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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1901-03-29 · 13 (29.3.1901) · p. Seite 197

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
Israelitische Wochenschrift
Issue
13 (29.3.1901)
Date
1901-03-29
Page
Seite 197 (sequence 5)
Language
German
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Nr. 13. Israelitische Wochenschrift. Seite 197. und Industrie, auch in der Landwirtschaft seinen Platz auszusüllen vermag. Die Juden haben 18 neue Traubensorten und 7 neue Obstsorten in Palästina akklimatisiert. Ferner haben sie neue Weizen- und Gerstenarten eingesührt, den Anbau von Kartoffeln kultiviert, türkischen Tabak angepflanzt und die Seidenzucht eingeleitet. Im Gegensatz zum Araber, der in Palästina Raubbau treibt, geben die Juden dem Boden Dung, arbeiten mit eisernen Pflügen, mähen und dreschen mit Dampfmaschinen und säen Futter für das Vieh. Wie bedeutend die jüdische Kolonisation jetzt schon die Steuerkraft Palästinas hebt, beweist das Beispiel von Rischon-Le-Zion. Vor 18 Jahren brachte das elende Arabernest Ajun-Karah, aus dessen Boden sich jetzt die jüdische Kolonie Rischon-Le-Zion erhebt, der türkischen Regierung 300 Frcs. jährlich an Steuer ein. Jetzt bringt dieser Boden, den die Juden in eine reiche Weinplantage umgewandelt haben, 30 000 Francs Steuer. in kt Mio« kt Kultusbeaintkn an den Deutsch-Israklttlsihen-Gemkmdebusd. Erwiderung an den Verband der jüdischen Lehrer-Vereine im Deutschen Reich. Von Jacob Bähr in Waldenburg i. Schl. Der Verband der jüdischen Lehrer-Vereine hat mir in Nr. 8 seines offiziellen Organs den Fehdehandschuh hingeworfen. Soll ich ihn aufnehmen? Nein! N8 p mn niDl rpb D"iNn „Beurteile jeden Menschen nach der besten Seite!" ist eine goldene Lebensregel der Alten, und nach dieser Lehre sollen auch die Leiter des Verbands beurteilt werden. Diese Herren haben wohl die beste und redlichste Absicht mit ihrem schönen Werk. Sie wollen es möglichst groß machen und groß erhalten und mit ihm dem Judentum einen neuen Heilsquell erschließen. Das ist gewiß löblich und verdient allseitige Anerkennung und Förderung. Nur muß alles, was der Verband unternimmt, mit nötiger Umsicht, mit nötigem Takt und mit zulänglicher Kraft geschehen. nN nbpbpD rcrux rrwn — aüzugroße eifernde Liebe überschreitet leicht die Grenze, die Vernunft und Gerechtigkeit jedem menschlichen Wollen und Streben gezogen. Führer einer großen Sache dürfen sich niemals von Gefühlen, sondern nur von praktischen Erwägungen leiten lassen; sie müssen mit klarem Blick das ganze Arbeitsgebiet überschauen, dabei tiefgehendes Verständnis für das Einzelne besitzen und zugleich die ehrliche Meinung Anderer mit Vorsicht prüfen und ihnen stets mit schuldigem Respekt begegnen. Das sind die ersten Voraussetzungen für das Gelingen und Gedeihen großer Werke. Eifersucht, Oberflächlichkeit und Verdächtigung aber sind unzuverlässige Gesellen, Boten der Hölle, nie des Himmels. Wer diese in den Dienst stellt, kann wohl alles verlieren, nie etwas gewinnen, am wenigsten ideale Ziele erreichen. Diese Momente hat bedauerlicherweise die Leitung des Lehrer-Verbands mir gegenüber außer Acht gelassen. Ohne jeglichen Beweis, aus Grund eines oberflächlichen falschen Schlusses, werde ich einer großen Schuld verdächtigt. Weil ich eine Verbesserung der traurigen Lage meiner Berussgenossen im Kultusbeamtendienst anstrebte, werde ich von der Verbandsleitung als Störenfried verschrieen, und es werden mir Dinge untergeschoben, an die ich niemals gedacht habe, lieber die von mir redigierte Petition an den Gemeindebund wird in der leichtfertigsten Weise behauptet: „Der Abfassung der Bähr'schen Bittschrift hat eine andere Tendenz zu Grunde gelegen, die wir im Interesse der jüdischen Lehrerschaft hier klar legen müssen: Es soll ein Keil in die jüdische Lehrerschaft getrieben werden; das so mühselig geschaffene Werk des Lehrer-Verbands soll wieder zerstört werden". Das ist eine ungeheuerliche Leistung, das ist eine boshafte Unterstellung, die eines Ehrenmanns unwürdig ist und die ich mit aller Entrüstung zurückweise! Wahrlich nein, ich bin kein Zerstörer, beileibe nicht! Im Gegenteil: Ich habe mich seinerzeit über die Begründung des Verbands herzlich gefreut und wünsche ihm das beste Gedeihen. Was in meiner schwachen Kraft steht, werde ich stets zu seiner Erstarkung und Entfaltung beitragen. Ich hoffe auch ganz bestimmt, daß er auf dem Gebiet der religiösen Erziehung der jüdischen Jugend Ersprießliches leisten werde. — Und nun soll ich solches Werk zerstören wollen? Warum denn, um des Himmels willen? — Wo in aller Welt habe ich mich je gegen den Verband geäußert? — Ich bekenne es hier offen: hätte ich jemals den Gedanken, einen „Keil in die jüdische Lehrerschaft" zu treiben, ich würde einen Büßgang antreten, ich würde pater peceavi rufen. Aber solcher Gedanke lag mir stets fern. — Nicht ich habe gesündigt, sondern die Verbandsleitung hat geirrt — ich sage nicht: böswillig gefehlt. Irren ist menschlich. Aber Männer, die an der Spitze einer großen Vereinigung stehen, dürfen nicht so leicht irren, dürfen nicht kurzsichtig und engherzig sein. Das muß ihrer Sache verhängnisvoll werden. Sehen wir uns einmal näher die Stelle an, in der die Verbandsleitung Verdachtsmomente zu finden glaubt, daß ich so schlimme Absichten gegen den Verband hege. Es ist der folgende Satz unserer Petition, in der die Bitte ausgesprochen wird: „daß die Kultusbeamten durch Zuwendung einiger Geldmittel in den Stand gesetzt werden, sich eine Zentrale zu schaffen, wo ihre gesamten Staatsinteressen eine Vertretung finden. Mit dem bestehenden Lehrer-Verband hat die Kultusbeamtenschast eine nur ganz geringe Interessengemeinschaft". Ich frage nun jeden denksähigen Menschen: wo liegt in diesen Worten eine Spitze gegen den Verband, wo eine Aufforderung, ihn zu vernichten? Hier ist nur eine einfache Wahrheit-klar ausgesprochen, eine Wahrheit, die bisher leider zum größten Nachteil des Kultusbeamtenstandes von den Beteiligten nicht beachtet wurde. — Herr 9i ist Imker und gehört als solcher dem Verein für Bienenzucht an. Er ist aber in seinem Hauptberuf Landwirt, und um eine Vertretung für seine Lebensinteressen zu schaffen, hilft er den Bund der Landwirte begründen. Würde nun jemand dem betreffenden Herrn X deshalb einen Vorwurf machen? Würde das als eine Schwächung des Bienenzüchter-Vereins angesehen werden? Nur die vollendete Jmbecillität könnte solches behaupten. —

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