Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- Israelitische Wochenschrift
- Issue
- 22 (31.5.1901)
- Date
- 1901-05-31
- Page
- Seite 344 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 344 Israelitische Wochenschrift. Nr. 22 er dann fern von Heimat und Freunden in Not geraten könnte. „Es ist oft gefragt worden", heißt es zum Schluß des statistischen Berichts, „ob ein Jude ein erfolgreicher Farmer werden kann, und fast immer ist die Antwort verneinend ausgefallen; aber eine sorgfältige und unparteiische Prüfung des durch diese Kolonien ausgesührten Werks wird hoffnungsvollere Schlüsse rechtfertigen. Der Besucher bemerkt gute Wohnhäuser, verbesserte und moderne Wirtschaftsgebäude, gesunde und gutgehaltene Vorräte und wachsende Ernten, die dem Charakter des Bodens wunderbar angepaßt sind. Diese und andere der Beobachtung zugängliche Einzelheiten, die einen hohen Grad von verständig geleiteter Betriebsamkeit darthun, rechtfertigen die Behauptung, daß der Jude nicht nur ein erfolgreicher Farmer werden kann, sondern daß er es in diesen Ansiedlungen geworden ist. Die Juden, die das Farmleben beginnen, sind harte Arbeiter, die vom ersten Morgendämmern bis zu Sonnenuntergang die landwirtschaftlichen Arbeiten thun. Sie sind immer eifrig bemüht, die besten Kulturmethoden zu finden und dem Boden wachsende Ernten abzugewinnen. Der Jude kann zu einem vorzüglichen Bodenbearbeiter erzogen werden, sein schnelles Lernen, seine Anpassungsfähigkeit, seine unermüdliche Energie und große Sparsamkeit tragen die Elemente des Erfolgs in sich. Die Behauptung des Gegenteils ist nur eine Folge von Vorurteilen und nicht einer auf der Kenntnis von Thatsachen beruhenden Ueberzeugung". Isaak, Simso«, Samuel. (Betrachtung zum S a b b a t - N a ß o.) Bon I. F. Sara — das Weib des Manoa — Hanna erhalten die Zusicherung späten Mutterglücks. Sara lächelt ungläubig, Manoas Weib hat es geduldig erwartet, Hanna ist außer sich vor Freude. Die drei Alterskinder sind Isaak, der säst weiblich ist im Dulden und Nachgeben, Simson, der schweigsame Mann der That, Samuel, der beredte und begeisterte Lehrer. Isaak nötigt den Philistern Achtung ab durch sein stilles Ausdemweggehen, durch sein anspruchsloses Wesen; Simson, der Wahrhafte, ist den Feinden stets über durch seine unerschöpflichen Einfälle, durch Geistesgegenwart, durch Thatkraft, bis er endlich der Weiberlift erliegt; Samuel, das Haupt der Prophetenschulen, erzieht begeisterte Jünger, die aus Israels Vergangenheit und Zukunft schwören. Die von ihm befeuerte Schaar schlägt die Philister bei „Helsenftein" entscheidend auss Haupt. Simson, der Mann des raschen Entschlusses, des wortlosen Handelns, ist von Mutterleib an ein Nasiräer, der sich jeglichen Traubensaftes enthalten soll. Kops klar, Zunge im Zaum, Streben stark und stät. Der Wein löst die Zunge, trübt das Denken und lähmt den Willen. Darum mußte Simson ein Nasiräer sein, und darin zumeist lag das Geheimnis seiner Kraft. Als er undankbar sein Geheimnis preisgab, da war er zur Abwehr nicht mehr fähig: er wurde geblendet und mußte den elenden Philistern Späße vormachen. Welch tragisches Schicksal, daß der hilflose Löwe sich solche Fußtritte mußte gefallen lassen! Auch das hat er ihnen gründlich heimgezahlt, wie alles andere. Als sein Rätsel von dem merkwürdigen Naturspiel durch sein Weib aus Timnat verraten ist, da verläßt er sie grollend, nachdem er auf seine Art die Wette bezahlt hat. Als man den Gekränkten ziehen läßt, ohne ihn zu begütigen, ja als man sein Weib einem andern giebt, da jagt er den Philistern dreihundert Füchse mit Brandfackeln in ihre Felder. Die Fesseln, die ihm die knechtischen Judäer angelegt, um ihn den Feinden zu überliefern, streift er angesichts der zu früh triumphierenden Philister ab und richtet mit einem Eselskinnbacken eine gewaltige Niederlage unter ihnen an. Den letzten Schimpf aber hat er am empfindlichsten vergolten. Den edlen Helden wollten sie zu Narrenspoffen zwingen. Da umfaßt der Blinde mit dem Aufgebot aller seiner noch einmal zurückgekehrten Heldenkraft die Säulen des Dagontempels zu Gaza und stürzt sie und das auf ihnen ruhende Gebäude in Trümmer. Fürsten und Volk der Philister und Israels tapferster Sohn sind darunter begraben. Selbstachtung und Abwehr, nichts ruhig über sich ergehen lassen, die Menschen- und Bürgerrechte sich nicht antaften und verkümmern lassen: das kann uns Simson, der Philisterschrecken, lehren. Isaak, der nachgiebige, still seinen Weg ziehende, durch beharrliche Wirksamkeit den Beifall der übelwollenden Umgebung sich-ertrotzende, ist gewiß auch ein Vorbild, dem zu folgen bisweilen sich lohnen möchte. Samuel verbreitet als Wanderlehrer unermüdlich die Kenntnis der Lehre Israels und seiner Ideale, er verweist auf die große Geschichte seines Volks und entrollt Zukunftsbilder vor seinen Jüngern, damit sie alle wissen, wofür sie leiden und Opfer bringen. — Auch aus diesem Weg ist schon mancher bei der Fahne festgehalten, in so manchem ist das Bewußtsein geweckt worden: unsre Sache ist die gute und wird sich durchringen. Solche Sicherheit muß die Feinde entwaffnen. Mancher von uns nimmt still und anspruchslos an der bürgerlichen Arbeit teil, ohne sich um Verdächtigungen zu kümmern, ohne durch Spott und Zurücksetzung um seine Ruhe gebracht zu werden. Mancher wird durch die ewigen Nadelstiche nervös gemacht und sucht Ruhe und Selbstvertrauen zurückzugewinnen durch Vertiefung in die Literaturschätze der eigenen Nation, in die große Vergangenheit der israelitischen Geschichte. Mancher endlich braust aus in edlem Selbstgefühl und pariert mannhaft jeden Streich, der dem altehrwürdigen Volk vermeint ist.