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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1901-07-26 · 30 (26.7.1901) · p. Seite 468

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
Israelitische Wochenschrift
Issue
30 (26.7.1901)
Date
1901-07-26
Page
Seite 468 (sequence 4)
Language
German
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Seite 468. Israelitische Wochenschrift. Nr. 30. Friedenau, Max Bewer in Dresden, Dr. Giese in Berlin und Dr. Hentschel in Mittel-Seiffersdors. Die Mordlüge konnte nicht mehr Bankerott machen, als durch den „Germanischen Volksbund Berlin" geschehen. Unter den namentlich Angeführten giebt es Verrufene genug — nicht einen Mann von Ruf! Anders war es auch gar nicht möglich. * * * (Der olle ehrliche „Reichsbote".) Der tugendsame und fromme, der olle ehrliche „Reichsbote" findet sich durch den jüngsten Konitzer Prozeß-Skandal oder Skandal-Prozeß zu folgendem Klageruf veranlaßt: „Der Konitzer Prozeß Schiller hat in unserer schnellvergessenden Zeit wieder einmal das öffentliche Gewissen aufgerüttelt, daß in Könitz noch immer eine furchtbare That, bei der jüdische Thäterschaft mehr als wahrscheinlich ist und ein finsterer Blutaberglaube das Motiv zu spielen scheint, der Sühne harrt. Im christlichen Volk wacht das unbefriedigte Rechtsbewußtsein viel reger, als es in der Presse meist zum Ausdruck kommt. Das Judentum ist nicht ohne Grund eine weitverzweigte Macht, und wo sein Bestreben einsetzt, eine ihm gefährliche Aufklärung in Nebel zu hüllen, verfügt es über Einflüsse, Mittel und Wege, die merkwürdig weit reichen. Dazu kommt, daß mit ihm an einem Non liquet des Konitzer Mordes noch so ziemlich die gesamte liberale Welt in Rechtspflege, Presse, Bureaukratie und Wissenschaft interessiert ist. Man hat sich dort seit Jahrzehnten für die Unschuld des Judentums hinsichtlich des Verdachts auf Blutaberglauben derartig einseitig engagiert, daß die Feststellung des Gegenteils als ein schwerer Schlag auch auf den ganzen Liberalismus zurückfallen müßte. Darum sucht man sie fast ebenso eifrig zu umgehen, wie das Judentum selbst, das sehr wohl weiß, daß bei der Angelegenheit seine letzte Popularität im Volk und zugleich sein kulturelles Ansehen mit auf dem Spiel steht. In welcher Beleuchtung aber müßte unsere Zeit erscheinen, wenn die Justiz eines christlichen Staates nicht mehr imstand wäre, gegen die Verschleierungen eines fremden Elements aufzukommen, bei einer grausigen That, die menschlich den tiefsten Abscheu und kulturell ein rätselhaftes Problem ersten Ranges in sich schließt? Bei der eventuell die Sicherheit christlicher Kinder vor einer im Dunkeln schleichenden Mordsekte in Frage kommt? Es ist möglich, daß auch in Könitz, wie das schon in Xanten und Skurz und neuerdings auch in Polna der Fall war, die wirklichen Thäter nicht mehr zu fassen sind, aber der jetzigen Staatsanwaltschaft in Könitz gebührt besonderer Dank, daß sie wenigstens einige der mitverdächtigen Gestalten dabei zu greifen beginnt. Der erste war der Pferdeschlächter Jsraelski, er ist der Ueberführung entronnen, warum, sieht man nicht ganz ein. Der zweite war Moritz Lewy, der wegen des Meineids, daß er Winter nicht gekannt haben wollte, im Zuchthaus sitzt, als dritter ist ein Agent jenes jüdischen Verwirrungs- und Verdunkelungskomitees, dessen geheime Hände man vom ersten Tage an in Könitz gespürt hat, gefaßt worden . . . Es wäre sehr schätzenswert, wenn die Justiz diesen sich aufthuenden Spuren weiter nachginge, damit die Fäden in Bezug auf die letzten Hände, die sie halten, klargelegt würden. Es ist dies um so nötiger, als mit einem währen Cynismus von dieser Seite der Rechtspflege Hohn gesprochen worden ist, von der frivolen Beschuldigung des christlichen Schlächtermeisters Hoffmann oder des Lehrers Weiche! bis zur frechen Verstreuung der aufbewahrten Kleider des Gymnasiasten Winter ein Jahr nach seiner Ermordung. Man füge hinzu, was wir in Könitz bis herab zu den in dem Dung versteckten falschen corporidns delicti erlebt haben, und man wird ein erschütterndes Bild von einem skrupel- und gewissenlosen Treiben auf jener Seite finden, das an der Wurzel zu fassen die preußische Justiz ihrem eigenen Ansehen schuldig bleibt. — Sie würde dadurch auch nach dem Rezept: cni bono? der Aufhellung des thatsächlichen Mordvorganges und seiner Motive näherkommen." Was hier von der „Wahrscheinlichkeit jüdischer Thäterschast" und dem Motiv „finsteren Blutaberglaubens" gesagt ist, das ist wider besseres Wissen und thatsächlich zum Schutz der Mordgesellen von Könitz vorgebracht, von deren Spuren die Aufmerksamkeit mit allen Mitteln abgelenkt werden soll. Verleumderisch, gleichfalls wider besseres Wissen, ist, was gegen Jsraelski, was hinsichtlich der Fälle von Xanten, Skurz und Polna gesagt ist. Zutreffend aber ist der Hinweis aus die kriminalistische Frage: cni bono? Diese Frage deutet unverrückbar auf den Antisemitismus und die Antisemiten, die von der Mordslüge leben, aus ihr die Nahrung ziehen. Diese haben die Mordthaten begangen, begünstigt, sruktifiziert! Der olle ehrliche „Reichsbote" hat hier einmal die Wahrheit gesagt. — Er wußte eben nicht, was er that. * * * (Kurzes Gedächtnis.) Die „Kreuzzeitung" knüpft an eine Betrachtung über den Leipziger Bankkrach die sehr richtige Bemerkung, „es sei vollständig von der Hand zu weisen, bei derartigen Vorkommnissen, bei denen gewissenloses, verbrecherisches Handeln über Hunderte, ja Tausende schweres Unheil gebracht hat, die politische Stellung der Schuldigen gewissermaßen als straferschwerend ins Feld zu führen." — Wir hoffen, daß die „Kreuzzeitung", indem sie dies schreibt, über ihre vorige entgegengesetzte Handlungsweise Reue und Leid empfindet und zum Ausdruck bringen will, auch daß sie Aiiit der politischen Parteizugehörigkeit die konfessionelle Zugehörigkeit aus die gleiche Stufe stellt. * * * (So sind sie Alle.) Die „Münchener Korrespondenz" meldet: Wie in einer Alimentationsklage gegen Dr. Sigl am Sonnabend vor einer Zivilkammer des hiesigen Landgerichts konstatiert wurde, schwebt gegen diesen ein Meineidsverfahren bei der Staatsanwaltschaft. Die betreffende Verhandlung wurde bis nach den Ferien vertagt. — Herr Dr. Sigl ist eine Leuchte des Antisemitismus und fand trotz seiner Preußenfrefferei in den Augen der „Kreuzzeitung" Gnade und aller seiner Sünden Vergebung. * * * (Unverständlich und unglaublich.) Während des Aufenthalts Kaiser Franz Josefs in Salzburg soll sich ein peinlicher Zwischenfall ereignet haben, der in liberalen Salzburger Kreisen viel besprochen wird. Zur Besichtigung der St. Andre-Psarrkirche und des Elisabeth-Sühnaltars durch den Kaiser hatten sich die Vertreter zahlreicher Journale eingesunden und hinter dem Damenkomitee des Elisabethaltars aufgestellt. Plötzlich sei ein Priester an die Vertreter des Salzburger „Volksblatt" und der Münchener „Allg. Ztg." herangetreten und habe sie im Namen des Erzbischofs ausgesordert, ihre vom Landespräfidium ausgestellten Legitimationen vorzuweisen. Die Herren thaten dies, und der Priester ging zum Fürst-Erzbischof, um ihm anzuzeigen, daß alles in Ordnung sei. „Trotzdem ließ der Fürst-Erzbischof

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