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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1901-03-29 · 13 (29.3.1901) · p. Seite 206

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
Israelitische Wochenschrift
Issue
13 (29.3.1901)
Date
1901-03-29
Page
Seite 206 (sequence 14)
Language
German
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Seite 206. Israelitische Wochenschrift. Nr. 13. sunden. Der Gesellschaftsoorstand wurde wiedergewählt, über das erfreuliche Wirken der Gesellschaft Bericht erstattet und Decharge erteilt. Berlin, 24. März. (Ferien-Kolonien.) Das Komitee für Ferien-Kolonien jüdischer Kinder hat seinen 16. Jahresbericht versandt. Es hat im vorigen Jahr 334 Kindern einen oierwöchentlichen Sommerausenthalt verschafft, davon 90 in der Eugen und Amalie Rosenstiel-Stiftung in Bad Elmen. In den Provinzen wurden 98 Knaben und 113 Mädchen in unentgeltliche Pflege genommen. Der Ankauf eines Grundstücks an der Ostsee ist beabsichtigt. Hierfür sind 10 000 Mk. gespendet. Zu den vorjährigen Kosten hat der Berliner Verein für Ferien-Kolonien Mk. 609.80 zugeschossen. In Vollkolonien waren 45 Knaben und 78 Mädchen untergebracht. Die Ausgaben für diese 123 Voll-Kolonisten betrugen bei 3444 Verpflegungstagen Mk. 6750.50. Die Gesamtausgaben des Jahres 1900 beliefen sich aus Mk. 10 953.70. Dem guten Werk ist jede Förderung zu wünschen. Berlin, 28. März. (Jüdisches Mädchenstift.) Das Jüdische Mädchenstist, das unbemittelte jüdische Mädchen hauswirtschastlich heranbildet und für den Dienstbotenberus vorbereitet, versendet den 11. Jahresbericht. Die nach Lothringerstraße 16 verlegte Anstalt hat im abgelaufenen Jahr 8 und im ganzen bisher 49 Zöglinge nach beendigter Ausbildung, die von der Hausmutter Frau Bär geleitet wird, in Dienst treten lassen. Der Vorstand unter dem Vorsitz. des Waisenhaus-Direktors Dr. Strelitz und der Frau Julie Neumann hat die Absicht, ein eigenes Heim für das Stift zu erwerben; der hierzu gebildete Grundstock ist von Frau Geh. Kommerzienrätin Meyer - Cohn um 5000 Mk. erhöht worden. Dagegen mußte der Reservefonds zur Deckung von Ausgaben um ca. 1200 Mk. geschmälert werden. Die General- Versammlung hat heute im Stift stattgefunden. Berlin, 23. März. (Wissenschaftliche Lehrervereinigung.) Die „Wissenschaftliche Vereinigung jüdischer Schulmänner zu Berlin" hielt am 2. März eine Sitzung unter Leitung ihres zweiten Vorsitzenden Herrn Hanff. — Kollege Flanter hielt einen Vortrag über das Thema: „Was sollen unsere Kinder lesen?" Der Referent steht auf Seiten der Pädagogen, die eine für die Jugend berechnete, auf Alter und Bildungsgrad Rücksicht nehmende Lektüre nicht nur für berechtigt, sondern für notwendig halten. Die Jugendlektüre ist ein wesentlicher Erziehungssaktor. Sie soll das Erziehungswerk unterstützen und ergänzen. Der weitaus größte Teil der vorhandenen allgemeinen Jugendschriften hat einen ausgesprochen christlich-konfessionellen Charakter, was für die Kinder christlichen Glaubens nur zu billigen ist, aus jüdische Kinder aber von ungünstiger Wirkung sein muß. Von der großen Zahl Jugendschriften mit ausgesprochen judenseindlicher Tendenz zu schweigen, gebe es eine Anzahl Schriften, die durch die einseitige Verherrlichung des Christentums eine nachteilige Wirkung aus das religiöse Empflnden jüdischer Kinder ausüben. Schriften für unsere Kinder müssen von jüdischem Geist durchdrungen sein, über jüdische Geschichte und Literatur die Leser belehren. Die vorhandenen jüdischen Jugendschriften können kaum als solche betrachtet werden, weil sie den pädagogischen und literarischen Anforderungen , der Neuzeit nicht entsprechen. — Im Anschluß an den mit lebhaftem Beifall ausgenommenen Vortrag wurde nach längerer Debatte folgende Resolution angenommen: „In Anbetracht, daß ein nicht geringer Teil der vorhandenen Jugendschriften das religiöse Gefühl der jüdischen Kinder verletzt, ersucht die „Wissenschaftliche Vereinigung jüdischer Schulmänner zu Berlin" den Verbandsvorstand, der Jugendschriftenfrage besondere Aufmerksamkeit zuzuwenden, die vorhandenen Jugendschristen nach den angegebenen Gesichtspunkten zu prüfen, das Resultat seiner Thätigkeit der Oeffentlichkeit zugänglich zu machen und insbesondere aus Mittel und Wege zu sinnen, die Abfassung und Herausgabe solcher Jugendschristen zu fördern, die für die jüdische Jugend geeignet sind". Hannover, 24. März. (Religionsschule.) Heute hat die öffentliche Prüfung an der unter Leitung des Herrn Direktor Dr. L. Knoller stehenden Religionsschule der hiesigen Gemeinde mit bestem Gelingen stattgefunden. Dem Jahresbericht ist die Mitteilung des Schulvorstandes vorausgeschickt (an dessen Spitze Herr Landrabbiner Dr. Gronemann steht), daß es in unserer Gemeinde wohl kaum Eltern giebt, die ihre Kinder ganz ohne Religionsunterricht auswachsen lassen, daß aber sehr viele, wenn nicht die meisten, sich mit einem oberflächlichen Unterricht von 1—2 Stunden wöchentlich begnügen, und selbst diesen erst mit dem 9. oder 10., oft mit noch späterem Lebensjahr ihre Kinder genießen lassen. Der Bericht selbst beginnt mit einer treffenden Darlegung des Direktors über die Ausgaben der Religionsschule in der Gegenwart. Ahlem bei Hannover, 26. März. (Erziehungsanstalt.) Der Vorstand der hiesigen Israelitischen Erziehungsanstalt hat den fünften Bericht (für das Jahr 1900) herausgegeben. Der Bericht zeigt das gedeihliche Fortschreiten des vortrefflich geleiteten Instituts, das durch Errichtung einer Mädchen- Erziehungsanstalt eine notwendige Ergänzung demnächst erfahren soll. Die hier und da gehegte Befürchtung, daß die in der Israelitischen Erziehungsanstalt ausgebildeten Zöglinge nach Beendigung ihrer Lehrzeit keine Stellungen finden könnten, hat sich als völlig grundlos erwiesen. Soweit die Anstalt, die mit wenigen Ausnahmen mit allen entlassenen Zöglingen in schriftlichem Verkehr steht, hat ermitteln können, sind alle früheren Lehrlinge in Stellung. Für den jetzigen Ostertermin wurden von angesehenen Gärtnern, die teilweise schon früher Gehülsen aus Ahlem erhalten hatten, weit mehr junge Leute verlangt, als ihre Lehrzeit beendet hatten. Die Anstalt, die bislang bis auf den letzten Platz besetzt war, hat von Ostern ab in Folge des Abgangs vieler Zöglinge sowohl in der Schüler-, wie in der Lehrlingsabteilung einige Vakanzen. Für die Angehörigen oder Gemeinden, die Knaben unterbrinqen wollen, ist es ratsam, sich möglichst bald an die Israelitische Erziehungsanstalt in Ahlem zu wenden. Frankfurt a. M., 23. März. (Aus dem Literaturverein.) Im Verein für jüdische Geschichte und Literatur sprach im vorigen Monat Herr Rabbiner Dr. Kotteck aus Homburg v. d. H. Sein Thema lautete: „Die vier Gefangenen". Redner gab einen Ueberblick über die Verhältnisse des Thoraftudiums von den Zeiten der Mtschna an und schilderte dann die Blüte des Studiums in Italien, das seit früher Zeit mit Palästina in Verbindung stand, und in Spanien, wohin es /

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