Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- Israelitische Wochenschrift
- Issue
- 13 (29.3.1901)
- Date
- 1901-03-29
- Page
- Seite 203 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Nr. 13. Israelitische Wochenschrift. Serie 203. Herz wünscht, bringen mir gute Malochim, ein schönes Haus in dieser Welt und Hoffnung aus jene Welt. Ich fahre nicht nach Lemberg, nach Wien, um große Häuser zu sehen, sondern nach Belz, nach Zidiezow, um große Menschen zu bewundern. So lange der alte Rebbe gelebt, Rebb Eisekel — „sichraunau liwroche" rufen einige Tischgäste —, war ich jeden Peßach bei ihm". „Das heißt Glück", bemerkt ein alter Mann. „Einmal hat der Nebbe beim Seder von Eliahu gesprochen. Es genügt nicht, einen Weinbecher zu füllen und vom Nowi zu reden. Nach der Gemore hat dieser Kos mit Eliahu nichts zu thun. Ter Jude muß immer Eliahu hanowi sehen und gleich ihm Gutes thun. Arme retten. Unglücklichen helfen. Eliahu hat viele Gestalten. Der Eine sieht ihn in seinem Rebbe, der jüdische Seelen erlöst; der Andere in seinem Frieden stiftenden Raw. Ein Stück Eliahu lebt in jedem Juden, im Gabbai wie im Schames, auch im Soldat, der Trephes ißt, endete der heilige Rebbe seine Thora. — Diese Worte, die der Zadik mit Feuer gesprochen, versetzten mich in höhere Welten. Wenn ich Eliahu sehen könnte! — dachte ich. In diesem Augenblick fiel die Aphikomenmazze des Rebbe aus seinem Kissen, und da ich die Sj'chie hatte, neben ihm zu sitzen, fing ich sie aus. Die Mazze des Rebbe in meiner Hand! Wodurch habe ich — ein kleines Menschel, ein Zwerg, eine Fliege im Vergleich zum Rebbe, das verdient? Was soll ich machen? Die Mazze dem Rebbe geben? Er sitzt in Gedanken versunken, und ich soll ihn stören? — Plötzlich schrie er: „Wer hat den Aphikomen? Ein Ganew ins Gehinom!" „Nein, kem Ganew, h.-iliger Rebbe"^ antwortete ich bebend und ich schob das Gehinom von mir. „Du, Moschele", sprach er sanft, „gieb den Aphikomen, und was dein Herz begehrt, sollst du haben". „Heißt ein Masel!" ruft einer der Tischgäste. „Was sollte ich verlangen, fuhr Reb Mosche fort, in dieser Stunde, in der sich der Himmel für mich geöffnet? „Tausend Millionen;" „neben dem Rebbe in Gan Eden zu sitzen"; „einen großen Schidech durchzuführen"; „in Erez Israel zu sterben"; „Schaß und Sohar auswendig zu können"; „ewig zu leben"; „über alle Schedim zu regieren"; „der größte Rebbe zu werden", rufen die Tischgenoffen bunt durcheinander. „Eliahu hanowi zu sehen", sprechen die Frauen des Hauses und Reb Mosche zusammen. „Bevor ich noch zum Rebbe sprach, erhob er sich mit den Worten: Du willst Eliahu hanowi sehen. Merke dir nreine Tischthora von heute." — Alle Anwesenden lauschten auf die Erzählung, auch die, die diese Geschichte bereits oft gehört. „Aus der Heimreise, fuhr Reb Mosche fort, habe ich beschlossen, das Versprechen des Rebbe geheim zu halten, auch meiner Frau erzählte ich nichts. Meine gute Etel wäre böse, weshalb ich nicht beim Rebbe erwirkt, daß sie auch Eliahu hanowi sehen soll." Seine Tochter ruft: „Sie hätte Recht". Tie Hausfrau sagt stolz: „Ich habe ihn doch gesehen". „Schah, schah!" fährt Reb Mosche Aphikomen fort. „Lange Zeit ist verflossen, bis das Versprechen des Rebbe sechußau olenu, in Erfüllung ging. Eines Abends ist ergekommen." „Wer,wer?" fragen dieGäste. „Eliahu hanowi, antwortet Reb Mosche, sich erhebend; er kam, wie der Rebbe gesagt, als Soldat verkleidet." „Er war auch ein Soldat Gottes", ruft einer der Anwesenden dazwischen. Reb Mosche spricht: „Ich war von einer Geschäftsreise heimgekommen und sprach mit meiner guten Etel, da öffnete sich plötzlich die Thür und ein jüdischer Soldat trat ein mit der Frage: Wohnt hier ein Jude? Tu siehst da eine große Mesuse, antwortete ich. Ec antwortete, daß in Zimmern mit großen Mesuses oft kleine Juden wohnen und in einer Kaserne ohne Mesuse Juden Gott dienen. Was willst du? fragte ich. „Essen und Nachtlager, weil ich vom weiten Weg sehr müde bin, war seine Antwort." — „Vom weiten Weg; überall wo Juden sind, wandert er herum," bemerkt einer der Zuhörer. — Reb Mosche fährt in seiner Erzählung fort: „Meine Etel sagte ihm, daß sie ihm blos Butterbrod geben kann, da sie nur ein wenig Suppe und Fleisch für mich habe. Da lachte er laut aus und sprach: Ich arbeite mehr als euer Mann und verdiene eher gut zu essen. Schon wollte meine Frau ihn anschreien, als sie mit ihm Mitleid bekam." — „Welches Glück!" rufen die anwesenden Gäste. — „Wascht euch die Hände zum Essen, sagte ihm Etel, woraus er antwortete: „Ich werde sie waschen, aber ich bin kein Rebbe und kein Row, kein Stadtregierer und leiu Schulgabbai, und meine Hände sind nicht unrein geworden durch fremdes Geld". „Wer und woher bist du?" fragte ich. „Zuerst Essen geben und dann Fragen stellen", war seine Antwort. Nachdem ihm Etel das Essen gereicht, gingen wir auf kurze Zeit ins zweire Zimmer, um über meine Reise zu sprechen. Als wir znrückkommen, war er am Tisch eingeschlasen. Wir wollten ihn nicht stören und verließen das Zimmer. Als wir aber nach einer Stunde zurückkamen, war er verschwunden!" — „Zum Himmel emporgestiegen!" „Haler das Effm verzehrt?" „War er in diesem Zcmmer?" „Sie haben gewiß das Zimmer geschloffen und er har es dennoch verlassen können!" „Hat er keinen Brief zurückgelassen?" rufen und fragen die Tischgenossen bunt durcheinander. — „In diesem heiligen Zimmer, an diesem heiligen Tisch hat Eliahu hanowi die heiligen Speisen meiner Etel, ja meiner Etel gegessen und meinen Sidur, aus dem ich immer dawene und der immer ans meinem Tisch liegt, hat er in der heiligen Hand gehabt und zwei Blätter verbogen." — „Welche? welche?" schreien die Zuhörer. Rasch hebt Reb Mosche sein Gebetbuch in die Höhe und spricht: „Seht Kinder, seht!" Alle Anwesenden schauen, küssen leidenschaftlich das Gebetbuch, blättern und schreien. Man merkt noch jetzt: die erste Stelle ist das Lied vom Schabbesausgang. Eliahu hanowi, Eliahu hanowi! Darum singt Reb Mosche so feurig Eliahu hanowi. Darum giebt uns die Balboste, sie soll leben, aus der guten Woch einen frischen, heißen Boorscht. — Die zweite Stelle ist die von der Hagada, vom Aphikomen! Wie der alte Rebbe unserm Reb Mosche versprochen! „Jüdelech, Brüder lech, Kinderlech, sängt Reb Mosche wieder an; nachdem der heilige Soldat verschwunden war und ich in dem offenen Sidur diese zwei heiligen Blätter verbogen fand, begann ich zu weinen und zu lochen, zu zittern und zu tanzen und zu schreien. Etclleben, Etelleben! wir haben Eliahu hanowi gesehen! Noch bei der Nacht fuhr ich mit meiner Frau zum heiligen Rebbe, sichraunau liwroche. Teurer, süßer Rebbe, sagte ich, wir haben ihn gesehen, Eliahu hanowi; er war unser Gast — und erzählte ihm alles, alles. Der Rebbe lachte — weil er gewiß die Geschichte schon früher von selbst wußte. Reb Mosche, sprach er" — die Hausfrau bemerkte stolz: Der Rebbe, der jeden geduzt