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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1901-07-05 · 27 (5.7.1901) · p. Seite 427

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
Israelitische Wochenschrift
Issue
27 (5.7.1901)
Date
1901-07-05
Page
Seite 427 (sequence 11)
Language
German
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Nr. 27. Israelitische Wochenschrift. Seite 427. besonderen Festgottesdienst gefeiert. Die Vorstände und Geistlichen aller Londoner Synagogen, an ihrer Spitze Lord Rothschild und der Chiefrabbi Dr. Adler, der Lordmayor von London und die übrigen Spitzen der städtischen Behörden waren zur Feier erschienen; die spanisch-portugiesischen Gemeinden von Newyork, Manchester und anderen Städten haben Glückwunschdeputationen geschickt — Newyork den Rabbiner Dr. H. Pereira Mendes. Die Synagoge ist renoviert und repariert, aber ihr altertümlicher Charakter ist ihr erhalten worden; um diesen nicht zu stören, hat man von der Einrichtung der elektrischen Beleuchtung Abstand genommen; die ganz moderne Warmwasserheizung hat auf den äußeren Eindruck des Gebäudes keinen Einfluß. Auch einer festlichen Ausschmückung des Jnnenraums hatte man sich enthalten, nur aus der Estrade waren große Büsche von gelben und roten Rosen ausgestellt, die die Orgel und den von der Berkeley- Synagoge hergeliehenen Chor zu verbergen hatten. Sträuße von gelben und roten Rosen — gelb und rot sind die spanischen Nationalsarben — wurden allen Damen überreicht; ein Gemeindemitglied P. G. Garcia hatte all den Blumenreichtum gespendet. Die Feier begann mit dem Mincha-Gebet. Dann folgte der Umzug mit den Thorarollen, die bis aus eine nur von Rabbinern getragen wurden. Der von Dr. Verrinder geleitete Chor sang in vollendetster Ausführung den 30., 24. und 100. Psalm. Nach diesen Gesängen wurde das Gebet für den König und die königliche Familie gesprochen, der 29. Psalm gesungen, und nun betrat der Chacham Dr. Gaster die Kanzel zu einer Predigt, die mit einem Gebet für alle dahingeschiedenen Frommen und Rabbiner der Gemeinde schloß. Nach der Predigt und dem Kaddischgebet wurde vom Chor das Adon Olamgebet und der 150. Psalm und zum Schluß von Chor und Gemeinde die hebräische Uebersetzung der Nationalhymne gesungen. Beim Verlassen der Synagoge drückte der Lordmayor dem ersten Vorsitzenden — Mahamad — der spanisch-portugiesischen Gemeinde, dem Parlamentsmitglied Sir Edward Sassoon, seinen Dank für die Einladung aus, reichte dem Chiesrabbi und dem Chacham Dr. Gaster die Hand und sprach einige freundliche Worte mit den Schulkindern. Der Synagoge sind zu ihrem Jubiläum verschiedene Geschenke zugegangen: zwei silberne Kronen und ein Mäntelchen für die Thora von den Mitgliedern des Festkomitees; ein paar silberne Glocken für ein Sepher von Herrn Jsaac Genese; eine silberne Krone von der portugiesischen Gemeinde in Manchester. Am Mittwoch Abend gab Sir Joseph Sebag Montefiore ein Festessen für das Jubiläumskomitee, die Rabbiner und die fremden Deputationen. Der Grandrabbin von Frankreich und die Vorsteher der Amsterdamer portugiesischen Gemeinde haben in Telegrammen dem Bedauern Ausdruck gegeben, den Einladungen zur Jubelfeier nicht folgen zu können. Glückwunschtelegramme sind von einer großen Anzahl sephardischer und aschktnasischer Gemeinden eingelaufen. Ein offizielles Festmahl findet am nächsten Mittwoch statt. Die Bevis Marks-Synagoge ist die älteste in England. Mit gutem Recht beteiligen sich die Vertreter aller religiösen Richtungen an der Jubelfeier. Bevor die deutschen Zuzügler zahlreich genug waren, um ein eigenes Gotteshaus zu bauen, haben sie mit den Portugiesen in Bevis Marks ihre Andacht verrichtet und haben an ihren Wohlsahrtseinrichtungen teilgenommen. Ende des 17. Jahrhunderts hatten sie zwar schon eine eigene Gemeinde gebildet, aber der portugiesischen immer die Führung in jüdischen Angelegenheiten überlassen. Reichtum und Intelligenz waren zumeist bei der sephardischen Gemeinde, die auch nach außen über ein Jahrhundert lang die Vertreterin der englischen Judenheit blieb. Große Gelehrte wie Emanuel Mendes da Costa, David Ricardo, Jonathan Pereira sind aus der spanisch-portugiesischen Gemeinde in London heroorgegangen, ebenso einer der größten Philanthropen des vergangenen Jahrhunderts, Sir Moses Montefiore. Als vor einigen Jahren davon die Rede war, die alte Synagoge in Bevis Marks niederzureißen und durch einen modernen Bau zu ersetzen, waren es zumeist aschkinasische Juden, die diesen Plan bekämpften und denen die Erhaltung des interessanten alten Gebäudes zu danken ist. London, 30. Juni. (Charles K. Salaman.) Der Komponist und ausübende Künstler Charles K. Salaman ist nach zweitägiger Krankheit gestorben. Er wurde am 3. März 1814 in London geboren und ist väterlicherseits deutscher Abstammung; sein Großvater war 1743 in Berlin geboren und ist 1767 nach London übergesiedelt. Die musikalische Begabung von Charles Salaman hat sich früh gezeigt und seine äußere Lage ist der Entwicklung seines Talents besonders günstig gewesen. Seine in sorglosen Verhältnissen lebende Familie stand mitten im Geistesleben der Zeit; Kunst und Literatur wurden gepflegt und unterstützt und die jüdische Religion allzeit hochgehalten. Mit 14 Jahren veröffentlichte Charles Salasnan seine erste Komposition, über die die „Morning Post" schon im Jahre 1828 eine glänzende Kritik brachte. Das erste Orchesterkonzert gab er 1833 in London. Seine Kompositionen von Psalmen sind in der ganzen Welt berühmt, seine Synagogengesänge in vielen englischen Gotteshäusern dem Gottesdienst eingesügt. Nach dem 1845 erfolgten Tod seiner Mutter ging Charles Salaman mit seiner Schwester, der Malerin Kate Salaman, auf einige Jahre nach Rom, wo er 1848 Beethovens 2. Symphonie in einem Konzert im Palast Ruspoli dirigierte, das erste Mal, daß eine Beethovensche Symphonie in Rom Ausführung fand. Hier wurde Salaman Ehrenmitglied der Cäcilien-Akademie und der Philharmonischen Gesellschaft. Miß Kate Salaman und ihre ältere Schwester, Mrs. Goodman, waren die ersten Jüdinnen, deren Bilder in der Königlichen Akademie in London ausgestellt wurden. In jüdischen Angelegenheiten hat Charles Salaman sich immer nach Kräften bethätigt. Sein Vater war seinerzeit Präsident der Western-Synagoge und er selbst ist eine Zeitlang dort Vorstandsmitglied gewesen. Später wurde er einer der Führer der Resormsynagogenbewegung, ohne daß seine Begeisterung für das Judentum eine Abschwächung erfuhr. Bekannt sind die Briese, die er 1875 an den verstorbenen Bischof von Manchester und 1877 an den verstorbenen Dekan von Tichfield schrieb, um ihnen wegen ihrer Bemühungen um die Judentaufen Vorwürfe zu machen. Seiner Gewohnheit, alljährlich an seinem Geburtstag ein Liebeslied zu komponieren resp. zu veröffentlichen, ist CH. Salaman bis zu seinem Tod treu geblieben. Das berühmteste dieser Geburtstagslieder ist das zu dem hebräischen Tert von Jehuda Halevy komponierte

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