Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- Israelitische Wochenschrift
- Issue
- 27 (5.7.1901)
- Date
- 1901-07-05
- Page
- Seite 422 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/5369809-9607691-9605241-9605448--8215-9605454- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
- Rashi 1× ep/1002670
OCR text
Seite 422. Israelitische Wochenschrift. Nr. 27. treten — nicht weil man ihn kennt, nicht weil er sich irgendwie rühmlich hervorgethan hat, sondern einzig weil er der vorgeschobene Wahlmacher irgend eines hochprozentigen Ehrenmannes ist, der sich durch ihn bereit erklärt hat, wie Dickens sich ausdrückt, „eine gewisse Summe niederzulegen". Das ist nicht etwa „so zu sagen ein Problems", sondern buchstäbliche aktuelle Wahrheit. Wer neugierig ist, kann die Namen erfahren, und wer nicht neugierig ist, soll sie auch erfahren. So setzt sich die Gesellschaft zusammen, die im Namen der Konservativen die Berliner Repräsentantenwahlen machen will! Daß sich in der Gefolgschaft auch ehrliche Leute befinden, kann die Sache nicht ehrlich machen. Weit eher wird die Unehrlichkeit der Anführer auf die Ehrlichkeit der Angeführten absärben. Das geschieht schon, wenn sie in der Gesellschaft bleiben, nachdem sie von deren Art Kenntnis erhalten haben. Die kommenden Repräsentantenwahlen sind von großer Bedeutung; das Ergebnis kann im schlimmen Sinn weittragende Folgen haben. Ein Sieg der sogenannten „Liberalen" würde überaus bedauerlich sein. Dieser Sieg ist aber gewiß, wenn die Konserativen sich spalten, wenn sie nicht alle Kräfte ausrusen und zusammenraffen. Eine solche Zusammenraffung ist unmöglich, wenn man selbstbewußten und redlichen Männern zumutet, den Centralvereinsmännerchen und ihren noch ungenannten Geldgebern den Steigbügel zu halten. Ein Wahlsieg der sogenannten Liberalen wäre ein Unglück — ein Wahlsieg des Centralvereins wäre die Schande! Glücklicherweise brauchen wir vor dieser Schttnde nicht zu zittern. Der Sieg des Centralvereins ist ausgeschlossen. Den Konservativen, die ihre Sache nicht wollen verderben und unterliegen lassen, kommt es zu, sich aufzuraffen, sich zu organisieren, thätig zu sein. Thun sie das nicht, so haben sie verschuldet, daß die sogenannten „Liberalen" wieder zu unbestrittener Gemeindeherrschast gelangen. (Wird fortgesetzt.) Die Illdkn in Jassy. Die jüdische Gemeinde zu Jassy, die sehr alt ist. zählt gegenwärtig etwa 39 000 Seelen. Sie ist nicht organisiert. Jassy besitzt, wie wir einer in Jassy erscheinenden Monatsschrift entnehmen, zwei große Synagogen. Die eine ist Jahrhunderte alt, der Reparatur bedürftig, in der Strada Cucu — Schulhof — die andere auf der roten Brücke — Podul rosch. Außerdem ist ein kleiner Tempel vorhanden, den Jakob v. Neuschotz im Jahr 1865 errichtet hat. Ueberdies giebt es mehrere Bethäuser, wie Beth Schlome, von Salomon Jurist und seiner Gattin im Jahr 1897 errichtet, Kahaneschul in der Strada Stefan cel Mare, Kuntarsynagoge in der Strada de Sus und verschiedene andere, etwa 25 an der Zahl, und endlich mehr als hundert Betzimmer. Eine große Zentralsynagoge, die den ästhetischen Zeitbedürfnissen ganz entspräche, giebt es nicht. Die Namen der verschiedenen Andachtsstätten erinnern teils an große Familien, wie Daniel, Wechsler, teils an bedeutende Persönlichkeiten und ihre Stammorte, wie „Zwoliwer", „Litener", „R. Schaika", „Nastali Abraham", „Salomo Mendel" u. s. w., teils an bestimmte Berufe, wie Schneider, Maurer, Schuster re. Jassy war der Sitz der Landesrabbiner „Chacham Bascha", die eine große Macht besaßen. Schon vor drei Jahrhunderten lehrte in Jassy ein bedeutender Rabbi Salomo Aravi, und im verflossenen Säkulum wirkten in der Hauptstadt der Moldau die hervorragenden Chassidäer, die unter den Namen Apter, Zwoliwer bekannt sind, die bekannten Talmudmeister Moses Taubes, Joseph Landau und Schaje Schor und der gefeierte Prediger Antoine Lövy. Die gegenwärtigen Vertreter des Rabbinats sind: Dr. phil. Rabbiner und Prediger Jacob I. Niemirower, Rabbiner Feiwel Taubes, Rabbiner Berl Rabinovict und 5 Rabbinatsassessoren. Seit dem Jahr 1898 besteht in Jassy eine Art von Landesschulkomitee für die Moldau, wie in Bukarest für die Walachei, das mit der I. C. A. wegen Subventionierung und Reorganisation der Schulen in Verbindung steht. An der Spitze des Komitees stehen die Herren Weisengrün, Dr. Margulies, Goldenthal, Rabbiner Dr. Niemirower und Dr. Herzenberg. In Jassy giebt es noch viele Chederschulen, die einen privaten Charakter haben. Talmudthoraanstalten, in denen Beten und Chumffch mit Raschi und in letzter Zeit auch ein wenig Rumänisch gratis gelehrt wird, giebt es in Tirgul Cucu mit einigen Hundert Schülern, auf der roten Brücke mit gegen hundert Schülern, auf dem Pacurar mit gegen 60 Schülern. In der Schule der roten Brücke Junimea II, die seit 1876 besteht und unter den Direktoren Rabener, Scherzer, Benjamin Schwarzseld.Guttmann.Dr.Burftin und Dr. Lippe für die Aermsten der Armen segensreich gewirkt, wird viel Hebräisch, genügend Rumänisch und ein wenig Deutsch unterrichtet. Die Schülerzahl ist gegenwärtig 1O0. Ehrendirektor ist Rabbiner Dr. I. Niemirower; dem Komitee gehören M. Schäurer als Ehrenpräsident. I. Josephsohn als Präsident an. Der Lehrkörper zählt 6 Personen. Die im Jahr 1878 gegründete Schule Junimea I befindet sich in einem für Schulzwecke bestimmten Gemeindehaus. Die Schülerzahl ist jetzt 100. Unterrichtsgegenstände sind Hebräisch, Rumänisch und Deutsch. Ehrendirektor ist Dr. Lippe, das Aufsichtskomitee besteht aus den Herren Jacques Daniel, Rabbiner Dr. Niemirower und Speier, der Lehrkörper zählt 6 Personen. Nachdem den Juden die Staatsschulen geschlossen worden, gründete man 1893 die Kulturaschulen, die durch ihre pädagogische Trefflichkeit die öffentlichen Schulen ersetzen. Da jetzt auch Hebräisch und Deutsch unterrichtet wird, sind diese Schulen Musteranftalten. Die Schülerzahl ist etwa 550. Direktor ist Lupu Weisengrün, Inspektor Rabbiner Dr. Niemirower, zweiter Direktor Dr. Gelehrter. Der Lehrkörper zählt 10 Personen. Zur Erhaltung der Schule besteht eine Gesellschaft, an deren Spitze Leon Daniel stand. An der Spitze des Komitees stehen die Herren Weisengrün, Goldenthal, Dr. Margulies und Gelber. Im Jahr 1899 gründete die Loge „Samoil" aus Anregung des Bruders Max Caufman unter dem Ehrendirektorat i-