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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1901-04-05 · 14 (5.4.1901) · p. Seite 223

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
Israelitische Wochenschrift
Issue
14 (5.4.1901)
Date
1901-04-05
Page
Seite 223 (sequence 15)
Language
German
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Nr. 14. Israelitische Wochenschrift. Seite 223. Die Neuchristen, die sich hier vereinigten, um im Dunkel der Nacht die Gebräuche der jüdischen Religion zu beobachten, waren nicht die letzten gewesen, die zur Verbreitung dieses Aberglaubens nach Kräften beitrugen; es war dies das beste Mittel, Neugierige und Spione dauernd fern zu halten. Bei Tage ging man bei den Ruinen nicht vorbei, ohne das Zeichen des Kreuzes zu machen, und selbst die kühnsten Männer würden fich bei Nacht nicht in ihre Nähe gewagt haben. In der Tiefe der Ruinen, unter den eingestürzten Galerien und den geborstenen Schwibbogen hielten die Marannen in einer von der Natur vertieften, geräumigen Höhlung ihre heimlichen Zusammenkünfte. Diese Vertiefung bildete einen unzugänglichen Schlupfwinkel für alle die nicht genau mit den Krümmungen bekannt waren, die ihren Eingang verbargen. Wenn man sich durch den dichten Gürtel von Gebüschen und Sträuchern hindurch gearbeitet hatte, gelangte man durch eine enge, von einigen verwitterten Säulenschäften gedeckte Oeffnung in einen unterirdischen Gang. Anstatt diesen Gang zu verfolgen, der in ein wahres Labyrinth auslief, mußte man sich an einer bestimmten Stelle scharf nach links wenden, eine verfallene Stiege, die durch ungeheure Steinblöcke gebildet ward, hinaus- und an der andern Seite wieder hinabsteigen; unten angelangt, befand man fich vor einer Oeffnung, durch die man nur in gebückter Stellung hindurch gehen konnte; man wandte sich nochmals nach rechts und kam endlich durch einen neuen Gang an den Versammlungsort. Es war, wie gesagt, eine Art Höhle, deren Fußboden vom Felsen gebildet ward; früher war sie beinahe zu klein gewesen für die Marannen, die sich hier zum geheimen Gottesdienst versammelten; aber Auswanderung und Scheiterhaufen hatten in merklicher Weise die Zahl derer abnehmen lassen, die es wagten, diesen Zeremonien beizuwohnen, die im Lause der Zeit immer gefährlicher und deshalb auch stets seltener geworden waren. In der Mitte der Höhle befand sich eine kleine steinerne Erhöhung, die zur Verlesung des heiligen Gesetzes diente; dort hatte man die einzige Lampe angebracht, die die Szene beleuchtete und ihr unheimliches Licht auf die niedrige Wölbung des Felsens fallen ließ. Um diesen Tisch hatten sich die Marannen in der Reihenfolge, in der sie angekommen waren, schweigend gruppiert. Zwei von ihnen hielten sich am Eingang der Höhle; jedesmal, wenn ein neu Angekommener eintreten wollte, setzten ihm beide gleichzeitig ein Schwert an die Kehle; der so Bedrohte mußte dann, ohne ein Zeichen des Schreckens zu verraten, ruhig und leise das Losungswort „lo ammi“ geben, wo nicht, war er ein Verräter und mußte sterben. Indessen fand sich eine gewisse Anzahl von Marannen in der Höhle vereinigt; hier begegneten sich nicht nur Fernando und Diegos Freunde, sondern auch andere ihrer Glaubensgenossen, die in verschiedenen Städten Arragoniens zerstreut wohnten, hatten die Umstände benutzt, um sich in Saragossa zu sehen und sich dann in den „Ruinen" mit ihnen zum Gebet zu versammeln. Da waren Adelige, Bürger, Männer aus dem Volke, Handwerker, Mönche, auch einige Diener der Inquisition. * Sie unterhielten sich mit leiser Stimme. Es war schon lange her seit der letzten Versammlung. Viele, die damals anwesend gewesen waren, fehlten heute. Die einen hatten Spanien verlassen können, sie waren die Glücklichsten; andere hatten nicht zu kommen gewagt; einige waren gestorben, andere waren in die Hände der Inquisition gefallen und als Märtyrer für ihren Glauben umgekommen; manche schmachteten in den Gefängnissen, ihr Los war Folter und Scheiterhaufen. In diesem Augenblick wandten sich aller Augen nach dem Eingang der Höhle; Bruder Enriquez trat soeben ein. Er näherte sich langsam der Gruppe, begrüßte die Anwesenden durch ein stummes Zeichen, und alle scharten sich um ihn mit einer gewissen Ergebenheit. Enriquez hatte sein Kreuz abgelegt, er entfernte einen Stein unter dem Tisch und holte ein Gebetbuch und ein weißwollenes Tuch hervor; die anderen Marannen nahmen ebensolche Bücher aus verschiedenen Verstecken, während zwei von ihnen einen Stein von der Felswand abgleiten ließen, hinter dem nun eine Nische zum Vorschein kam, die zur Aufbewahrung der heiligen Gesetzrollen diente. (Fortsetzung folgt). Brief- und Lragekaslen. Herrn I. B. in B. Ist gern geschehen. Warum aber kam die Mitteilung nicht zwei Tage früher? — Herrn O. H. in H. a. S. Kam für die vorige Nummer zu spät. — Herrn Dr. N. in I. Diesmal mußte ich wohl! Schönsten Gruß. — Herrn G. Eh. in Th. Ich kenne die Stelle nicht, weiß auch nicht, welche Personen maßgebend sind. Wenn Herr W. mich aussucht, will ich mit ihm darüber sprechen. — Herrn L. G. in K. Brief von S. steht noch aus. Das Uebrige nach Ihrem Wunsch. In Preislagen von IM. 1,80, 1,40, 1,50, 1,60, 1,70, 1,80, 1,90, 2.00 per Va Ko Als anerkannt vorzüglichste Marke empfohlen. |"|DS /]) unter Aufsicht Sr. Hochwürden des Herrn Rabbiners Dr. Plato, Köln Gebrannte Köftcc$ Der Gesamtauflage dieser Nummer liegt ein Prospekt der Buchdruckerei Max Schmersow vorm. Zahn & Baendel in Kirchhain N.-L. bei, welche sich besonders der Psiege vorderasiatischer und orientalischer Drucke widmet. Dieselbe hat als hebräische Druckerei einen alten guten Ruf und sind zahlreiche Gebet- und Lehrbücher jüdischer Gemeinden und Lehranstalten dort gedruckt worden, weshalb wir auch an dieser Stelle auf beiliegenden Prospekt Hinweisen. Verantwortlich für den redaktionellen Teil: M. A. Klausner, für den Inseratenteil: Max Schaffer in Berlin.

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