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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1901-08-02 · 31 (2.8.1901) · p. Seite 489

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
Israelitische Wochenschrift
Issue
31 (2.8.1901)
Date
1901-08-02
Page
Seite 489 (sequence 9)
Language
German
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Nr. 31. Israelitische Wochenschrift. Seite 489. finden. Immer wird sein eigenes Nachdenken und Nachprüsen ihm erst die eigentliche Berechtigung solcher Aufgaben beweisen müssen. Im steten Selbstringen zum sicheren Ziel liegt aber allein die Kraft und die Zuversicht unseres Gelingens. Darin wollen wir in Ostpreußen es niemals fehlen lassen. — Der Vortrag wurde mit begeistertem Beifall ausgenommen. Die Versammlung trat dann in eine kurze Pause, um das eben Gehörte um so nachhaltiger auf sich wirken zu lassen. — Danach erstattete Herr Waisenhaus-Inspektor Peritz in Vertretung des plötzlich behinderten Kassierers, Herrn Oberkantor Birnbaum, den Kassenbericht. Die Kasse wies ein kleines Defizit auf, das aber voraussichtlich durch die ausstehenden Beiträge noch gedeckt werden dürfte. Herr Prediger Sturmann-Osterode hielt daraus das vom Verband zur allgemeinen Erörterung aufgegebene Referat über das Thema: „Soll die systematische Religionslehrx in der Volks- und Religionsschule als besonderer Unterrichtsgegenstand behandelt werden?" Der Vortragende schloß seine trefflichen Ausführungen an folgende leitenden Fragen. Was ist unter systematischer Religionslehre zu verstehen? Hat es einen systematischen Unterricht von jeher in Israel gegeben, oder ist er für unsere Volks- und Reltgionsschulen erst neu entstanden? Wenn letzteres der Fall ist, wann und wieso? Hat sich dieser Unterricht an unserer Jugend bewährt? Ist es durchaus notwendig, diesen Unterrichts - Gegenstand beizubehalten, oder sprechen Gründe dafür, ihn ganz oder teilweise zu beseitigen? Wenn beibehalten, wann mit ihm beginnen? — Das Resume seiner trefflichen, vom Geiste aufmerksamer, praktischer Schulthätigkeit getragenen Erörterungen bildeten folgende, nach einer ausgedehnten Debatte angenommenen Leitsätze: 1. Das Ideal der Religionsbelehrung wäre, die religiöse Kenntnis aus unfern heiligen hebräischen Urschriften schöpfen zu lassen; aber mancherlei Zweckmäßigkeitsgründe, Mangel an Zeit, mangelndes Interesse der Eltern, Ueberbürdung der Schüler u. a. machen dies vorläufig unmöglich. 2. Die Frage: „Soll die systematische Religionslehre in der Volks- und Religionsschule als besonderer Lehrgegenstand behandelt werden?" kann immer nur nach Lage der Verhältnisse in den einzelnen Schulen zutreffend beantwortet werden. 3. Die systematische Religionslehre, als besonderer Lehrgegenstand, dient zur systematischen Zusammenfassung der im allgemeinen Religionsunterricht (Biblische Geschichts-, Siddur- und Bibel-Unterricht) gewonnenen Lehrstoffe, die dadurch in ihrem inneren Zusammenhang mit einander und als geschlossenes Ganze erkannt und in solcher Betrachtung zur Abrundung, Festigung und Läuterung der Glaubenserkenntnis helfen sollen. 4. Da die vorhandenen Lehrbücher für systematischen Religionsunterricht für elementare Zwecke alle mit mehr oder minder großen Mängeln behaftet sind, muß der unterrichtende Lehrer das seinem Unterricht zu Grunde gelegte Lehrbuch stets mit Vorsicht und Geschick gebrauchen. Im Anschluß an den letzten Punkt der Resolution beauftragte die Versammlung den Vereinsvorstand, in Verbindung mit geeigneten Mitgliedern des Vereins unter den vorhandenen Lehrbüchern für systematische Religionslehre ein den Bedürfnissen und Zwecken unserer einfachen Religionsschule am meisten entsprechendes auszuwählen und für die Mitglieder des Vereins zur allgemeinen Empfehlung zu bringen. Den nächsten Gegenstand der Tagesordnung bildete der Vortrag des Herrn Waisenhaus-Inspektor Peritz-Königsberg über das Thema „Zur Geschichte der Verbands-Pensionskasse. Der Vortragende suchte dabei den Anteil des ostpreußischen Vereins an der Gestaltung der Verbands - Kasse darzuftellen. Die Ostpreußen gehörten zu den Ersten, die sich an der Förderung des Kassenwerkes des Verbandes, das eine grundlegende Besserung der gesamten Versorgungs-Verhältnisse der jüdischen Lehrerschaft bezwecken sollte, beteiligt haben. In dem Jahresbericht des Verbands-Vorstandes von 1897 wurde dem Referenten für seine im Namen des Vereins geübte Mitarbeiterschaft an den Vorarbeiten des Kassenwerkes öffentlich eine Anerkennung ausgesprochen. Auch nachdem sachliche Differenzpunkte über die vorauszusehende Wirkungsweise der neuen Kasse den ostpreußischen Verein in eine gegnerische Stellung zu den Vertretern des offiziellen Planes gebracht, haben wir nicht ausgehört, für die Förderung des Gedankens einer großen einheitlichen Aktion aller Versorgungsstrebungen zu Gunsten jüdischer Lehrer zu wirken. Die Herausgabe der „Statistischen Uebersicht über das gesamte Versorgungskassenwesen der jüdischen Lehrerschaft" durch den Vortragenden, ein Werk, das zum ersten Male die Möglichkeit eines Ueberblicks über das Ganze unsres Versorgungswesens gewährte und Perspektiven eröffnete für eine gemeinsame Thätigkeit aller Kassen zu einheitlichen, von Allgemein - Interessen geleiteten Zielen, wurde von der gesamten Lehrerschaft als ein äußerst nützliches Unternehmen bezeichnet und in seinen objektivinstruktiven Zwecken voll anerkannt. Der Kamps um die rechtmäßige Behandlung unsrer Abänderungs-Anträge zu dem Statut der V. P. K. hat zwar die eigentlichen Absichten unsrer bezüglichen Bestrebungen in der Auffassung der Lehrerschaft zuletzt offenbar etwas verdunkelt und entstellt, aber es ist doch zu hoffen, daß bei eintretender Beruhigung eine gerechte Beurteilung derselben Platz greisen und vor allem ihre gemeinfördernde Tendenz wieder zur allgemeinen Anerkennung kommen werde. Von der Gewinnung dieses Zustandes hängt im wesentlichen der Erfolg unsrer Bestrebung aus dem nächsten Delegiertentage ab, dessen Entscheidung über unsre Anträge wir für uns selbst mit der Ruhe dessen entgegen gehen, dem es genug ist, das Beste seiner Berussgemeinschast mit allen Kräften erstrebt zu haben. Die Versammlung begleitete die Ausführung des Referenten mit großer Aufmerksamkeit und reichem Beifall und beauftragte den Vorstand, seine Thätigkeit für eine einheitliche Organisation des Versorgungskassenwesens der jüdischen Lehrerschaft im Anschluß an die geschaffene Verbandskasse im bisherigen Sinne fortzusetzen. Es folgte nunmehr eine freie Aussprache über Standes- und Berusssragen der Mitglieder. Besonders ausgedehnt zeigte sie sich bezüglich der neu begründeten ostpreußischen Pensionskasse. Herr Waisenhaus-Inspektor Peritz gab dabei detaillierte Angaben über die Entwicklung de^ Kasse, der bereits zwei Drittel aller leistungsfähigen Gemeinden der

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