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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1901-04-12 · 15 (12.4.1901) · p. Seite 238

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
Israelitische Wochenschrift
Issue
15 (12.4.1901)
Date
1901-04-12
Page
Seite 238 (sequence 14)
Language
German
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Seite 238. Israelitische Wochenschrift. Nr. 16. Befriedigung bei den Festteilnehmern hervorries. Nach einleitendem Gebet gedachte er seines Heimgegangenen Vorgängers, des Rabbiners Dr. Rosenstein, der 38 Jahre segensreich in der Gemeinde gewirkt; danach entwickelte er an der Hand des Prophetentextes Maleachi III 23/24 ein Programm seiner künftigen Thätigkeit, als deren Hauptaufgabe er bezeichnete: „Zurückzusühren das Herz btt Väter zu den Kindern uud das der Kinder zu ihren Vätern." In der Natur und aus allen Gebieten des menschlichen Lebens zeigen sich Gegensätze, die an sich notwendig sind. Aus der Mannigfaltigkeit der Schicksale und Lebenslagen, aus der ungleichen Verteilung der geistigen und materiellen Güter geht jenes große, gewaltige Ringen des ganzen Menschengeschlechts hervor, dessen Summe wir bei dem Einzelnen Kamps ums Dasein, bei der Gesamtheit Kulturarbeit der Menschheit zu nennen pflegen. Redner will es sich zur Ausgabe machen, die Brücke zu spannen, die die getrennten Wege allezeit verbinden und einen heilsamen Ausgleich der Gegensätze, eine Versöhnung der verschiedenen religiösen Anschauungen zwischen Alt und Jung herbeizusühren. Dr. Loevy erwähnte sodann seine Ausgabe, zwischen den wirtschaftlich Starken und Schwachen, den Bedrängten und den Helfenden, zwischen Arm und Reich zu vermitteln, die Gegensätze möglichst in den erhaltenden Segen eines stetigen, liebevollen, herzerquickenden Ausgleichs verwandeln zu Helsen. Herr Dr. Loevy ging ferner aus das Gebiet des allgemeinen öffentlichen Lebens über und berührte zunächst das Verhältnis der jüdischen Religion zu den anderen Konfessionen, die aus dem Schoß des Judentums hervorgegangen sind. Das Herz, der Kern beider Religionen, nämlich die Ausübung der höchsten Menschenpflichten, die Betätigung der Nächstenliebe, vereint zu gleichem Wirken, und deshalb sollen die Bekenner einander die Hände reichen, wenn auch Dogmen und Gebräuche sie trennen. Endlich hob Redner das Verhältnis der Regierung zum Volk, das des Landes„vaters" zu den Landes- „kindern" hervor, und versprach, anknüpsend an die durch ihren traditionellen Patriotismus ruhmreiche Vergangenheit von Graudenz, Liebe zu Stadt und Bürgerschaft, zu Kaiser und Vaterland zu fördern. Ein stimmungsvolles Gebet für die Gemeinde, die Stadt, das deutsche Vaterland und sein erlauchtes Herrscherhaus schloß die erhebende Feier. Gailingen, 3. April. (Friedrichsheim.) Der vierte Bericht des Friedrichheims für israelitische Sieche und arme Greise ist erschienen. Das Heim hat jetzt 5 Insassen, darunter einen 93jährigen, einen 82jährigen, einen 80jährigen. DerMatdes Vorjahres balanciert mit Mark 18940.97, das Vermögen der Anstalt beträgt Mark 108786.36. An der Spitze des Instituts stehen die Herren Rabbiner Dr. Lewin, Vorsitzender, Heinrich Weil, Schriftführer, in Freiburg, Heinrich S. Epstein, Kassierer, in Eichstetten, Jacob Bernheimer in Gailingen, Julius Ettlinger in Mannheim, Anwalt Dr. Friedberg in Karlsruhe, Daniel Guggenheim z. Schloß, Leopold Jos. Guggenheim, Samuel Josef Guggenheim in Gailingen, Bened. Herzberger in Bretten, Fritz Hamburger in Karlsruhe, Jsaac Lang in Altdors, Rabbiner Dr. Löwenstein in Mosbach, Louis Marx in Bruchsal, Sigmund Netter in Heidelberg, Ludwig Rothschild in Gailingen, Dr. Rothschild in Randegg, Anwalt Dr. Staadecker in Mannheim, Emanuel Strauß in Merchingen, Moritz Strauß in Tauberbischossheim, Leo Wertheimer in Bühl und Joses Zimmern in Mannheim. Vakanzen. Willmar a. Lahn. Rel.-L., K., Sch. (ledig) 750 M. Geh., 250 M. Nebeneink. Meld. an H. Cron. — Eichst et ten. Rel.-L., K., Sch., 1200 M. Geh., fr. W., 8OO M. Nebeneink. Meld. an Bezirks-Synag. Freiburg i. B. — Wickrath, Rheinland. Rel.-L. und K., 1200 M. Geh. Meld. an L. Harff. — Pfoddersheim, Kreis Worms. Lehrer u. Sch. 4OO M. Geh., fr. W., 350 M. Nebeneink. Meld. an Leo Leopold. — Egenhausen, Mittelfranken. Rel.-L., K., Sch. (ledig), 1000 M. Eint.- u. fr. W. Meld. an Jacob Weißmann. — Bens he im. Hilfsk. u. Sch. (orth.) Meld. an Vorstand. — Vacha a. W. K. u. Sch. 1100—1200 M. Eink. Meld. an I. Nußbaum. Feuilleton. Manitu. Eine Erzählung aus der spanischen Marannenzeit. Bon D. S. (Fortsetzung.) Enriquez hüllte sich in das weiße Tuch und sagte mit ernster, tiefbewegter Stimme zu den Umstehenden: „Meine Brüder, laßt uns beten". Und er begann leise, aber feierlich und inbrünstig das Abendgebet anzustimmen. Die Versammlung antwortete in derselben Weise. Es war ein fremdartiges, feierliches und ergreifendes Schauspiel, diese betenden Männer mit den bleichen, ernsten Gestalten abgeschieden von aller Welt zu erblicken, rings umgeben von Geheimnis und Finsternis, Gefahr und Todesseindschaft. Das drohende Gewölbe, das sich über ihnen befand, war gleichsam ein treues Bild der Gefahren, die ohne Unterlaß über ihren Häuptern schwebten; aber wie ihre Gebete trotz der Felsen zum Himmel emporstiegen, so glänzte die Reinheit ihres Glaubens vor dem Herrn, sogar unter den äußeren Zeremonien eines anderen Kultus, der in ihren Augen als Götzendienst erscheinen mußte. Jetzt beugten sie sich unter der Hand des Höchsten, die schwer auf ihnen lastete; aber ihre Kraft wurde durch die Größe der Opfer, die sie brachten, merkwürdig gestählt; sie fühlten ihre Größe in den schrecklichen Gefahren, denen sie mutig die Stirn boten, um noch einmal den Vorschriften ihres wahren Glaubens zu erfüllen; und sie waren stolz daraus mitten im Elend, sie, die wenigen Unglücklichen, trotz der Martern und Verfolgungen, Gott nach seinen Geboten zu verehren, mit Verachtung der Scheiterhaufen ihrer unzähligen, allmächtigen fanatischen Feinde, die unversöhnlich waren in der Verfolgung, ohne Erbarmen bei der blutigen Strafe. Als das Gebet zu Ende war, nahm der Mönch das Tuch ab, wandte sich um und bedeutete die Anwesenden durch ein Zeichen, daß er sie sprachen wolle. Alle scharten sich schweigend um ihn, und Enriquez redete sie halblaut folgendermaßen an: „Brüder, ich habe euch hierher kommen lassen, um noch einmal das hohe, aber allzugesährliche Glück zu genießen.

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