Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- Israelitische Wochenschrift
- Issue
- 16 (19.4.1901)
- Date
- 1901-04-19
- Page
- Seite 252 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Seite 252. Israelitische Wochenschrift. Nr. 16. boxen Russen beträgt der Anteil der unehelichen Geburten 30 o/o, sodaß ungefähr jeder dritte orthodoxe Russe in Petersburg außerehelich geboren ist. Der Anteil bei den Polen ist 13 o/g, hei den Deutschen 9 %, bei den Juden 0,6 %, bei den Mohamedanern 0,3 %. St. Petersburg, 15. April. (Billige Arbeiterwohnungen.) Dem hiesigen Verein zur Errichtung billiger und gesunder Wohnungen für jüdische Arbeiter hat Herr I. A. Halpern aus Pinsk den Vorschlag gemacht, auch in dieser Stadt mit dem Bau solcher Wohnungen zu beginnen. Herr Halpern stellt zu diesem Zweck dem Verein 20 000 Rubel zur Verfügung. Es sollen vier Grundstücke bebaut werden, die je 16 Wohnungen mit Wasserleitung, Waschhaus und Garten enthalten und an arme Handwerksleute und kleine Händler vermietet werden sollen. Die Gesamtkosten sind aus 62 000 Rubel veranschlagt. Der Verein wird demnächst über den Vorschlag des Herrn Halpern beraten und event. in Pinsk ein Komitee zur Ausführung des Plans wählen. Bukarest, 15. April. (Auswanderung.) Die Herren Wolfgang Auerbach aus Frankfurt a. M. und Cohen aus London, Vorstandsmitglieder der Jüdischen Colonisationsgesellschaft, sind vor kurzem mit Herrn Wolssberg aus Hamburg hier gewesen und haben hundert jüdische Familien ausgewählt, die demnächst nach Kanada auswandern und dort eine landwirtschaftliche Kolonie bilden sollen. London» 14. April. (Blindenbehandlung.) Das „Gardner-Institut" für Blinde hat eine Broschüre mit ganz vortrefflichen Anweisungen für die Behandlung der Augen veröffentlicht. Die sehr leicht zu befolgenden Maßregeln würden in den meisten Fällen ernsthafte Augenkrankheiten und gänzliche Erblindung verhüten. Der Chies-Rabbi Dr. Adler hat die Broschüre ins Jüdisch-Deutsche übersetzt und Sorge getragen, daß sie weite Verbreitung im East-End findet. Seine dringende Mahnung, die gegebenen Lehren gewissenhaft zu beobachten, werden die jüdischen Mütter nicht unbeachtet lassem Mr. Henry I. Wilson, der Sekretär des Gardner- Instituts, und sein Bruder General-Major Sir Charles Wilson, der berühmte Palästina-Reisende, sprechen dankend ihre Ueberzeugung aus, daß die Arbeit des Chies-Rabbi segensreiche Folgen haben wird. Personalnachrichten und klerne Mitteilungen. Dem von westpreußischen Geschworenen wegen Meineids zu einem Jahr Zuchthaus verurteilte Kaufmann Jacobi in Tuchel ist durch die Gnade des Kaisers die Strafe auf ein halbes Jahr Gefängnis gemildert, auch die Aberkennung der Ehrenrechte aufgehoben worden. — Kommerzienrat Karl Berthold Simon, Chef des Bankhauses Veit & Comp, in Berlin, ist im Alter von 72 Jahren gestorben. — Herr Adolf Epler hat für die Verdienste, die er sich um die österreichisch-ungarische Gemeinschaft im Rand erworben, vom Kaiser von Oesterreich den Franz Josephsorden erhalten. — Der bekannte Philologe Professor Graziadio Ascoli hat unter großen Ehrungen seinen 70. Geburtstag und sein vierzigjähriges Jubiläum als Professor an der Universität Mailand gefeiert. — Der Direktor des Jüdisch-theologischen Seminars in New-Jork, Herr Joseph Blumenthal, ist im Alter von 67 Jahren gestorben. — Rabbiner Philipp Bender, ein großer Bibel- und Talmud - gelehrter, ist in London gestorben. Er war in Deutschland geboren und hat in verschiedenen größeren Städten Englands und Irlands als Rabbiner und Lehrer gewirkt. — Der Rektor der Universität Brüssel, Dr. A. Prins, ist zum Kommandeur des Leopold-Ordens ernannt worden. Vakanzen. Pfeddersheim, Kreis Worms. Lehrer und Sch., 400 M. Geh., fr. W., 350 M. Nebeneink. Meld. an Leo Leopold. — Wickrath, Rheinland. Rel.-L. und K., 1200 M. Geh. Meld. an L. Harff. — Stenschewo b. Posen. K. und Sch., 600 M. Geh., 200 M. gar. Nebeneink., fr. W. Meld. an Vorst. — Neustadt a. W. K., Balk., Balt., Sch., 1100 M. Geh., fr. W. Meld. an Ph. Heldt. — Egenhausen, Mittelfranken. Rel.-L., K., Sch., 1000 M. Eink. u. fr. W. Meld. an Jacob Weißmann. — Düsseldorf. Gepr. Lehrer und K. Meld. an Vorst. — Konstantinopel Elem.-L., 1700 Francs Geh., fr. W. und Heiz. Meld. an Rechtsanwalt Dr. Ad. Rosenthal. — Bütow. Kultusb.-JPred., Lehrer, K., Sch.), 1800 M. Geh., 250 M. Nebeneink. Meld. an I. Lewin. — Vacha a. W. Rel.-L., K., Sch., 11—1200 M. Eink. Meld. an I. Nußbaum. — Vegesack bei Bremen. Sem. geb. Rel.-L., K., Sch., 1400 M. Geh., fr. W., 200 M. Nebeneink. Meld. an H. D. Herz. — Jngenheim bei Landau. Hilfsk. und Scham. Meld. an Julius Weil. — Gottenbach, Kreis Berncastel. Rel- L., K., Sch., 6—700 M. Geh., 200 M. Nebeneink., fr. W. und Garten. — Meld. an M. Burg. — Landeck in Westpr. Lehrer, K., Sch., 1000 M. Geh. Meld. an C. Lachotski. — Bensheim, Sch. und Hilfsk. (orth.) Meld. an Borst. Feuilleton. Iimita. Eine Erzählung aus der spanischen Marannenzeit. Von D. S. (Fortsetzung.) „Ueberlegt es euch noch einmal, ehe ihr das letzte Wort sprecht", entgegnete der junge Gras, „ihr schlagt ein hübsches Sümmchen aus". „Ihr könnt euch alle Mühe sparen, ich will nicht". „Ich werde andere Leute finden, die mit dem Geld gern zufrieden sein werden". „Keiner rührt die Hand ohne meinen Befehl", sagte der Kapatoz, in seiner Würde als Hauptmann einigermaßen verletzt. „Ich bin der alleinige Gebieter". „Mein Vater hat mir gleich gesagt, daß wir auf diesen Widerstand stoßen würden, aber wir werden ihn schon zu besiegen wissen". „Was heißt das? Redensarten! Ich habe zu befehlen". „Ja; aber ihr müßt auch noch einem andern gehorchen, dem Hermann mayor, dem obersten Vorsteher der Gardunja". Mateo antwortete nicht, die Worte 1>es jungen Alonzo mußten ihn überraschen; er schien zu überlegen. „Nun", nahm der junge Mann wieder das Wort, „nehmt ihr mein Geld an?" „Ihr kennt also den Hermana mayor?" sagte der Kapatoz, ohne aus die letzte Frage weiter einzugehen.