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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1901-04-05 · 14 (5.4.1901) · p. Seite 217

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
Israelitische Wochenschrift
Issue
14 (5.4.1901)
Date
1901-04-05
Page
Seite 217 (sequence 9)
Language
German
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Nr. 14. Israelitische Wochenschrift. Seite 217. Sie war noch sehr jung, erzählt die Glücket, und hat den Unterschied zwischen Hamburg und Hameln, der Heimatstadt, in der sie von allen gekannt wurde, und dem kleinen, gott- und weltverlassenen, trübseligen Oertchen wohl empfunden, aber wenn sie am Morgen um drei Uhr, während noch die dunkle Winternacht alle Dinge in ihre kalten, grauen Schleier hüllte, in der Wohnstube, die neben ihrer Schlafkammer lag, die Schritte ihres Schwiegervaters hörte, und vernahm, wie er auf- und abgehend ein Lied vor sich hinsummte, da versank alle Sehnsucht und aller Kummer in dem einzigen Gefühl der unendlichen Liebe zu diesem alten Mann. Ein Jahr lang lebte sie in Hameln, dann zog sie mit ihrem Mann nach Hamburg, wo sie noch ein Jahr bei ihren Eltern wohnte und dann eine eigene Wohnung für 50 Reichsthaler Miete „heuerte". Aus dieser ersten Hamburger Zeit erzählt Glücke! manche heitere Episode: Wie sie und ihre Mutter zu gleicher Zeit ein kleines Töchterchen bekamen, wie beide in derselben Wohnstube lagen, wie einmal die Kinder verwechselt wurden, und tausend andere Details, die uns das Leben der damaligen Zeit besser verdeutlichen als manche gelehrte Kulturgeschichte. Alle Ereignisse ihres kleinen Lebens sind ihr treu in Erinnerung geblieben, allen Menschen, die ihr begegneten, bewahrt sie ein herzliches Gedenken. Sie spricht von ihren Dienstleuten mit freundlicher Anerkennung, und sie scheint ihnen eine teilnehmende, gute Herrin gewesen zu sein. Ihr Mann Chajjim Hameln war ein tüchtiger Geschäftsmann, der sich in die ungewohnten Hamburger Verhältnisse bald hineinfand. Glückel erzählt, daß er eigentlich nur mit Edelsteinen handelte, aber da damals die Mode der Goldketten herrschte, so begann Chajjim auch Gold aufzukaufen, umarbeiten zu lassen und mit reichlichem Gewinn zu verhandeln. Liebevoll gedenkt sie seiner trefflichen Eigenschaften und mit stolzer Freude erzählt sie, daß er nichts unternahm, ohne sich vorher mit ihr zu bereden oder zu beraten. Als ihr Töchterchen zwei Jahre alt war, wurde ihnen der erste Sohn geboren, und die Freude der Eltern soll unbeschreiblich gewesen sein. Am Schluß dieses zweiten Buches posiert die gute Glückel wieder ein ganz klein wenig. Sie bittet nämlich um Entschuldigung, wenn sie etwa Dummheiten geschrieben hätte, aber im Inneren unseres Beifalls gewiß, beendet sie dies Buch nur, um gleich frisch und fröhlich zur Feder zu greifen und im dritten Buch mit der Geschichte ihrer Erlebnisse sortzusahren. (Fortsetzung folgt.) Sprechsaal'. Me Uttkinigung der Kultusbeamte». Polzin, 31. März 1901. Die geehrte Redaktion ersuche ich höflichst, folgenden Zeilen im Sprechfunk-ein Plätzchen zu gewähren. Ich glaube, im Sinn aller Kultusbeamten zu handeln, wenn ich Herrn Prediger Bähr für seine sachgemäßen, zu Herzen gehenden Ausführungen in der letzten Nummer dieses geschätzten Blattes, für seine Anregungen und Ausführungen vollste Anerkennung zolle. Nur ein Kultusbeamter, von dem so Vieles verlangt wird für das Wenige, das die Gemeinde ihm leistet, kann sich in die oft gar zu traurige Lage eines Kultusbeamten hineindenken. Was wird nicht alles in den kleineren Gemeinden, die sich in der Regel nicht für leistungsfähig halten, von einem Kultusbeamten für denkargen Entgelt gefordert! Wenn die Gemeinden von selbst kein Einsehen haben, so ist es wohl gerechtfertigt, wenn eine Organisation geschaffen wird, die ihnen das schöne Bild von des Kultusbeamten und seiner Familie Dasein und hoffnungsreicher Zukunst vor Augen führt. Von dem Lehrer-Verband alleinoder von dem Rabbiner- Verband haben die Kultusbeamten nichts zu erwarten. b b "ON )\N DK. Deshalb ist es notwendig, liebe Berussgenossen, eine herbeizuführen; nur Einigkeit macht stark, und das nur billige Verlangen wird von jedem Einsichtsvollen gutgeheißen werden. Es ist Zeit, daß auch für die „unentbehrlichen Kultusbeamten" eine andere Aera anbricht. Das Peßach-Fest ist das Fest der Hoffnung, ein tfinn ZPUKn; in dem harten und strengen Winter leben wir in der Hoffnung, es wird Frühling werden. Aus der Seder-Schüssel prangt das schöne Grün, auch ein Symbol der Hoffnung und Wiederbelebung; kurz ein Sehnen und Hoffen zeigt sich in jeder Lage des Menschenlebens. Auch der Kultusbeamte, der im Dienst der Gemeinde steht, der zu jeder Zeit als ein Diener des Herrn seine Ausgabe, sowohl in der Schule, als Erzieher der Jugend, als auch im Tempel, um die innigen Gebete für seine Gemeinde an Gott zu richten, wie auch im Dienst der Schechita, treu und gewissenhaft zu erfüllen bestrebt ist, darf ebenfalls auf eine schöne Frühlingszeit hoffen. Vielleicht wird ihm bald der Ruf erspart sein Tift "iy! Möge die schöne Frühlingszeit mit ihren Sonnenstrahlen auch manches Dunkle im Kultusbeamtenstand erhellen. Durch mriN wollen wir das Interesse der Gemeinden fördern, indem wir zur Hebung des Kultusbeamtenstandes uns bemühen. Finkelstein, Polzin. Literarisches. Une Carriere Philologique en Roumanie. Par Lazare Sainean. Paris bei Larousse, Rue des Ecoles 58, und Bukarest bei Emil Storck, Calea Victoriei 53. Ein jüdischer Gelehrter, geborener Rumäne, erzählt seine Leidensgeschichte, wie er um die versprochene Naturalisation aus echt rumänische Art betrogen wurde. Hauptakteur war dabei Herr Demeter Stourdza, Rumäniens Minister. Handbuch der Ernährung für Gesunde und^Magenkranke. Mit besonderer Berücksichtigung Ider jüdischen Spcisegesetze. Von Dr. P. Münz, prakt. Arzt in Nürnberg. Mainz, Wirth'sche Hosbuchdruckerei A.-G. Es ist schon ein großer Vorzug des Buches, daß es in seinem Titel sagt, was es will und verspricht. . Die Arbeit ist unter allen Umständen dankenswert. Ob sie in allen Punkten das Richtige trifft, mögen die Mediziner beurteilen.

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