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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1901-08-02 · 31 (2.8.1901) · p. Seite 484

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
Israelitische Wochenschrift
Issue
31 (2.8.1901)
Date
1901-08-02
Page
Seite 484 (sequence 4)
Language
German
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Seite 484. Israelitische Wochenschrift. Nr. 31. (So sind sie Alle.) In Agram ist der Antisemitensührer, Redakteur des dortigen Antisemitenorgans, Dr. Tresic zu zwei Monaten strengen Arrests verurteilt worden, weil er die Lehrerin Srkulj erst verführt und dann zum Selbstmord getrieben. In den Urteilsgründen heißt es, daß Tresic von seiner Geliebten namhafte Geldgeschenke annahm. — So sind sie alle, alle ohne Ausnahme. Das Hohelied. Uebersetzt von M. A. Klausner. Nachdruck verboten. Sulamith: Komm, Geliebter, komm herein, Zur Erneurung unsres Bundes; Köstlicher denn Feuerwein Sind die Küsse deines Mundes. Deines Atems süßer Duft, Er berauschet und berücket; Deiner Nähe Balsamluft Aller Mädchen Sinn entzücket. Drang und Zwang treibt mich dir nach, Eilends folg ich deinem Rusen Wie in königlich Gemach, Wie aus eines Thrones Stufen. Wonnetrunken harr ich dein, Ob du meiner auch gedenkest; Köstlicher denn Feuerwein Ist die Liebe, die du schenkest. Willst du nur, mein Hort und Held, Huld und Gnade mir erweisen. Muß die ganze große Welt Mich vor Allen selig preisen. * * * Wie Kedarenzelte dunkel Bin ich, Hals und Antlitz braun. Wie des Königs Krongefunkel Bin ich lieblich anzuschaun. Sonnenglut, die mich verbrannte, Hat mich nicht so arg verfehlt, Wie der Zorn, der mich verbannte Von dem mütterlichen Herd. Zürnt ihr, meiner Mutter Söhne, Weil bei eures Weinbergs Hut Ich vergaß die eigne Schöne Und des eignen Weinbergs Gut? * * * Den meine Seele liebt, ich frage: Wo weilest du? Und in des Mittags Glut, o sage: Wo hältst du Ruh? Bei deinen Gefährten Mag ich nicht sein; Ich schmachte nach dir nur, Nach dir allein. Der Hirt: Du schönste der Frauen, Du kennst nicht die Flur? So folg mit Vertrauen Der Herden Spur. Führ deine Lämmer Durchs knospige Feld, Durch waldigen Dämmer Zum Hirtengezelt. Wie bist du so schmuck; nichts kann dich erreichen! Dem Prunkgespann Pharos möcht ich dich vergleichen: Die Kettlein und Schnüre an Wange und Brust, Sie erhöhn deinen Reiz, meinen Augen zur Lust. Und güldene Spangen verfertige ich Mit silbernen Buckeln als Zierrat für dich! Sulamith: Geliebter und Herr, ich bin deine Blume, Ich dufte nur deinem Gefallen und Ruhme. Du bist meine Seele, mein Traum, meine Lust, Ein Myrrhenstrauß bist du an meiner Brust, Balsamische Traube, die mich beglückt. Für mich im Weinberg Engedi gepflückt! Der Hirt: Meine Schäferin, du schönste der Frauen, Wie bist du so lieblich anzuschauen! An deinen Blicken will ich saugen, Du Schäferin mit den Taubenaugen. Sulamith: Du Holder, du Schöner, das grünende Feld, Zu unserem Lager ist es bestellt, Die Cedern sind Balken unsres Gemachs, Cypressen, sie bilden die Sparren des Dachs. * * * Sulamith: Ich bin die Lilie von Saron, Ich bin die Rose im Thal — Der Hirt: Was unter den Dornen die Rose, Bist du in der Frauen Zahl. Sulamith: Wie unter Gebüsch und Gestrüppe Der tragende Apfelbaum lacht. So lacht unter allen Männern Meines trauten Geliebten Pracht. Sein schattges Gezweige bildet Mir kühle, verborgene Bucht, Und meinen Gaumen letzt er Mit seiner süßen Frucht.

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