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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1901-04-19 · 16 (19.4.1901) · p. Seite 251

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
Israelitische Wochenschrift
Issue
16 (19.4.1901)
Date
1901-04-19
Page
Seite 251 (sequence 11)
Language
German
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Nr. 16. Israelitische Wochenschrift. Serie 251. Berlin, 17. April. (Hilfsverein für jüdische Studierende.) Der Hilfsverein für jüdische Studierende hat seinem Bericht zufolge im vergangenen Jahr M. 34 370 zur Verteilung gebracht, 501 M. weniger als im Jahr zuvor. In der Generalversammlung, die gestern Abend stattgefunden, sind die Herren Kommerzienrat Eduard Arnhold, Geh. Sanitätsrat Dr. E. Croner, Pros. Dr. F. Liebermann, Pros. Dr. Mendel, James Simon und Geh. Medizinalrat Prof. Dr. Julius Wolf wieder in den Vorstand gewählt worden. Berlin, 17. April. (Lehranstalt für die Wissenschaft des Judentums.) Der 19. Bericht des Kuratoriums der Lehranstalt für die Wissenschaft des Judentums für das Jahr 1900 weist ein Vermögen der Anstalt von M. 229 936.75 und Jahresausgaben in Höhe von M. 22 961.80 nach. Dem Bericht ist eine wissenschaftliche Beilage beigegeben: Die ältesten^ Phasen in der Entwickelung der jüdischen Predigt, von Dr. S. Maybaum. Magdeburg, 15. April. (Verwaltungsbericht.) Der Vorstand der hiesigen Gemeinde hat den die Jahre 1897 bis 1900 umfassenden Verwaltungsbericht herausgegeben. Die Entwickelung des Etats, dessen Hauptziffern mitgeteilt sind, zeigt die Entwickelung der Gemeinde. Herr Rabbiner Dr. Rahmer hat dem Bericht eine kurze Geschichte der Gemeindereligionsschule beigegeben, die jetzt 68 Jahre alt ist. ch. Thorn, 9. April. (Ableben Nathan Leisers.) Am 2. Abend des Peßachsestes, wenige Minuten vor der für den Beginn des Gottesdienstes festgesetzten Zeit, als die Andächtigen bereits sich versammelt hatten, verschied plötzlich inmitten der Gemeinde aus seinem Synagogenplatz der Vorsteher unserer Gemeinde Herr Nathan Leiser. Ein Schlagfluß hatte seinem Leben ein Ende gesetzt. Die Festesfreude wandelte sich in tiefe Trauer und schmerzliche Teilnahme, denn der Verstorbene war allgemein geliebt und verehrt. Nathan Leiser war von seinem Vater, dem vormaligen hiesigen Rabbiner, frühzeitig in das heilige Schrifttum eingesührt und mit unauslöschlichem Eifer für die Religion der Ahnen erfüllt worden. Sein Eifer aber war von der friedfertigen und sriedenstiftenden Art, auf Erhaltung der Eintracht gerichtet. Fast ein halbes Jahrhundert hat er sich der Verwaltung der Gemeinde gewidmet, säst ein Vierteljahrhundert ist er Vorsitzender des Vorstands gewesen. Seine ausrichtige Strenggläubigkeit hinderte ihn nicht, an der weihevollen und ästhetischen Ausgestaltung des Gottesdienstes Freude zu haben, die Einrichtung eines Synagogenchors ist zum Teil sein Werk. Er sorgte für Pflege des Religionsunterrichts, er belebte innerhalb der Gemeinde das Interesse Aller an der Schaffung und Erhaltung der dem religiösen Leben dienenden Institutionen. Seine so reiche wie stille Wohlthätigkeit war vorbildlich. Am Sonntag (7.) ist er beerdigt worden. In dem Trauerhaus sprach zunächst Herr Rabbiner Dr. Rosenberg kurze, innige Abschiedsworte, gleichsam als ein Vermächtnis des Verewigten den Wunsch zum Ausdruck bringend, es möge der Geist der Liebe, der Frömmigkeit, der Wohlthätigkeit, der den Vater beseelt, in Kindern und Kindeskindern sortdauern. Herr D. Wolf legte namens des Vorstandes das Gelöbnis ab, es sollten die Kultuseinrichtungen im Sinn des Verstorbenen dauernde Pflege finden. In der Grabrede entwarf Herr Rabbiner Dr. Rosenberg ein Bild von des Dahingeschiedenen Leben und Wirken, das gesegnet gewesen und Segen verbreitet hat. Meran, 15. April. (Synagogeneinweihung.) Kürzlich hat hier die Einweihung der Synagoge stattgefunden. An der Feier beteiligten sich die Vertreter der staatlichen und Ortsbehörden und in großer Zahl die jüdischen Kurgäste aus allen Landen. In seinen Begrüßungsworten erwähnte der Vorsteher der Kultusvereinigung Herr Stransky, daß er vor 7ya Jahren namens des Kuratoriums der Königswarterstiftung das israelitische Asyl, die erste derartige Institution in Tirol, eröffnet habe. In diesem befand sich ein Betsaal, der unzureichend geworden und jetzt angemessenen und erfreulichen Ersatz in dem neuen Bethaus habe. Herr Dr. Tänzer, Landesrabbiner für Tirol und Vorarlberg, entzündete die ewige Lampe und hielt die ungemein wirkungsvolle Weiherede, die aus vielfach geäußerten Wunsch im Druck erscheinen wird. Das neue GEeshaus ist traulich und ansprechend, würdig geschmückt und zur Andacht stimmend. Lemberg, 14. April. (Dr. Bernhard Goldman.) Der kürzlich hier verstorbene Abgeordnete des galizischen Landtags Dr. Bernhard Goldman ist viele Jahre hindurch Präsideut der hiesigen jüdischen Gemeinde gewesen. Er stammte aus Warschau, war wegen Teilnahme am polnischen Ausstand in den sechziger Jahren nach Sibirien deportiert worden und nach einigen Jahren von dort entflohen. Dr. Goldman hat dann an deutschen Universitäten und in Paris studiert und sich nach Beendigung seines Studiums in Lemberg niedergelassen, wo er allgemein beliebt gewesen ist. t. Warschau, 15. April. (Statistisches.) Nach der jüngsten Zählung hatte Warschau am 1. Januar d. I. 711 988 Einwohner, darunter 254 712 oder 35,7 »/g Juden. Die polnische Bevölkerung zählt 400 395, die russische 36 659, die deutsche 20 222 Seelen. ib. Radomisel, Gouv. Kiew, 9. April. (Raubanfall.) In Deutschland weiß man wohl, daß die Juden in Rußland vielfache Erschwerungen finden, daß sie minderen Rechtes sind, daß sie zuweilen auch völliger Rechtsverweigerung begegnen. Doch hat man dort keine rechte Vorstellung von dem Maß der Rechtsunsicherheit, unter der die Juden hier zu leiden haben, sobald es einem Antisemiten gefällt, die Gesetze zu verachten. Kürzlich fuhr ein jüdischer Herr mit seiner Frau und einem Begleiter von dem Städtchen Jskerift nach Radomisel, wo er Geschäfte zu erledigen hatte. Unterwegs, auf dem Gut Rosanowska, das einem Ludwig Gurkowskt gehört, wurde der Wagen von zwei Angestellten des Gutsbesitzers angehalten. Unter Schimpfworten wurde der Herr, der die Pferde führte, gezwungen, den Wagen zum Gutshaus zu lenken, wo nicht der Besitzer, der abwesend war, sondern dessen Oekonom, den Uebersallenen in Empfang nahm, ihn mißhandeln ließ und seiner Barschaft (5 Rubel) beraubte. Die Angelegenheit ist den Gerichten übergeben. t. Petersburg, 15. April. (Praktische Ethik.) Der nichts weniger als judenfreundliche, zuweilen aber ausrichtige Fürst Meschtscherski veröffentlicht in seinem „Graschdanin" einen Nachweis der unehelichen Geburten in der Stadt Petersburg für den Zeitraum 1884—1892. Bei den ortho-

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