Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- Israelitische Wochenschrift
- Issue
- 14 (5.4.1901)
- Date
- 1901-04-05
- Page
- Seite 221 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Nr. 14. Israelitische Wochenschrift. Seite 221. ist von Herrn Rabbiner Dr. I. Guttmann erstattet worden. Der Bericht erzählt von redlichem Wollen, eifrigem Streben und gutem Erfolg, dessen Steigerung zu erreichen alle Kräfte angespannt bleiben. Auch Herr Rabbiner Dr. Rosenthal hat den Jahresbericht über das Schuljahr 1900—1901 der seiner Leitung unterstehenden Religions-Unterrichtsanftalt I erstattet, der von Schwierigkeiten und ihrer Ueberwindung und von gedeihlicher Arbeit bescheiden Zeugnis ablegt. Königsberg, 31. März. (Vom Religionsunterricht.) Rabbiner Dr. Vogelstein hat den 34. Bericht über den Religionsunterrichtder hiesigen Synagogengemeinde für das Schuljahr 1900—1901 herausgegeben. Der Bericht konstatiert ein erfreuliches Wachstum in der Teilnahme am Religionsunterricht, die steigende Fürsorge, die die Gemeindebehörden der überaus wichtigen Angelegenheit zuwenden, verschweigt aber auch nicht, daß noch manches verbesserungsbedürftig ist. Dem Bericht ist eine Abhandlung „Das Judentum eine Religion der Schule" von Rabbiner Dr. Felix Perles vorausgeschickt. Die Abhandlung zeigt sachgemäß und eindringlich, wie großen Wert unsere Religionsgemeinschaft allezeit auf die Schule gelegt hat und legen muß. Basel, 1. April. (Jüdisches Waisenhaus.) Aus freiwilligen Beiträgen soll demnächst hier ein jüdisches Waisenhaus errichtet werden. Der Präsident der jüdischen Gemeinde, Dreyfuß-Neumann hat als erster Spender 10,000 srcs., sein Sohn Herr Dreysuß-Brodsky 15,000 srcs. und eine ungenannte Dame 25,000 srcs. dafür gezeichnet. Paris, 31. März. (Jüdisches Mädchenheim.) Das vor zwei Jahren hier begründete jüdische Mädchenheim, das alleinstehenden Mädchen und Frauen, besonders Lehrerinnen, Handlungsgehilfinnen und Arbeiterinneu, bei der Erlangung geeigneter Stellungen behilflich ist und ihnen bis zu ihrer anderweitigen Unterbringung Wohnung und Verpflegung gewährt, hat während seines Bestehens schon 400 jüdischen Mädchen Stellung und die Möglichkeit verschafft, selbst ihren Unterhalt zu verdienen. Die bisherigen Räume des Heims haben sich als zu klein erwiesen; es hat ein zweites Haus dafür gemietet werden müssen. Dieses Heim nimmt auch Ausländerinnen aus. Es wird von der Baronin Salomon von Rothschild, den Herren Rothschild Fi eres und der Alliance Jsraelite unterhalten. Mitau, 31. März. (Auszeichnung.) Der hiesige Rabbi Hirsch Nurock hat aus einen Bericht des Ministers des Innern vom Zaren die Erlaubnis erhalten, in jedem beliebigen Teil des russischen Reiches die Funktionen eines Kronrabbiners auszuüben. Rabbi Nurock ist einer der tüchtigsten russischen Talmudgelehrten und einer der wenigen orthodoxen Rabbiner, die neben großer Talmudgelehrsamkeit auch die weltlichen Wissenschaften studiert haben. Jassy, 29. März. (Die Fortdauer der Not.) Der Winter ist vorüber; neue Kraft zieht ein in jedes Menschenherz. Nur der rumänische Jude seufzt und kann den Frühling nicht genießen. Tausende und Abertausende können trotz der großartigen Hilfsaktion der ausländischen Philanthropen den bittern Kamps mit der Not nicht weiter führen. Die Kunde, daß die Hilfsmittel für die rumänischen Juden bereits erschöpft sind, daß man im Ausland vielfach glaubt, die rumänische Judentragödie sei bereits ihrem Ende nahe, hat hier wie im ganzen Land Schrecken verursacht. Wenn jctzt, wo die Volksküchen Witwen, Waisen, Emigrantenfrauen und arbeitslose Handwerker speisen, wo die Hilfskomitees überall leihen, schenken, retten, Helsen, wo ein Vertreter der Alliance im Land weilt und Thränen trocknet und Kummer mildert, das Elend Vieler zum Himmel schreit, wie wird es e.st sein, wenn dieser Strom der Menschenliebe und Stammestreue, der aus Deutschland, Frankreich, Oesterreich und England zu uns fließt, plötzlich gedämmt und gehemmt werden wird? Die Volksküchen sollten überhaupt eine bleibende Einrichtung werden. Wer Gelegenheit hat zu sehen, welcher Segen diese Anstalt bei uns in Jassy z. B. für Hunderte armer, jüdischer Kinder ist, wie viele Arbeiter vom Hungertod gerettet werden, wie der Präsident des Hilfskomitees, Herr A. S. Goldenthal, umgeben von einer Schar begeisterter Jünglinge, in dieser Volksanstalt wirkt, wird es verstehen, wie wichtig es ist, daß man diese Volksküchen erhält, bis eine Zeit kommt, in der die rumänischen Juden aus eigener Kraft im Stand sein werden, diese vor Untergang zu bewahren. Man hofft hier aus Erfüllung des Wortes unseres ehrwürdigen Rabbiners Dr. Niemirower: „die ausländischen Philanthropen werden sicherlich nicht so schnell die Hilfsaktion abschließen und „dajenu" sprechen, unsere wenigen Reichen im Land werden gewiß zu helfen suchen und nicht blos ein zufriedenes „dajenu" über die Großthaten des Auslandes verkünden, und unsere unglücklichen Armen werden an den Sederabenden jede Offenbarung der Menschenliebe unserer Glaubensgenossen preisen und ein dankvolles „dajenu" ertönen lassen." Personalnachrichten und kleine Mitteilungen. Die Herren N. M. Rothschild und Söhne in London haben für das projektierte Nationaldenkmal für die Königin Viktoria 2100L. St. beigetragen. — Der Generalarzt des dritten türkischen Armeekorps in Salonichi, Dr. Jacques Nissim Pascha ist zum Divisionsgeneral ernannt worden. Er ist der erste Jude, der eine so hohe Stellung im türkischen Landheer erlangt hat. — Die Stadt Großwardein in Ungarn hat einen Juden, Ludwig Gerö, zum Polizeichef gewählt. — Der Sohn des Rechtsanwalts Narcisse Leven, Vorsitzender der Alliance Jsraelite und der Jewish Kolonisation Association, Hauptmann Georges Leven in Paris hat sich mit Fräulein Jeanne Guastalla vermählt. Der Trauung in der Synagoge der Rue de la Victoire wohnten die Spitzen der Pariser Gesellschaft bei. — In Glasgow ist der Grundstein zu einer neuen im südlichen Teil der Stadt zu errichtenden Synagoge gelegt worden. — In einem Nebengebäude der Notting - Hill- Synagoge in London ist ein neues Erholungsheim für jüdische Arbeiterinnen eröffnet worden. Herr Moses David hat dieses Heim zum Andenken an seine verstorbene Tochter errichtet, nach der es den Namen erhalten hat: Beatrice-Club für arbeitende Mädchen. Vakanzen. Willmar a. Lahn. Rel.-L, K., Sch. (ledig), 1750 M. Geh., 250 M. Nebeneink. Meld. an H. Cron. — Eichstetten. Rel.-L., K., Sch., 1200 M. Geh., fr. W., 800 M. Nebeneink. Meld. an Bezirks-Synag. Freiburg i. B. — Tütz, Westpr. Rel.-L., K., Sch., 900 M. Geh., fr. W., 300 M. Nebeneink. Meld. an H. Pincsohn. — Essek - Oberstadt. Oberrabb., 3000 Kronen ' Geh. und sr. W. Meld. an Vorst. — Andernach a. Rh. Sem.