Mannheim
Compact Memory

Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1901-04-05 · 14 (5.4.1901) · p. Seite 222

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
Israelitische Wochenschrift
Issue
14 (5.4.1901)
Date
1901-04-05
Page
Seite 222 (sequence 14)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/5369809-9607691-9605241-9605362--8139-9605376
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Seite 222. Israelitische Wochenschrift. Nr. 14. geb. Rel.-L. u. K. Meld. an Sim. Kaufmann. — Bütow. Gepr. Lehrer (Pred.), K., Sch., 1800 M. Geh., 250 M. Nebeneink. Meld. an I. Lewin. — Cörlin a. Pers. Rel.^L., K, Sch., 1100 bis 1200 M. Eink. und fr. W. Meld. an Egmont Joseph. — Kolmar i. P. Sch. und K. Meld. an I. Simon. Feuilleton. Jimita. Eine Erzählung aus der spanischen Marannenzeit. « Von D. S. (Fortsetzung.) Eine Viertelstunde später war alles im Hause Diegos wieder ruhig wie zuvor. Bruder Euriquez hatte durch eine verborgene Hinterthür das Freie erreicht. Als Mönch und besonders als Mitglied der Inquisition konnte er sich jederzeit an jedem Ort zeigen, ohne daß seine Anwesenheit Aufsehen erregte. Aber während Diego die umfassendsten Vorsichtsmaßregeln gegen die Unternehmungen seiner furchtbaren Feinde traf, schwebte schon eine neue Gefahr über ihm und den Seinigen, nämlich die Rache des Grafen von Ramira. Dieser schmeichelte sich, daß es noch immer in seiner Macht läge, die so sehr erstrebte Verbindung seines Sohnes Alonzo mit Juanita, die den zerrütteten Vermögensverhältnissen seines Hauses aushelfen sollte, trotz aller Hindernisse herbeizuführen. Er glaubte umsomehr daraus rechnen zu können, als Diego mit keinem Wort die Gerüchte, nach denen er seine Tochter mit Fernando verheiraten sollte, bekräftigt hatte. Aber die Ursachen, aus denen Diego geschwiegen hatte, existierten nicht mehr, als er erst die Versicherung hatte, daß im Geheimen die Ehe der jungen Leute nach den Vorschriften seiner wahren Religion würde vollzogen werden können- Deshalb hatte er auch nach der Ankunft seiner Freunde in Saragossa öffentlich von der bevorstehenden Verbindung Fernandos und Juanitas gesprochen, und die Hochzeit sollte bald nach Beendigung der öffentlichen Festlichkeiten stattfinden. Bei dieser Nachricht war der Zorn des Grafen von Ramira ohne Grenzen; alle Wunden seines schwer gekränkten Stolzes öffneten sich von Neuem, und er beschloß die Beleidigung, die man seinem Namen, auf den er als echter Spanier ungemein stolz war, angethan hatte, blutig zu rächen. Aber die Habsucht des Grafen war noch bedeutend größer, als sein Stolz, und die Not, die ihn bedrängte, zwang ihn mit aller Kraft nach einem Mittel zu suchen, das zu gleicher Zeit seine Rachsucht und Geldgier zu befriedigen im Stand war. Eine Denunziation Diegos bei der Inquisition war nicht der Weg, zu diesem doppelten Ziel zu gelangen; das heilige Offizium besaß das privilegierte Recht, die Güter der Ketzer in seinem eigenen Interesse zu konfiszieren; übrigens begnügte sich der furchtbare Gerichtshof nicht damit, ein einziges Familienglied dem Tode zu weihen, die Kinder teilten fast immer das unglückliche Los ihrer Eltern und Juanita wäre in Diegos Sturz verwickelt worden. Außerdem war der Graf, wie viele arragonische Edelleute, ein unversöhnlicher Feind der Inquisition; die Einführung dieses Gerichtshofs, seine Prozeßordnung, seine Gütereinziehungen waren offenbar Verletzungen der Rechte, die der Provinz durch ihre alte Verfassung zugesichert waren. Der Gras dachte daher keinen Augenblick an eine derartige Rache; aber die Gardunja war ja noch da, die ihre Dienste einem jeden, der sie bezahlen konnte, gern zu verkaufen erbötig war. Anfangs wollte er Fernando durch den Dolch der Strauchräuber fallen lassen; diese That hätte zwar die beabsichtigte Ehe verhindert, aber der Vater hätte trotzdem noch bei seiner Weigerung verharren können; es galt also erst dessen Widerstand zu brechen, Diego mußte zuerst fallen. War dieses Hindernis beseitigt, so besaß der Gras Einfluß genug, um durch Geschicklichkeit und Jntriguen das gewünschte Ziel schnell zu erreichen. 6. Indessen maren die Festlichkeiten in Saragossa zu Ende gegangen, und die zahlreichen Provinzialen, die sich dazu eingefunden hatte'.», begannen in ihre Heimat zurückzukehren. Alle Landstraßen und Wege in der Nähe der Stadt waren mit heimkehrenden Reisenden bedeckt, die sich zur Sicherheit gegen die Ueberfülle von Räubern und Dieben zu größeren Karawanen vereinigt hatten. Eines Abends waren auch Diegos Freunde abgereist, und Fernando hatte ihnen bis vor die Stadt das Geleit gegeben; wie die anderen Reisenden schlugen sie die Richtung ein, in der sie nach ihren Wohnorten gelangen mußten. Aber wer sie aufmerksamer beobachtete, würde bemerkt haben, wie sie zu je zwei bis drei nach und nach die geebneten Wege verließen und sich in den niedrigen Gebüschen, die die steilen Bergabhänge bedeckten, zu verbergen suchten. Sv zerstreuten sie sich allmählich, die einen nach rechts, die andern nach links, und schienen eifrig ihren Weg sortzusetzen. Aber als die dunkle schweigende Nacht gekommen war, fanden sie sich in der Nähe der Stadt wieder. Mit größter Vorsicht und mit Vermeidung jedes verräterischen Geräuschs wanden sie sich durch die dichten Gebüsche hindurch und kamen nach einander an dem längst bekannten Versammlungsplatz an. Es war ein verlassener und verdächtiger Ort, den man „die Ruinen" nannte. In der That befanden sich daselbst die Ueberreste eines römischen Tempels, der irgend einer römischen Gotth eit geweiht gewesen war; aber die Jahrhunderte hatten diese ehrwürdigen Trümmer mit einer dichten und üppigen Vegetation umsponnen, die in dem Erdreich, das nach und nach von dem jetzt blosgelegten felsigen Gestein herabgeglitten war, Wurzel geschlagen hatte. Allmähliche Einstürze hatten noch dazu den Boden gedüngt, auf dem nun eine Unmasse hoher Gräser, unentwirrbarer Schlingpflanzen und stachliger Dornengewächse helvorschossen, die den Zutritt zu diesem Ort jedermann abschnitten. Der Aberglaube verlegte hierher den Versammlungsplatz böser Geister,' wo die Hexen ihren Sabbat feiern und um Satanas, ihren Herrn und Meister, d.en höllischen Reigen tanzen.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.