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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1901-07-26 · 30 (26.7.1901) · p. Seite 477

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
Israelitische Wochenschrift
Issue
30 (26.7.1901)
Date
1901-07-26
Page
Seite 477 (sequence 13)
Language
German
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Nr. 30. Israelitische Wochenschrift. Seite 477. Judentum und den Juden zur Ehre gereichen. In allen Teilen Deutschlands wurden „Alliance" - Komitees gebildet. Diese haben noch heute in ihrer Mitte Mitarbeiter, die schon in der ersten Stunde sich bethätigt haben. Diese sind durch Erfahrung überzeugt, daß das, was die Stärke der „Alliance" ausmacht, in der Ausscheidung aller politischen und religiösen Meinungsverschiedenheiten und in der Einheit des Werkes liegt. Sie denken ebensowenig daran, sich von uns zu trennen, wie wir uns von ihnen trennen möchten. Wenn Sie nun die Neigung haben, aus politischen Erwägungen oder aus Furcht vor unseren Feinden den Namen „Alliance" zurückzuweisen, werden darum unsere Anhänger nicht auch fernerhin der Ueberzeugung sein, daß sie unserem Glauben treu bleiben, jede politische Differenz beseitigen, alle ihre Kräfte und ihren ganzen guten Willen der „Alliance" zur Verfügung stellen müssen zur Befreiung, zur sittlichen Hebung der Juden und zur Erhaltung einer ganzen Reihe von Institutionen, die seit 40 Jahren zu diesem Zweck gegründet wurden? Das sind die Gesichtspunkte, die wir Ihnen entwickelt haben würden, wenn sie uns Gelegenheit gegeben hätten, Ihr „Hilssvereins"-Projekt kennen zu lernen, ehe Sie es ins Leben riesen. Thatsächlich haben wir vor Empfang Ihres Briefs vom 21. Mai keine Nachrichten von Ihnen erhalten. Wir sagen Ihnen heute unsere Meinung mit dem Freimut, den wir Männern Ihrer Art schulden, die von gutem Willen und von dem aufrichtigen Wunsch eines Einvernehmens mit der „Alliance" beseelt sind. Wir haben unsererseits die Ueberzeugung, daß der gemeinsame Wille unserer Glaubensgenossen, die Juden zu stützen und zu erziehen, uns einträchtig diesem Ziel, so gut als es nur geht, wird zuftreben lassen." Berlin, 24. Juli. (Semesterschlußkneipe.) Gestern Abend hat der Verein Jüdischer Studenten seine Semesterschlußkneipe gehalten. Die Mitglieder waren vollzählig, die Alten Herren in stattlicher Reihe erschienen, Gäste waren der freundlichen Einladung gern gefolgt. Die Feier verlies, wie es sich gebührt, seucht-fröhlich, unter Gesängen und anregenden Reden. In gehobener Stimmung trennte man sich und in der zuversichtlichen Hoffnung aus frohes Wiedersehen in gemeinsamer, frischer Thätigkeit. Hoppstädten, 21. Juli. (Amtsantritt.) Mit Beginn des Monats Juli hat der neuernannte Landrabbiner Dr. Julius Lewit aus Berlin sein Amt im Fürstentum Birkenfeld angetreten. Am 5. Juli, Freitag, fand bei der Großherzoglichen Regierung zu Birkenseld seine Vereidigung durch den Herrn Regierungspräsidenten statt. Hieraus erfolgte beimFreitag-Abendgottesdienst seine feierliche Einführung in der hiesigen, mit Guirlanden und Blumen festlich geschmückten Synagoge. Begleitet von dem Landesgemeinderat, dessen Mitglieder auch von den auswärtigen Gemeinden des Fürstentums sich eingesunden hatten, betrat der Herr Landrabbiner die Synagoge, in der ihn der Cbor mit dem Palmeugruß empfing: „Gesegnet, der da kommt im Namen des Herrn!" Sodann richtete Herr Synagogenvorsteher Elias Weil herzliche Worte der Begrüßung und der Segenswünsche an Herrn Dr. Lewit, indem er in längerer, wohlgesetzter Rede der Hoffnung Ausdruck gab, daß es unter Gottes Beistand Herrn Dr. Lewit gelingen möge, in feiner staatlichen Stellung als Landrabbiner, Regierungsmitglked, Schulinspektor und Lehrer der Jugend allezeit segensreich zu wirken. In der Antrittspredigt des Herrn Landrabbiners, die das Thema: „Das Wesen der Religion" behandelte, war als höchstes Gebot unser rechtschaffenes Verhalten gegen die Nebenmenschen hingestellt nach den Worten des Propheten Micha: „Es ist dir gesagt worden, o Mensch, was gut ist und was der Herr von dir fordert: „Recht thun, Liebe üben und in Demut wandeln vor Gott!" Am Schluß der Predigt sprach der Herr Landrabbiner das Gebet für den Landesherrn, für die Wohlfahrt und den Frieden des Vaterlandes und erbat den Beistand Gottes, daß er jederzeit den Pflichten seines heiligen, verantwortungsvollen Amtes gerecht werde. Am Abend fand im Haus des Herrn Vorstehers L. Stern ein Festessen statt, bei dem mancherlei Toaste, besonders auch aus den Herrn Landrabbiner und dessen Angehörige in der Heimat ausgebracht wurden. Am darauffolgenden Sabbath hielt Herr Dr. Lewit seine erste Predigt in der Synagogengemeinde hier und am 13. Juli in Oberstein. Auch in den übrigen Hauptgemeinden des Fürstentums, in Sötern, Bosen und Birkenseld, wird Herr Dr. Lewit im Laus der Monate Juli und August seine ersten Predigten halten. Möge es Herrn Dr. Lewit beschieden sein, eine segensreiche Thätigkeit in unseren Gemeinden zu entfalten und möge es auch ihm selbst in unserer Mitte recht wohl ergehen. Würzbnrg, 21. Juli. (Bayerischer Lehrerverein.) Die diesjährige (22.) Generalversammlung des Israelitischen Lehrervereins für das Königreich Bayern findet am 29. d. M. im Saalbau des Hotel Goldschmidt hier statt und beginnt vormittags 9 Uhr. Nach den Begrüßungen wird der Vereinsvorstand/Bericht erstatten, der Unterstützungsteil festgesetzt, die Neuwahl der Verwaltung vorgenommen werden. Hieran schließen sich die Vorträge. Ueber die Thätigkeit des Lehrers für kulturelle Bestrebungen innerhalb der Judenheit, insbesondere für Erweckung des Interesses für Handwerk und Bodenkultur hat Herr N. Blatt-Obbach das Referat, Herr I. Wähler-Hörstein das Korreferat übernommen. Einen Vortrag über den jüdischen Schreibleseunterricht wird Herr S. Blumenthal-Rimpar halten. Namens der Verwaltung ersuchen die Herren H. Goldstein und A. Mandelbaum die Herren Kollegen, zahlreich an der Versammlung teilzunehmen und auch die außerordentlichen Mitglieder und die Gönner des Vereins einzuladen. Wien, 21. Juli. (Israelitisch-theologische Lehranstalt.) Im Verlag der hiesigen Israelitisch-theologischen Lehranstalt ist deren 8. Jahresbericht für das Schuljahr 1900/1901 erschienen. Wir entnehmen dem Bericht, daß 16 Hörer der Anstalt (unter 25) aus den Zinsen des Osias H. Schorrschen Nachlasses ein Stipendium von je 600 Kronen erhalten haben und damit für ihre ganze Studienzeit der Sorge um ihren Unterhalt enthoben sind. Für die 11 Volksschullehrer, die den Religionslehrerkursus besuchen, hat der Vorstand der Wiener jüdischen Gemeinde 10 Stipendien zu 400 Kronen bewilligt. Au Subventionen gingen ein: 10 000 Kronen von der Regierung, 8000 Kronen von der Wiener Kultusgemeinde, 2000 Kronen vom Mährisch - jüdischen Landesmassafonds, 1300 Kronen von der Prager Gemeinde, 1260 Kronen von der böhmischen Landesjudenschast und 1000 Kronen von der

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