (2.8.1901)
- Date
- 1901-08-02
- Page
- Seite 492 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Seite 492. Israelitische Wochenschrift. Nr. 31. Lettern, die einem Sachverständigen zur Entzifferung übergeben worden sind. Berlin, 28. Juli. (Vom jüdischen Krankenhaus.) Als die älteste Berliner Krankenanstalt darf das Krankenhaus der jüdischen Gemeinde gelten, das jetzt aus ein Alter von 200 Jahren zurückblicken kann. Seine Entstehung verdankt es der Vereinigung „Bickur Cholim", die im Jahr 1701 begründet wurde. Ursprünglich befand sich das Krankenhaus in der jetzt verschwundenen „Schmalen Gasse" an der alten Berliner Stadtmauer in der Nähe des Pulverturms zwischen der heutigen Rosen- und der Klosterstraße. Im Jahr 1754 siedelte das Krankenhaus in die Gebäude Oranienburgerstraße 7 und 8 über. In den Jahren 1861 bis 1862 wurde dann das jetzige große jüdische Krankenhaus in der Auguststraße 14,15,16 erbaut. Leider steht das jüdische Krankenhaus nur nach den Jahren an der Spitze der ähnlichen Institute Berlins. Frankfurt a. M., 29. Juli. (Testament des Baron Willy von Rothschild.)^ Aus dem Testament des Baron Willy von Rothschild erfahren wir, daß der Verstorbene dem hiesigen Verein zur Unterstützung fremder kranker Juden 2 000 000 Mark hinterlassen hat. ° Dieser Verein ist seinerzeit vom Baron Rothschild zum Andenken an seine Tochter Georgine Sara begründet worden. Die Israelitische Religionsgeseüschast erhält 200 000 Mk., deren Zinsen am Todestag des Erblassers und am Todestag seiner Frau an arme Juden guter Aufführung zu verteilen sind. An jeder Jahrzeit soll in einem seiner Häuser Minjan von zehn frommen Juden abgehalten werden, deren jeder dafür 30 Mark erhalten soll. Die hiesige jüdische Gemeinde erhält zwei Häuser, die zu Wohlfahrtszwecken verwendet werden sollen. Seiner Witwe vermacht Baron Willy 1 500 000 Mk. bckr, eine Jahresrente von 250 000 Mk., den Gebrauch seines Hauses in der Bockeuheimer Landstraße 6, der Landhäuser in Hemsbach und in Königstein und der Grüneburg nebst 48 000 Mk. jährlich für deren Unterhalt, die Hauseinrichtungen und Juwelen. Von ihrer Mitgift sind der Baronin 514 285 Mk. zurückzuerstatten nebst der gleichen Summe aus dem Nachlaß des Barons. Den Rest der Hinterlassenschaft erhalten zu gleichen Teilen die beiden Töchter des Verstorbenen Baronin Adelheid von Rothschild in Paris und Frau Minna Caroline Goldschmidt in Frankfurt. Frankfurt a. M., 30. Juli. (Neues Hospital in Jerusalem.) Das neue Hospital Schaare Zedek in Jerusalem ist sertiggestellt und soll gleich nach dem Laubhüttensest eröffnet werden. Wie verlautet, werden sich einige Herren des Centralkomitees und andere zur Eröffnungsfeier nach Jerusalem begeben. Es dürste weitere Kreise interessieren, daß bereits einige Zimmer und Betten gestiftet sind; weitere Stiftungen werden entgegengenommen. Als Minimum ist für ein 6 Betten Raum gewährendes Krankenzimmer M. 10000, für ein 2 Betten Raum gewährendes Krankenzimmer M. 6000, für 1 Freibett M. 5000 festgesetzt. Zur Bekundung einer solchen Leistung wird eine Marmortafel über dem Eingang des betreffenden Zimmers bezw. über dem betreffenden Bett angebracht, aus der die Namen der Wohlthäter verzeichnet werden. — Für die Einzeichnung aus einer Gedenktafel im Hospital sind Nt. 2000 zu erlegen. Zu jeder weiteren Auskunft ist der Schriftführer des Centralkomitees, Herr Dr. Jsr. Roos, Schöne Aussicht 5, bereit. London, 28. Juli. (Eine neue jüdische Gemeinde.) Das Städtchen Walthamstow hat unter seinen Bürgern und in der nächsten Umgebung ungefähr hundert jüdische Familien, die kein gemeinsames Gotteshaus besitzen und keine Gemeinde bilden. Während der letzten drei Jahre hatte das jüdische Siechenheim mit seinen Patienten die Sommermonate in Walthamstow zugebracht und während dieser Zeit die jüdischen Einwohner des Distrikts gern zu seinem eigenen Gottesdienst zugelassen. In diesem Jahr hat das jüdische Siechenheim sein neues Gebäude mit schönem Garten bezogen, das einen besonderen Sommerausenthalt seiner Insassen überflüssig macht, und die Juden von Walthamstow haben gar keinen Gottesdienst mehr. Einige von ihnen haben sich nun znsammengethan, um eine Gemeinde zu bilden und den Bau einer Synagoge zu ermöglichen. In der zu diesem Zweck einberufenen Versammlung wurde ein Komitee gewählt, die Bildung einer Gemeinde beschlossen und zwanzig Herren händigten dem neugewählten Schatzmeister sofort Geldbeträge ein, die den Anfangssonds für den Bau einer Synagoge bilden sollen. Konstantinopel, 28. Juli. (Jüdisches Krankenhaus.) Das kürzlich hier am Goldnen Horn neu erbaute jüdische Krankenhaus Or Aha'tm hat eine interessante Vorgeschichte. Im Jahr 1884 hatte sich hier unter der Führung des Dr. Dalmedico ein Komitee von jungen Leuten gebildet, die ein jüdisches Krankenhaus gründen wollten. Natürlich hatten sie kein Geld und erst nach Ablauf eines Jahres waren 1000 Frcs. aufgetrieben. In Galata, dem meist von Juden bewohnten Viertel, wurde ein Haus gemietet, in dem Kranke verpflegt werden sollten; aber die Armen selbst, denen die Einrichtung zu Gute kommen sollte, waren so unwissend und rückständig, daß sie ihren Wohlthätern alle Schwierigkeiten machten. Unentmutigt aber arbeitete das Komitee weiter. Herr Juda Levy nahm sich der energischen menschenfreundlichen jungen Leute an und stiftete sechs Betten für das Krankenhaus; einige andere wohlthätige Gemeindemitglieder folgten dem guten Beispiel. Ein neues Komitee bildete sich aus den Herren Dr. Dalmedico, Dr. Mandil, Riza, Juda Levy, Robert Levy und dem jetzt verstorbenen Elia Souhami. Der von ihnen arrangierte Ball brachte nur 400 L. St. (türkisch) ein, so daß man auf den Einfall kam, in jüdischen Privathäusern kleine Sammelbüchsen auszustellen. Diese sind noch jetzt in jedem jüdischen Haus zu finden und liefern die Haupteinuahmen des Krankenhauses. Als nach vier Jahren endlich 1200 L. St. gesammelt waren und ein eigenes Haus für das Hospital erworben wurde, beschwerten sich einige in der Nähe wohnende vornehme Türken über die unbequeme Nachbarschaft und brachten es sogar dahin, daß der seinerzeit als Militärarzt fungierende Dr. Dalmedico vor ein Kriegsgericht gestellt wurde. Nach seiner Freisprechung dehnte Dr. Dalmedico den Kreis der unentgeltlichen ärztlichen Behandlung noch weiter aus und vermehrte die Zahl der Betten. Als der Geldbedarf des Krankenhauses größer wurde, erhielt das Komitee vom Baron Hirsch erst 5000 Frcs. und danach sämtliche erforderlichen chirurgischen Instrumente. Auch der damalige Präsident der Alliance Jsraelite, S. H. Goldschmidt schickte der Anstalt