Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- Israelitische Wochenschrift
- Issue
- 27 (5.7.1901)
- Date
- 1901-07-05
- Page
- Seite 423 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 27. Israelitische Wochenschrift. Seite 423. des Herrn Rabbiner Dr. Niemirower eine praktische Handelsschule, in der neben den Handelsfächern Hebräisch und besonders Deutsch gelehrt wird. Jetzt hat die Schule auch eine zweite Klasse. Die Schülerzahl ist 40, der Lehrkörper zählt 5 Personen. Im Jah-r 1868 stiftete Jakob v. Neuschotz das Waisenhaus, in dem sich 18 Zöglinge befinden. Das Institut hat sein eigenes Heim. Diese Anstalt kostet Herrn v. Neuschotz gegen 20O 000 Francs. Bis jetzt hat sie 160 Waisen erzogen. Gegenwärtiger Direktor ist Herr A. Dux. Von Privatschulen für Juden sind die von Scherzer, Geiger und Hermann zu nennen. Es ist noch zu bemerken, daß die Bnei Brithgesellschaft jetzt einen Abendkursus für Englisch eingerichtet hat. Die 1870 gegründete Mädchenschule der jüdischen Frauenvereinigung, die einzige Mädchenschule der Juden Jassys, befindet sich in ihrem eigenen Heim in der Strada Sozonski. Sie ist muftergiltig in ihrem Sprachenunterricht und in ihren Einrichtungen. Auch zur Handarbeit wird angeleitet. An der Spitze steht Frau M. Daniel als Präsidentin, ferner die Damen Herdan, Tiktin, Burstin und Niemirower. Die Zahl der Schülerinnen ist gegen 400, die der Lehrer 12. Direktorin ist Frau Sternberg. Seit Jahrhunderten entwickelte sich in Jassy aus dem Hekdesch ein Hospital. Im Jahr 184c wurde das jüdische Krankenhaus gebaut. Es umfaßt 120 Petten und ist in allen seinen Einrichtungen muftergiltig. Als Äerzte wirken in dieser Anstalt die Doktoren Fränkel, Silberzweig, Taußig und Rosenthal. Gegenwärtig sind Dr. Herzenberg und Professor Skuly Primarärzte. Durch die Bemühungen des Herrn A. S. Goldenthal ist das Hospital als juristische Person anerkannt worden. Das israelitische Krankenhaus wurde früher von der Fleischtaxe erhalten, jetzt durch freiwillige Beiträge. Etwa die Hälfte des Einkommens wird von den vielen Hinterlassenschaften gedeckt. Die Namen der Spender sind aus der Ehrentafel des Hospitals verzeichnet. Einflußreiche Aussichtsräte sind: Albert Daniel, Js. Leibovici, M. Schnürer, Goldenthal, Gelber, Weisengrün, Wassermann, Rappaport u. s. w. Der alte Friedhof ist seit 1880 durch einen neuen ersetzt. Der neue Gottesacker ist sehr umfangreich und wird für Jahrhunderte ausreichen. Es wird sogar geplant, aus dem zu ihm gehörenden Boden eine Ackerbauschule zu errichten. Aus dem Friedhof hat Herr I. Ch. Daniel eine großartige Leichenhalle errichtet. Die von Arbeitern für Arbeiter errichtete Altersversorgungsanftalt wurde 1892 gegründet und dient 18 Alten als freundliches Heim. Das Haus hat Herr Jakob Schor geschenkt. Die Anstalt wird von einem Komitee und einer sehr thätigen Administrationskommisfion geleitet. Die jüdische Volksküche wurde 1900 von der Bnei Brithgesellschaft gegründet und wird durch die ausländische Philanthropie erhalten. Die Volksküche befindet sich jetzt in der Strada Seulescu. Für 10 Bani — Kinder blos 21/* Bani — wird Brot, Suppe und Fleisch gegeben. Viele Schüler werden gratis beköstigt. Das Komitee dieser Anstalt: A. S. Goldenthal, Präsident, Wl H. Goldcnberg, Vize-Präsident, Rabbiner Dr. Niemirower, Dr. Mtner u. s. w. Bei der Beköstigung der Schüler bethätigt sich der Lehrer Goldencron. Der Pacurarer Unterstützungsverein, Bruderverein am Pacurar, besteht seit 1875, hat sein eigenes Haus in der Strada Ghica Voda im Wert von 20 000 Francs und zählt jetzt etwa 400 Mitglieder. Der Verein bietet den Mitgliedern Arzt und Apotheke im Krankheitsfall, Wilwenpensionen, Wochengelder u. s. w. Der Verein, der arme Wöchnerinnen, verlassene Säuglinge und Bräute aus dem Volk unterstützt, besteht seit 1873. Er hat ein Budget von etwa 5000 Francs jährlich. Die Krisis des Jahres 1900 veranlaßte die Bnei Brithgesellschaft und ihren Präsidenten A. S. Goldenthal, die Hilfe des Auslandes für die hiesigen Armen in Anspruch zu nehmen. Durch Rabbiner Dr. Niemirower und durch den Vertreter der Alliance und I. C. A., Astruc, kamen große Summen zusammen. Das Geld wurde für Brot, Mazzes, Wochengelder, Emigranten u. s. w. verwendet. Da die Armenfürsorge für längere Zeit eine Notwendigkeit ist, wurde ein philanthropisches Komitee gebildet, bestehend aus Herrn A. S. Goldenthal als Präsident, Rabbiner Dr. Niemirower als Vizepräsident, M. Gelber als Kassierer, Dr. Margulies als Sekretär und L. Weisengrün als Kontroleur. Hilfssekretär ist Herr Geiger. Abgesehen von der privaten Bekleidung armer Kinder bestand vor mehreren Jahren ein entsprechender Verein. In den letzten Jahren hat der Verein als solcher aufgehört und die Herren Rabbiner Dr. Niemirower, I. Josefsohn, I. L. Rosenstein, M. Gelber, M. Rosenblum, Z. Gelehrter sorgen für Bekleidung von etwa £200 Kindern aus Schulen und Talmud Thora. Jährlich werden gegen 3000 Francs für Mazzes und gegen 3000 Francs für Holz verwendet. Die Loge „Samoil" wurde aus der seit den siebziger Jahren bestehenden Zionsloge im Jahr 1889 gebildet. Sie ist ein Glied der in Amerika, Deutschland und Oesterreich bestehenden Bnei Brithlogen. Sie zählt gegen 150 Brüder und hat für philanthropische und moralische Zwecke Großes geleistet. Sie hat ihre symbolischen Geheimnisse und jeder der Brüder wirkt im Stillen. Besonders thatenretch ist die Loge unter der Leitung des unermüdlichen Präsidenten A. S. Goldenthal, dem Herr H. Goldenberg als Vizepräsident und Dr. Niemirower als Mentor zur Seite stehen. Die Loge hat dem Komitee regional vorgearbeitet, 'die Handelsschule und die Volksküche gegründet, Brot, Geld^und Kleider verteilt, das Hilsswerk für die jüdischen Armen in Rumänien angebahnt. Jeder Bruder hat in diesem Jahr 1900 viel geleistet. In den Jahren 1898 und 99 blühte in Jassy der Zionismus. Es bestanden gegen 20 Vereine unter der Führung der Herren Dr. Lippe, Alterspräsident des ersten Kongresses, Rabbiner Dr. Niemirower, Mitglied der Kulturkommission und Sekretär des dritten Kongresses, Dr. Nacht, jetzt Rabbiner in Fokschani und Heinrich Rosenbaum. Die traurigen Zeitverhältnisse vernichten alles. Nur die zionistische Lesehalle und der Verein „Sinai" blieben zurück. Der Jünglingsverein „Sinai.Pros. Schaptra" besteht seit 1899 und dessen Ehrenpräsident Rabbiner Dr. I. Niemirower hält dort Geschichtsvorträge.