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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1901-04-05 · 14 (5.4.1901) · p. Seite 219

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
Israelitische Wochenschrift
Issue
14 (5.4.1901)
Date
1901-04-05
Page
Seite 219 (sequence 11)
Language
German
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Nr. 14. Israelitische Wochenschrift. Sorte 219. gestrichene Position für Reparaturen mit M. 8000 wieder einzustellen. Auch seitens des Vorstandes ist Bereitwilligkeit vorhanden, wenigstens einen Teil des geforderten Betrages für dringliche Reparaturen, M. 5000, zu bewilligen, die weiteren Arbeiten aber mit Hilfe der Baukommission aus dem allgemeinen Fonds für Reparaturen an Grundstücken aussühren zu lassen. Herr Louis Sachs (lib.) betont, daß eben nur dringliche Reparaturen von dem verlangten Betrag bestritten werden sollen. Im Vorjahr seien abzüglich der Lasten für Gas-, Wasser- und Kanalisationsabgaben, die auch in diesem Jahr wieder mit M. 3000 eine besondere Position bilden, M. 7995 dafür verausgabt worden, weshalb es nur billig sei, die runde Summe von M. 8000 zu bewilligen. Würde man nur M. 5000 einstellen, so würde der Etat wieder überschritten werden müssen, da man im Interesse der Kranken Reparaturen sofort vornehmen müsse und nicht erst den bureaukratischen Weg durch die Baukommission gehen könne. Um spätere unliebsame Debatten über Nachbewilligungen im Krankenhaus-Etat zu vermeiden, beantragt Herr Loewe (lib.), die M. 8000 unverkürzt einzustellen und dafür den allgemeinen Fonds für Reparaturen für das 1 Etatsjahr um das es sich ja beim Krankenhaus zunächst nur handle, von M. 60 000 auf 52 000 zu reduzieren. Also wird mit 7 gegen 6 Stimmen beschlossen. — Bei der Position für Beschaffung von Koscher-Fleisch (15 750) weift Herr Löwenberg (kons.) daraus hin, daß die Schlächter durch die Aussicht des Rabbinats keine Mehrkosten haben, da sie die geringen Beträge, die sie an die Gemeinde entrichten, von den Engros-Schlächtern erstattet bekommen. Es sei also falsch, wenn seitens der Koscherfleischhändler die höheren Preise durch die Abgaben an die Gemeinde erklärt würden. — Neu eingestellt ist in den Etat noch die Position für das neue Fürsorge-Institut in Repzin mit M. 3500. Alles andere wird genehmigt und der Rest des Etats alsdann in geheimer Sitzung erledigt. bg. Berlin, 31. März. (Gedenkfeier.) Die Trauerfeier für die beiden im vorigen Jahr verstorbenen Vorstandsmitglieder der „Deutschen Gesellschaft für Ethische Kultur", Geheimer Sanitätsrat Dr. Samuel Kristeller und Bildhauer Hugo Rheinhold, die am 25. März abends 87a Uhr im Bürgersaal des Rathauses stattsand, nahm erhebenden Verlauf. Rednerpult und hintere Wand des prächtigen Saales waren mit schwarzen Stoffen dekoriert, rechts und links erhoben sich aus einem Palmen- und Orangenhain die Bilder der beiden Verstorbenen. Nach einem weihevollen Musikstück hielt Geheimrat Professor Dr. Wilhelm Foerfter, Direktor der Berliner Sternwarte, seine Gedächtnisrede. Er schilderte das segensreiche Wirken der trotz des großen Altersunterschiedes in inniger Freundschaft mit einander verbundenen beiden Männer. Geheimer Sanitätsrat Kristeller, der ein Alter von mehr als achtzig Jahren erreichte, stammte aus dem Osten des Reiches, Rheinhold, der kaum achtundvierzig Jahre alt wurde, war am Rhein zu Haus. Kriftellers Wirken als Arzt und seine gemeinnützige Thätigkeit, besonders im Interesse der Glaubensgenossen, ist bekannt. Auch die Musen hatten seine Stirn _ geküßt, wie aus seinen zahlreichen poetischen Schöpfungen! hervorgeht (zum größten Teil metrische Uebersetzungen aus l „Pirke Aboth" und anderen Werken der jüdischen Vorzeit). * Geheimrat Foerfter las Einiges daraus vor und bemerkte dabei, wie sich in diesen alten Denkmälern jüdischer Literatur ein ties ethischer Geist zeige, derselbe Geist, der Kristeller in seinem ganzen Leben und Wirken leitete. Hugo Rheinhold, der zuerst Kaufmann gewesen war, als solcher mehrere Reisen nach Amerika machte und große Erfolge erzielte, wurde durch einen herben Schicksalsschlag veranlaßt, seinen Gedanken und seiner Thätigkeit eine gänzlich andere Richtung, als bisher, zu geben. Nach Jahren des Kämpfens und Harrens hatte er endlich ein heißgeliebtes Mädchen als Gattin heimführen dürfen, aber schon nach anderthalb Jahren wurde sie ihm durch den Tod wieder ent- I rissen. Nun verließ Rheinhold — als Neunundzwanzigjähriger — den Kausmannsstand und ging nach Berlin, um hier zu studieren und sich gemeinnützigen Werken zu widmen. Dadurch wurde er mit Dr. Kristeller bekannt, mit dem ihn bald innige Freundschaft verband. Gemeinsam arbeiteten die beiden Männer für die soziale Hebung des jüdischen Stammes. Mit Begeisterung halsen sie, als 1891 Felix Adler (auch aus jüdischen! Stamm entsprossen) aus Amerika gekommen war, diesem mit andern gleichgesinnten Männern und Frauen die „Deutsche Gesellschaft für Ethische Kultur" begründen. Von dieser Gesellschaft erhofften sie, gegenüber den Trennungen, die durch die Verschiedenheit der Nationalitäten und der Konfessionen in der Menschheit hervorgebracht werden, das Menschen- und Völkerverbindende; der Menschheilsgedanke, die Einigung, die Erlösung von Haß und Vorurteilen war diesen Männern das höchste Ideal. Und dabei waren sie getreue Kinder ihres Stammes, dessen Geschichte, dessen Tradition sie hochhielten. Kein Zufall sei es, meinte der Redner, daß diese Männer, die so viel für den Menschheitsgedanken gethan haben, aus jüdischem Stamm entsprossen seien. Denn das Judentum habe eine völkerverbindende Mission. Aus dem Schoß des Judentums sei die abendländische Kultur hervorgegangen; aus dem Judentum mit seinen großen Traditionen, mit seinen hohen sittlichen Idealen werde einst die Menschheitsverbrüderung hervorgehen. Aber Beide, Juden und Nlchtjuden, müßten sich bemühen, durch gegenseitige Achtung diesen Idealen zum Sieg zu verhelfen. Die Juden dürsten nicht in die Fehler ihrer Gegner verfallen, indem sie deren Rohheiten nachzuahmen suchten. Der Verein jüdischer Studenten z. B. suche mit der Waffe in der Hand sich Achtung zu verschaffen. Gewiß gelinge ihm das bei den Leuten, die die rohe Kraft höher als den Geist bewerten. Aber nicht die Gewalt, sondern die Gesittung werde endlich siegen. Der Redner wies auch noch aus die Bildwerke Rheinholds, der erst in verhältnismäßig späten Jahren sich dem Bildhauerberuf zugcwandt hatte. Eins von ihnen, die wundervolle, rührende Marmorgruppe „Am Weg" hat einen Platz in der Kgl. Nationalgalerie zu Berlin gefunden. Alle Schöpfungen Hugo Rheinholds drücken das tiefe ethische Empfinden dieses Künstlers und edlen Menschen aus. Auch in seinen Schriften hat er diesem Empfinden Ausdruck verliehen. Gesang und Harmoniumspiel schlossen die Feier. (Es ist hier nicht die Gelegenheit, gegen die Aeußerung des Herrn Prof. Förster über den Verein jüdischer Studenten zu polemisieren. Wir wollen nur seststellen, daß

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