Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- Israelitische Wochenschrift
- Issue
- 31 (2.8.1901)
- Date
- 1901-08-02
- Page
- Seite 485 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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- IRI
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Nr. 31 Israelitische Wochenschrift. Seite 485 Mein Trauter labt mich mit Weine, Er schenkt mir feurigen Trank, Mich schützt als Panier seine Liebe — Und ich bin liebeskrank. Seine Linke stützt das Haupt mir, Seine Rechte mich fest umschlingt; Mein liebedurstiges Auge Den Geliebten selber trinkt. Ihr Schwestern, ich beschwör euch: Weckt nicht die Liebe aus! O wartet, bis sie selber Nimmt ihren Siegeslauf. Horch, horch, des Liebsten Stimme Dringt kosend an mein Ohr! Er hüpfet über Hügel, Dringt über Berge vor. Mein Liebster gleicht dem Hirsche, Ist schneller als das Reh; Er lauscht schon hinter der Matte, Durchs Gitter ich ihn seh! Horch, horch, der Liebste ruft mich: „Komm, holde Schäferin! „Der Winter ist vergangen, „Die Regenzeit dahin. „Dem Boden entsprießen Blumen, „Der Feigenbaum spendet Dust, „Es girrt die Turteltaube „Und würzig weht die Luft. „Des Weinstocks junge Triebe „Verbreiten Balsamhauch, „Und neue Lieder erklingen „In Feld und Hain und Strauch. „Aus, auf, meine süße Taube, „Du schöne Schäferin! „Hinaus ins Felsgeklüfte, „Dort führe ich dich hin. „Dort will ich ins Auge dir schauen „Und hören der Stimme Laut. „Wie süß sind deine Augen! „Wie ist deine Stimme traut! „Du knospest, meine Geliebte, „ — Wie schön ist dein Angesicht! — „Mein Weinberg treibt und sprießet „Und bringt die Frucht ans Licht! „Fangt mir die jungen Füchse, „Die rebenverderbltche Brut! „Denn unser Weinberg knospet „Und will jetzt sichre Hut!" Du Trauter meiner Seele, Dein bin ich, du bist mein — Du weidest unter Rosen, O kehre bei mir ein! Bis sich der Tag gekühlet. Der Schatten sich gedehnt, Bleib hier bei deiner Trauten, Die nur nach dir sich sehnt! Du gleichst dem jungen Hirsche, Bist schneller als das Reh - Spring über die trennenden Berge, Mein stolzer Hirsch, mein Reh! * * * Sulamith: Auf nächtger Ruhestätte Lag ich. Der Schlummer floh. Geliebter meiner Seele, Sag' an, wo bist du? wo? Ich hob mich von dem Lager Und zog straßauf, straßab. „Wo bist du, mein Geliebter?" — Niemand, der Antwort gab. Ich fragte alle Wächter, Wo mein Geliebter weilt; Nicht Einer der Gefragten Hat Antwort mir erteilt. Doch als sie kaum vorüber, Ich den Gesuchten fand. Ich griff nach dem Geliebten Und faßte seine Hand. Ich hielt ihn fest und fester. Ich zog ihn liebend nach Zu meiner Mutter Wohnstatt, In Mütterleins Gemach. Ihr Schwestern, ich beschwör' euch, Weckt nicht die Liebe aus! O wartet, bis sie selber Nimmt ihren Siegeslauf. * * Wer tritt am Wüftensaume Rauchsäulengleich hervor? Wer wirbelt dustgen Weihrauch Und Myrrhenhauch empor? Seht dort des großen Königs Prunkvolle Lagerstatt, Die er mit sechzig Helden Zum Schutz umgeben hat. Die kriegsgeübte Rechte Ruht auf des Schwertes Knauf, Die nächtigen Sorgegeister, Sie kommen hier nicht auf. Es ist des Königs Sänfte Aus Holz vom Libanon,