Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- Israelitische Wochenschrift
- Issue
- 31 (2.8.1901)
- Date
- 1901-08-02
- Page
- Seite 486 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Seite 486. Israelitische Wochenschrift. Nr. 31. Aus Silber sind die Säulen Und golden glänzt der Thron. Mit Purpur ist beschlagen Des Königs Traggezelt, Der Boden köstlich bedecket, Wie's Juda's Töchtern gefällt. Schaut an, ihr Töchter Zion, Des Königs Krone und Zier! So schmückte ihn seine Mutter, So schmückte sie ihn mir! Zu deinem Hochzeitsseste, Herr König, Glück und Heil! Mir aber wird Hochzeitsfreude Nur mit dem Geliebten zu teil! * * * Der Hirt: Meine Schäferin, du schönste der Frauen, Wie bist du lieblich anzuschauen! An deinen Blicken will ich saugen. Meine Schäferin mit den Taubenaugen! Schwarzblau und üppig der Zöpfe Prangen, Wie die Ziegen, die am Gilead hangen. Deine Zähne weiß, wie der Lämmer Vließ, Wie purpurne Schnüre der Lippen Verließ. So leuchten Granaten in sanftem Feuer, Wie deine Wangen unter dem Schleier. Stolz trägst du den Hals wie Davids Thurm, Ihm naht kein Angriff, ihn zwingt kein Sturm. Die Brüste wie Zwiüingsrehe zart, In einer Weide von Rosen gepaart. Wenn sich der Tag gekühlet. Der Schatten sich gedehnt. Eil ich zu ihrem Dufte, Nach dem mein Herz sich sehnt. , Du Schönste sonder Tadel, Du wonnigliche Braut, Komm hin zum Bergesgipfel, Der dort herniederschaut. Ich fürchte nicht Löwenhöhlen, Noch Leopardenbrut; Ein Blick aus deinen Augen Erfüllt mich mit Heldenmut. Glühender denn Feuerwein Ist die Liebe unsres Bundes, Köstlicher als Balsamhauch Ist der Atem deines Mundes. Honigseim sind deine Worte; Dein Gewand, getränkt von Duft, Trägt zu mir, du Heißgeliebte, Des Gebirges würzge Lust. Du selbst bist wie ein Garten, Der die herrlichsten Blumen hegt, Du selbst bist wie ein Palmbaum, Der die edelsten Früchte trägt. In deinem Garten sprudelt So mancher lebendige Born; Meine Braut, du meine Wonne, Du Dust, du Wein, du Korn! Sulamith: Du laulicher Südwind, Komm, stelle dich ein! Du kühlender Nordwind, Auf, wirble darein! Daß würzig und lieblich Der Wohlgeruch geht Von Blume zu Blume, Vom Busche zum Beet. Du Freund meiner Seele, O laß mich nicht warten. Erscheine, Geliebter, In deinem Garten! Wo bist du, den Meine Seele suchte Komm in deinen Gärten Und brich deine Frucht! Der H i r t: Ich kam in den Garten Zu meiner Braut, Sie labte und pflegte Mich sorglich und traut. Sie hat mich geletzet Mit Honig und Wein, Sie hüllte in Myrrhen Und Ambra mich ein. Herbei, meine Freunde, Der Rebensaft blinkt, Gefüllt sind die Becher, Erhebt sie und trinkt! (Schluß folgt.) Zacharias imM geb. am 1. Oktober 1801 in Prag, gest. am 23. Februar 1876 in Breslau. „Mit dem Ernst des Glaubens paare sich der Ernst der Wissenschaft", so begann der leider auch schon unter dem Rasen ruhende vortreffliche David Kaufmann den Nachruf, den er in der Frankel'schen Monatsschrift, Jahrgang 1876 S. 12, dem Heimgegangenen Oberrabbiner und Seminardirektor Dr. Zacharias Frankel widmete. Es sind Frankels eigene Worte, die soeben zitierten, und sie charakterisieren den Unsterblichen nach seinem gläubigen, frommen Herzen und tiefforschenden Geist.